Die Frau Mutter erscheint mit finsterem Blick. Sie schreitet schnellen Schrittes auf ihren Sohn zu, der das Rascheln der langen Röcke alsbald dicht hinter sich wahrnimmt. "Hermann Götz von Grafenstein! Nehme er sein Instrument und fröne er der Musik!"
Widerwillig trottet der Knabe hinüber zum Flügel, an welchem sein Fräulein Schwester bereits Platz genommen hat. Agatha Geraldine Amalie ist mit göttlicher Schönheit beschenkt und bereits im heiratsfähigen Alter. Leidenschaftlich schlägt sie die Tasten und bringt eine Fuge in D Moll, eine Gavotte und ein recht anspruchsvolles Menuett zu Gehör.
Neidvoll blickt der Bruder auf die meisterlich musizierende junge Dame. In einem Anflug schierer Boshaftigkeit reißt er die handgearbeiteten Notenseiten aus dem Pult und wirft sie von sich. Die Kunstwerke wirbeln wild durcheinander und eines weht, vom Luftzug des offenen Fensters getragen, direkt auf den Hof. Die Frau Mutter ist außer sich vor Entsetzen!
Dem Knaben wird aufgetragen, sofort hinunter zu eilen, um das Verlorengegangene zurück zu bringen.
Nach einiger Zeit kehret er mit leeren Händen zurück.
Wo ist es nur, dieses wertvolle Notenblatt? Man sagt, der Wind hätte es weit, weit davongetragen...
Andere behaupten, der Knabe hätte es an sich genommen und in seiner Schatztruhe versteckt aus wildem Zorn...
Wer weiß...
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