Es erschien im Jahr 1875 ein jüngerer Mann in der Person des Rittergutsbesitzers und Millionärs aus Berlin stammend, namens Ferdinand Griebenow, in Vetschau, der sich hier verheiratete und niederlassen wollte. Dazu kaufte er in der Bahnhofstraße ein Landeck von 18 Morgen bis an die Schönebegker Straße und grenzte diese Ecke mit einem eigenen Weg, der späteren FriedrichLudwigJahnStraße, ab. An einer etwas erhöhten Stelle, fast mitten in diesem Gelände, ließ er sich von italienischen Baumeistern eine schloßähnliche prachtvolle Villa bauen, Baustil Klassik. Ihr quadratischer Turm besaß bis oben Turmzimmer mit schöner Aussicht. Von der Calauer Chaussee in der Höhe des Dorfes Koswig kommend, leuchtete einem der Turm aus gerader nördlicher Richtung vom Horizont entgegen in seiner weißen Farbe, in der auch die ganze Villa erstrahlte. In Vetschau wurde die Villa deswegen auch die "weiße Villa" genannt.
Dieselbe besaß ein schönes überdachtes Portal an ihrer Westseite und östlich von der Villa, der Vorderfront, befand sich ein großer rundgemauerter Springbrunnen. Ca. 50 m südwestlich befand sich der gepflasterte Hof mit den Wirtschaftsgebäuden, den Wohnungen des Personals, den Pferdeund Viehstallgebäuden sowie den Remisen für Kutschen, Wagen und Arbeitsgeräten. Anschließend an diesem Hof wurde ein 4000 qm großer Obst und Gemüsegarten mit einem schönen beheizbaren klassischen Gewächshaus angelegt. Eine lange verzierte Mauer trennt diesen Garten von dem kostspielig angelegten großen Park mit herrlichen, seltenen Bäumen und Sträuchern, durch den wunderschöne Wege bis zur Villa und um dieselbe herum, an dem aufgeschütteten Berg des Eiskellers vorbei führten.
An der Bahnhofstraße entlang grenzt eine Mauer mit schmiedeeisernem Zaun und großem Einfahrtstor das gesamte Villen und Parkgrundstück ab. Der Besitzer dieses neuen und schönsten Gebäudes der Stadt heiratete dann die jüngste Tochter des Gründers der ersten Textilfabrik in Vetschau, Adolf Blütchen, Selma Blütchen. Diese Ehe blieb kinderlos.
Diesem Ehepaar Griebenow hatte die Stadt Vetschau in ihrer stetig fortschreitenden Entwicklung viel zu verdanken. Geschenke großer Geldbeträge, von Gebäuden u.a. auch der neuen Friedhofskapelle und einer neuen Orgel für die Stadtkirche und vieles andere. Es wurde berichtet, Ferdinand
Griebenow habe dem Deutschen Kaiser ein zu kostspieliges Pferdegespann (einen Sechserzug
Grauschimmel) abgekauft, mit dem er im Landauer oder auch anderen kostbaren Kutschen über die Vetschauer Lande und Dörfer fuhr, natürlich mit eigenem Kutscher.
Das Ende einer Ära am19. Dezember 1960 wurde die alte Villa gesprengt
Die einleitenden Zeilen klingen wie aus einem Märchen, tatsächlich jedoch aus einer Zeit, in der in unserer Stadt deutsche Kultur und Aufbau herrschten. Schon 85 Jahre später zeigt uns das Schicksal der "weißen Villa" schonungslos die Richtung, in die sich unsere Stadt und unser Land entwickeln würden:
"Diese alte Herrenvilla wird bald die wahren Herren unseres Staates beherbergen, denn in Vetschau soll sie zum Kulturhaus ausgebaut werden."
so die polemische Äußerung der Genossen von der "Lausitzer Rundschau" kurz vor der Sprengung der Villa Griebenow im Jahr 1960. Wie viel die Kommunisten in der Lausitzer Rundschau und im "Rat der Stadt" von Kultur verstanden, zeigten sie damit, dass sie es nicht fertigbrachten, dem wunderschönen Gebäude eine neue Bestimmung zu geben.
