Wasser ist gesund – dieses jedoch eher nicht
Das Bauwerk, um welches es sich handelt, liegt am beigefügten Wegpunkt. Direkt dort, war es aufgrund der GC-Richtlinien nicht möglich den Cache zu installieren, weshalb er nun ein kleines Stückchen weiter versteckt ist. Ihr habt aber auch von dort aus einen fast direkten Blick auf das Gebäude.
Die Anlage im Gebäude hat mit Abwasser zu tun. Darauf wärt ihr durch schnüffeln vermutlich wohl eher nicht gekommen, denn ich glaube man riecht meist nichts davon. Aber dass hier dennoch eine Menge Abwasser fließt, könnt ihr mit einem Blick auf das Schild am Tor verifizieren. ;)
Da liegt es doch nahe mal etwas über das Abwasser zu erfahren. Wo z.B. fließt es eigentlich hin? - Na, ins Klärwerk natürlich. Gut, aber in welches? Wo steht es? Wem gehört es?...
Hierbei kommt der Abwasserzweckverband (AZV) ins Spiel:
„1977 wurde der Abwasserzweckverband Heidelberg gegründet. Die Städte Heidelberg, Neckargemünd und Eppelheim sowie die Gemeinde Dossenheim schlossen sich zusammen, um sich gemeinsam für den Schutz der Umwelt einzusetzen. Sie planten den Bau einer modernen Großkläranlage, die nur zusammen finanziell zu schultern war. 1983 dann ging das neue auf 360.000 Einwohner- und Einwohnergleichwerte ausgelegte Klärwerk in Betrieb" (Quelle: http://www.azv-heidelberg.de/).

Abbildung: Standort der Kläranlagen des Abwasserzweckverbands (Quelle: OSM-Karte - Wieblingen, Handschuhsheim, Neuenheimer Feld (eigene Bearbeitung))
Geht das gesammte Abwasser in diese Kläranlage?
„In Heidelberg sind mehr als 99 % der Einwohner an die öffentliche Kläranlage des Abwasserzweckverbandes Heidelberg angeschlossen. Die verbleibenden Einwohner entsorgen ihr Abwasser dezentral über Kleinkläranlagen und geschlossene Gruben. Hierbei müssen die Kleinkläranlagen besondere Anforderungen erfüllen. Industrielles und gewerbliches Abwasser muss vor Einleitung in das städtische Kanalnetz oftmals vorbehandelt werden“ (Quelle: http://www.heidelberg.de/hd,Lde/HD/Leben/Abwasserentsorgung+und+Regenwasserbewirtschaftung.html).
Ihr steht nun aber vor dem Abwasserpumpwerk Kirchheim - Was hat es denn nun mit dem auf sich?
Ich habe dazu mal einen netten Mitarbeiter der Stadt angesprochen, der darin arbeitet. Er konnte mir erzählen, dass die Anlage aus dem Jahr 1972 stammt und das gesamte Abwasser Kirchheims von hier aus in den großen Ringkanal raufpumpt, der das Wasser dann zum Klärwerk weiterleitet. Dieser Ringkanal ist wohl ein gewaltiger Sammelkanal, in den die Stadtviertel und umgebenden Siedlungen ihr Abwasser pumpen. Die dafür verwendeten Pumpen sind in diesem Gebäude untergebracht. Hier werden auch die Kanalreinigungswagen entleert, zumindest gehe ich davon aus, da ich hier schon einen im Hof habe stehen sehen.
Warum dieser Standort für das Pumpwerk ausgewählt wurde, hat vermutlich auch einen Grund. Witziger Weise kann dieser Ort nämlich historisch bedingt schon mit Abwasser in Verbindung gebracht werden, weshalb ich hier ein paar ortgeschichtliche Informationen einbringen möchte:
In einem Nebenarm des Neckars, der bei Hochwassern geflutet wurde, bildete sich einst der ehemalige Kirchheimer See. Die Untere und Obere Seegasse zeugen namentlich noch heute von diesem Gewässer, welches sich zwischen diesen beiden Straßen sowie zwischen Odenwaldstraße und Leimer Weg über etwa 5 Hektar erstreckte.
In Folge des Pfälzer Erbfolgekrieges wurde der zuvor von den Bauern gepflegte See teils von Gestrüpp überwuchert. Auch der spätere Name „sogenannter“ Kirchheimer See zeigt an, dass es offenbar keine geschlossene Wasserdecke mehr war. Es bestand wohl eher noch eine gelegentlich wasserführende Mulde in einer Wiesenlandschaft. Der Zufluss war der „Rohrbach“, der etwas nördlich des Bahnhofs nach Kirchheim einfloss und wohl deutlich größer war als das heutige Rinnsal. Durch ihn verursachte Überschwemmungen führten zu heftigen, teils handgreiflichen Auseinandersetzungen zwischen Kirchheimern und Rohrbachern. Man führte zwar Bewässerungsregeln ein, wann die Bauern welchen Stadtteils das Wasser auf ihre Felder zu leiten haben, doch auch diese Maßnahme löste nicht alle Probleme. In niederschlagsreichen Jahren rissen die Kirchheimer Bauern in Nacht- und Nebelaktionen Dämme in Rohrbach ein, sodass das Wasser bereits dort auf die Felder schwappte anstatt wie vereinbart bis nach Kirchheim zu fließen. Mit zunehmendem Wachstum des Dorfes, ab Mitte des 19 Jahrhunderts, wurden Teile des Sees nach und nach trockengelegt. (Informationen aus der Quelle: Philipp Körner 2009 – Kirchheim – Ein heimatkundlicher Überblick, S. 28 f.)
„Nach der Eingemeindung 1920 wurde die natürliche Vertiefung des ehemaligen Kirchheimer „Sees“ als Klärschlammbecken verwendet und allmählich aufgefüllt" (Philipp Körner 2009 – Kirchheim – Ein heimatkundlicher Überblick, S. 30).
So war das im Vergleich zum Umfeld tiefergelegene Gebiet also schon in langer Vergangenheit der Ort, an dem sich die Kirchheimer Abwässer sammelten und auch heute noch kommt die ganze Scheiße hier zusammen. ;)
Dieses Phänomen, auch Schwerkraft genannt ;), ist vermutlich einer der Gründe, warum das Abwasser-Pumpwerk hier steht. Außerdem ist es hier schön ab vom Schuss, wo es wohl niemanden stört.
So, nun könnt ihr aber ruhig mal die Dose bergen. Nach soviel Input habt ihr euch das verdient. ;)
Wie in der Kurzbeschreibung erwähnt war die Installation der Dose aufgrund von Abstandskonflikten leider nicht am Pumpwerk möglich. Ihr müsst zum Bergen der Dose weder Privatbesitz, noch den bewirtschafteten Acker betreten.
Anders als in einem Logg vermutet wurde, ist der Gartenbesitzer nicht der Owner des Caches. Er wurde aber mittlerweile entmuggelt und weiß nun Bescheid. ;)
Also viel Spaß beim Suchen und ich hoffe, dass die ein oder andere interessante Information für euch dabei war.
Viele Grüße, der/die/das Anjuta