Warum wird die Marienkapelle eigentlich Besenkapelle genannt?
Solche Besenkapellen finden sich im süddeutschen Raum, in Vorarlberg, der Schweiz und im Elsass. Sie gehen auf einen Brauch zurück, der wohl in den Pestzeiten entstanden ist. Menschen, die von der Pest verschont blieben oder sie überlebten, opferten einen Reisigbesen. Auf der Nordseite verläuft eine Mauerbank, die zur Ablage der Besen diente.
Dieser Brauch ist teilweise - vor allem im Allgäu - bis in die heutige Zeit beibehalten worden. Bei Ausschlägen, Furunkeln oder anderen Hautausschlägen erhoffte man sich durch das Besenopfer Heilung oder zumindest Besserung. Anton Frank erzählt in seiner heimatkundlichen Stoffsammlung über die Besenkapelle in Dinkelscherben: „Man findet dort gar oft kleine Reisigbesen, so wie sie der Nikolaus als Rute bösen Kindern bringt, die Frauen dort liegen lassen. Abends geht manche Frau ohne zu sprechen und ohne jemanden anzusehen zur Kapelle hin, kehrt die Spinnweben weg und den Schmutz von den Figuren, betet dabei zu den Heiligen, damit sie die Angehörigen der Familie von Furunkeln, Warzen und Ausschlägen befreien.“
Die Besenkapelle in Dinkelscherben wurde bereits in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts errichtet. Im Innern befinden sich vier rundbogige Nischen. Sie beherbergten die Statuen der Diözesanpatrone St. Ulrich und St. Afra aus dem letzten Viertel des 16. Jh. sowie die Hl. Maria und den Hl. Johannes aus der Mitte des 17. Jh. und das Kruzifix aus der zweiten Hälfte des 18. Jh. Diese Kunstwerke sind aus Sicherheitsgründen in der St. Simpertkirche untergebracht.