Der SED-Rat der Stadt Vetschau bekommt vom SED-Bezirk Cottbus die Bewilligung für Geld und Kapazitäten zur Neugestaltung des Schloßparkes, die längst notwendig war. Nach dem der Gartenbaubetrieb mit Leuten und Maschinen ein Drittel des Parkes geschafft hatten, hieß es plötzlich von Cottbus "Stop!" Alles wurde nach Cottbus mit Geld beordert, und in Vetschau verfiel wieder alles in einen Jahrzehnte langen Dornröschen Schlaf. Hunderttausend Mark für nichts verpulvert, und so ging es ununterbrochen weiter: Spitzenleistung an diktatorischer Dummfrechheit dieser SED-Bezirksleitungsmitglieder waren folgende Schildbürgerstreiche, für die dann immer die niedrigere Leitungsstufe des Kreises und des Ortes geradestehen musste.
Die Aktion "Griebenow-Villa" in Vetschau Besitz einer Erbengemeinschaft und von deren Vertreter verwaltet wird von der Stadtverwaltung bevormundend mehr oder weniger ordentlich genutzt, natürlich vor der Bewohnung der Roten Armee ausgeplündert und dann von Letzterer misslich behandelt nach Auszug in die Hände der Stadt nicht an die Besitzer zurückgegeben.
Zum Zwecke der Abrechnung nimmt der Vertreter der Erbengemeinschaft das gesamte Objekt wieder in eigene Regie, und die Stadt behält weiterhin die Vormundschaft.
Es war die Zeit des Kraftwerkbaues in Vetschau. Die Bauleitung, bestehend aus tüchtigen Bauingenieuren, verhandelt mit dem Vertreter der Erbengemeinschaft über einen eventuellen Kauf dieses gesamten Griebenow Objektes wie folgt: "Wir kaufen das Objekt zu einem zu taxierenden Preis, stellen die Gebäude und Park wieder in einen neuwertigen Zustand, und nach Beendigung der Kraftwerke Bauarbeiten in einigen Jahren übergeben wir die Villa mit allem der Stadt Vetschau." Der anfallende Preis wurde mit 350.000 Ostmark festgesetzt, und man war bereits einverstanden.
Plötzlich treten die Bezirksgenossen in einer Verhandlung, in der sie den unqualifizierten Betriebsleiter und Parteisekretär Latsch zum Sprecher bestimmen und denselben befehlen lassen: "Die Erbengemeinschaft verkauft das Objekt für den im Voraus bestimmten Preis von 100.000 Ostmark oder sie bekommt gar nichts dafür." Die Regierung in Berlin zahlt auf Vorsprache der Erbengemeinschaft die Summe der Schadenregulierung und will nun mit dem Regierungsvertreter einen Besuch zwecks Richtigstellung der Situation bei den Genossen in der Bezirkseinrichtung in Cottbus machen.
Der gemeinsame Besuch in Cottbus des Vertreters der Berliner Regierung und des der Erbengemeinschaft begann mit einer dummen Absage durch verhinderte Anwesenheit der kompetenten Genossen, obwohl der Berliner Besuch angekündigt worden war. "Ich werde warten, bis sich einer der Genossen wieder einfindet" sagte der Berliner, und nun musste ja einer kommen.
Es kam aber kein Genösse Feigling, sondern man hatte die Genossin Leiterin der Abteilung der Finanzen des SED-Bezirkes geschickt, mit der folgenden Antwort: "Da wir nicht von oben nach unten im Sozialismus regieren, sondern von unten nach oben, werden wir dieses Objekt der spontanen Volksherrschaft im "Nationalen Aufbauwerk" Vetschau übergeben."
