Der Sprengelpark ist eine schöne, ca. 10 000m² große öffentliche Parkanlage mit Spielplatz im Herzen des Sprengelkiezes. Sie liegt zwischen Sprengel- und Kiautschoustraße nordwestlich des Pekinger Platzes. Entstanden ist die Parkanlage ab 2004 auf einem Gelände mit einer langen und bewegten Industriegeschichte, über die ihr euch vor Ort anhand einer Infotafel ausführlicher informieren könnt. Der Umbau des Geländes zur Parkanlage wurde durch die Bundesbahn finanziert, als Ausgleich für die Überbauung des Mettmannplatzes. Der Bezirk Mitte ist Bauherr und stellt das Gelände für diese Ausgleichsmaßnahme zur Verfügung.
Industriegeschichte am Ort des heutigen Sprengelparks (Chronik)
1867
Die Norddeutsche Fabrik für Eisenbahn-Betriebs-Material AG wird gegründet. Auf dem zwölf Hektor großen Gelände zwischen Nordufer und Triftstraße, Torf- und Tegeler Straße entsteht eine Eisenbahnfabrik. Die industrielle Nutzung des Gebietes beginnt.
1879
Die Eisenbahnfabrik wird mangels Aufträgen geschlossen. Die Norddeutsche Lagerhaus AG übernimmt das Industriegelände.
1902
Das gesamte Gelände wird parzelliert. Die Norddeutsche Lagerhaus AG läßt die Industriegebäude abreißen und verkauft die entstandenen Baugrundstücke an einzelne Personen und Genossenschaften. Die Bebauung mit mehrgeschossigen Mietshäusern beginnt.
1905
Die bei der Parzellierung entstandenenn Straßen erhalten ihre heutigen Namen: Sprengelstraße, Kiautschoustraße und Samoastraße. Die Sprengelstraße reicht nun vom Sparrplatz bis zur Torfstraße. Sie ist nach dem Botaniker Christian Konrad Sprengel (1750-1816) benannt, der in der Jungfernheide die Bestäubung von Blumen durch Insekten entdeckt hat. Die Kiautschoustraße und die Samoastraße werden nach deutschen Kolonien benannt.
1924
Die Rohrbach Metallflugzeugbau GmbH kauft die Grundstücke Sprengelstraße 28-23 und Kiautschoustraße 9-12. Eine Flugzeugfabrik entsteht. Nach den Plänen des Architekten Werner March, der später das Olympiastadion baut, errichtet die Rohrbach Metallflugzeugbau GmbH eine Montagehalle und eine Bürohalle. Die Firma produziert Flugzeuge und Flugboote, unter anderem im Auftrag der deutschen Lufthansa.
1934
Der Gründer der Rohrbach Metallflugzeugbau GmbH, Adolf Rohrbach (1889-1939), muß seine Firma aus Mangel an Aufträgen aufgeben. Er wechselt zur Bremer Weser-Flugzeugbau GmbH. Die Fabrik im Wedding wird zum Werk „Rohrbach“ der Weser-Flugzeugbau GmbH. 1937 wird das Flugzeugwerk verkauft.
1937
Die Fertigungsgerätebau GmbH übernimmt das Flugzeugwerk. Diese Firma ist Eigentum der Luftfahrtkontor GmbH, einer Gesellschaft des Reichsministeriums für Luftfahrt. Die Flugzeugfabrik wird zum Rüstungsbetrieb und führt Wehrmachtsaufträge aus.
1942
Während des Zweiten Weltkrieges (1939-1945) setzt die Flugzeugfabrik Zwangsarbeiter ein. Ab 1942 sind es etwa 65 Arbeiter aus Tschechien, Frankreich und Holland.
1944
Nach Bombardierungen des Industriegeländes wird der Betrieb im November 1944 eingestellt. Die produktion wird nach Malá Borovnièka, einem Ort im heute tschechischen Teil des Riesengebirges, verlagert und dort bis Kriegsende fortgesetzt.
1945
Die Nutzung des Industriegeländes verändert sich. Der Industriestandort wird zum Gewerbegebiet. Im Krieg zerstörte Hallen werden nicht wieder aufgebaut. Die ünrigen Gebäude werden an unterschiedliche Gewerbetreibende und Unternehmen vermietet. Das Fabrikgelände befindet sich weiterhin im Besitz der Fertigungsgerätebau GmbH, untersteht aber der französischen Militärverwaltung.
1967
Das gesamte Gelände geht in den Besitz der Stadt Berlin über. In den 1980er Jahren gibt der Berliner Senat städtebauliche Untersuchungen über eine neue Nutzung des Geländes in Auftrag. Die Denkmalwürdigkeit der Montagehalle wird geprüft, sie wird aber nicht unter Denkmalschutz gestellt.
2004
Bis auf zwei Gebäude an der Kiautschoustraße werden alle Hallen und Werkstätten auf dem Industriegelände abgerissen, darunter auch die 1924 von Werner March erbaute zentrale Montagehalle. Das Industrieareal wird in einen Park verwandelt.
Quelle: Infotafel vor Ort