Diese Antwort musste sich der Mann der Regierung des Staates gefallen lassen. Dumm und frech also wurde nun für das Griebenow Objekt die Inanspruchnahme durch das Aufbaugesetz für irgendwelche Kulturbauten und Zwecke durchgeführt Enteignung mit spärlicher Entschädigung hieß das. Später nahmen sie das Objekt wieder aus der Inanspruchnahme heraus, das sie sowieso für Vetschau nichts drüber hatten, und dasselbe nur als ein Scheingeschäft entwickelt hatten. Die Genossen in Vetschau und Calau konnte man für solche Dummheiten gut gebrauchen. Am 19. Dezember 1960 aus Wut und Ärger über die Initiative des Vertreters der Erbengemeinschaft Griebenow flog nach gut vorbereiteter Arbeit für 45.000 Mark die auf 500 Jahre Lebensdauer erbaute "weiße Villa" Griebenow in die Luft gesprengt, den Vetschauer Genossen um die dummen Gesichter.
Sie hätten so ein gutes Geschäft machen können, und jetzt mussten sie die Sprengung der Villa, den Abriss der Wirtschaftsgebäude und die Abfahrt des Schuttes bezahlen, was weit über die Kosten einer Entschädigung ging. Die tollste Frechheit, die man den Genossen des Kreises zumutete, war die Rückgabe des völlig ruinierten Grundstückes an den Besitzer, was dieser mit den folgenden Worten ablehnte: "Liebe Genossen, wenn ich jetzt nach diesen gesamten Vorgängen, die unserem Staat Hunderttausende gekostet haben, ohne irgendeinen geringsten Nutzen davon zu haben, zum Generalstaatsanwalt nach Berlin fahre und ihm diese Schildbürgerstreiche vortrage, jagt der Euch alle davon!"
Sie kannten den Vertreter als Initiator solcher Vorgänge zur Genüge, worauf sie die Angelegenheit schnellstens zum Abschluss brachten. Einfache Genossen erkannten die Unfähigkeit ihrer Leitungen längst, was aus den Bemerkungen eines Genossen in den 80er Jahren hervorgeht: "In der Vernichtung und dem Abriss von Gebäuden sind unsere Vetschauer Genossen ganz groß." Er hatte es kaum gesagt, da flog auch schon eines der letzten großen Häuser Vetschaus in die Luft. Das einzige und letzte Hotel Vetschaus, das "Volkshaus" wurde gesprengt. Dieses Haus war das niveauvollste Großgasthaus mit Hotel, das den Namen "Seidels Hotel", "Kaiserhof", "Landbundhof", "Deutsches Haus" und zum Schluss von den Kommunisten "Volkshaus" genannt wurde. Das war also der kommunistische Aufbau in der Altstadt Vetschau.
Im Jahr 2010 noch einmal 50 Jahre später hat die Stadt Vetschau das Griebenow Grundstück übernommen. Die mehr als 100 Personen umfassende Erbengemeinschaft sah sich außerstande, das Grundstück zu erhalten. So wurden in den letzten 20 Jahren nur noch provisorische Arbeiten an dem ehemaligen Park durchgeführt. Heutzutage erinnert das Gelände eher an einen Urwald. Die Stadt Vetschau kann noch kein Konzept zur zukünftigen Nutzung des Geländes vorlegen. So darf an nicht zu viel erwarten, wenn eine am Rande der Zahlungsunfähigkeit geführte Stadt, einer insolventen Erbengemeinschaft einen Park abkauft. Wir für unseren Teil bezweifeln, dass die Stadt Vetschau weder finanziell, noch ideell in der Lage ist, an die alten Zeiten des Parkes anzuknüpfen.
Seine besten Jahre hatte der Park damit wohl bereits erlebt.
(Quelle: vetschaufenster.info)
Beachte: Aufgrund der Bäume können Fehler in der Genauigkeit der Koordinaten auftreten. Im Zweifelsfall Spoilerbild nutzen und wieder gut tarnen!