Ich kam an diese Stelle und wollte einen einfachen Cache finden und signieren, wobei ich über diese Brücke und an den kleinen Bach vorbei lief. Dabei vielen mir einige Dinge auf, die mir als Liebhaber von Earthcaches einfach nicht entgehen konnten. Viele der Earthcaches sind von Bodenprofilen oder ähnliches geprägt wie Moore, Felsformation (und Findlinge) oder Abraumhalden und Stollen. Dieser hier ist eher unscheinbar. Man läuft daran vorbei und registriert die Eigenheiten gar nicht. Erst wenn man darauf hingewiesen wird, werden diese Phänomene entdeckt Deshalb habe ich mich entschlossen, diesen Cache hier zu „legen“.
Flussmäander
Klein, unscheinbar und natürlich fließt und plätschert hier der Todtglüsinger Bach entlang und unter der Holzbrücke hinweg. Schaut man Bachaufwärts kommt das Wasser in u. a. Schleifen herbei geflossen. Diese Flussschleifen nennt man Mäander. Das kommt aus der griechischen Sprache und leitet sich wiederum von zwei Flüssen ab, die in der heutigen Türkei liegen.
Wie kommt es aber dazu, dass ein Fluss sich in Schleifen fortbewegt, da dieser Weg ja viel länger ist? Wasser ist absolut effizient, was den Verbrauch von seiner Kraft bzw. Energie angeht und der kürzeste Weg ist eben nicht immer der sparsamste. Stößt das Wasser auf ein Hindernis, eine Barriere oder eröffnet sich in einer anderen Fließrichtung Einsparpotenzial, so wird eine neue Richtung eingeschlagen. Man kann dieses gut an Fensterscheiben beobachten, an den der Regen hinab läuft. Das Wasser fließt im Zickzack und nicht jeder Tropfen nutzt dieselbe Bahn. Da sind oft Schmutzpartikel, die den Weg beeinflussen. Auch in der Natur ist dies so. Es können Steine (auch ganzen Berge), Teile von Lehmschichten im Boden oder organische Überreste sein, die umrundet werden müssen. Aber auch ein leichtes Gefälle in eine andere Richtung reicht aus, um den Verlauf ein paar Grad abweichen zu lassen. Anfänglich sind dies nur kleinste, kaum wahrnehmbare Korrekturen, hat der Prozess aber erst einmal begonnen, wir er immer stärker. Ist er wie hier bereits sichtbar, kann man meistens auch gut erkennen, warum. Wenn sich etwas im Kreis oder um die Kurve bewegt, wird es nach außen gedrückt. So geschieht es hier auch mit der Strömung des Baches. Dabei ist die starke Strömung am Außenufer und bildet eine starke Erosion, wobei am Ufer viel Sand und Erde abgetragen und mitgenommen wird. Diese Kante, ist im Verhältnis hoch und steil und wird Prallhang genannt. Die andere Seite hat kaum noch Strömung und kaum Abtrag. Es kann sogar vorkommen, dass der gegenteilige Effekt eintritt und Sand abgelagert wird. Diese Seite nennt man Gleithang. In den meisten Fällen schlängelt sich der Fluss dann in Wellen oder gar fast kreisartig durch die Landschaft. Im Extremfall kann sich so ein Kreis wieder schließen und das Wasser durchbricht das Ufer und kann von nun an einen anderen effektiveren Weg nehmen. Die alte Flussschleife wird dann zum Altarm und trennt sich eventuell auch ab, um dann ein Totarm zu sein. Bei Mäandern werden zwei Typen unterschieden. Hier im Flachland sind es die Auenmäander. Im Süden von Deutschland oder anderswo, wo die Berge den Weg bestimmen sind es häufig Talmäander. Hier kann man die Auswirkungen am Rand aber meist nicht so klar erkennen.

Dieser Kartenausschnitt der Ilmenau bei Lüneburg zeigt, wie sich Mäander gestalten können.
Neben den Flusssschleifen sieht man auch gut den Durchbruch die Bildung einens Altarmes.
Flussrippeln
Wenn man den Blick vom Verlauf des Baches abwendet und durch das klare Wasser auf den nahen Grund schaut, erkennt man zweierlei. Direkt vorn an der Brücke sind viele kleine Steine im Wasser. Ob die in der Menge hier natürlich sind, weiß ich nicht. Mancherorts dienen sie den Zweck der Sauersoff-Bildung oder anderweitig den Fischen. Schaut man ein paar Meter weiter, sieht man Sandboden. Auch Flussabwärts kann man hier das Phänomen gut sehen. Der Sand bildet am Boden ein sehr gut sichtbares wellenartiges Muster. Diese Formen heißen Rippeln. Rippeln entstehen durch Wasser oder Luft. Wellen auf der Wasseroberfläche sind streng genommen auch Rippeln mit recht kurzer Lebensdauer. Eine andere Art von Rippeln sind die Dünen in der Wüste. Diese beiden werden vom Wind erzeugt. Die Formen unten am Bachboden sind natürlich Resultate vom Wasser und seiner Strömung.
Es gibt zwei Unterscheidung von Rippeln in ihrer Ausführung. Bei den Strömungsrippeln werden Sandpartikel bewegt und angehäuft. Hierbei lagert sich das Material kontinuierlich an und bildet einen flacheren Anstieg. Auf der strömungsabgewandten Seite fällt der Haufen steil ab. Bei größeren Anhäufungen, wird die Spitze auch irgendwann instabil und bricht herunter. Das ist hier auf Grund der geringen Größe allerdings leider wohl nicht direkt zu erkennen. Die Oszillationsrippeln wirken zu den Strömungsrippeln chaotisch. Diese entstehen durch Änderungen der Strömungen, was eher bei Wind mit sich Ändernden Windrichtungen auftreten kann. Hier fehlt die Gleichförmigkeit im Muster und den Kanten der Rippelmarken. In der Geologie und auch bei vielen Earthcaches findet man das Phänomen der Rippelmarken eher bei Sandstein, der in Bauwerken verbaut wurde oder als fossile Sedimentplatten. Dieser Sandstein wurde vor Millionen von Jahren gebildet, gepresst und behielt seine Form. Hier kann man jedoch gut erkennen, wie sie entstehen.
Die Geologie ist, wie man sehen kann überall gegenwärtig und nicht nur an Relikten aus ferner Vergangenheit gebunden. Die Erde formt sich auch heute noch und ist ständig in Bewegung. Schaut euch den Bach daher genau an und ihr könnt mit diesem Listing zusammen auch meine Fragen beantworten. Ihr dürft natürlich sofort loggen. Wenn ich Fragen oder Anmerkungen habe, melde ich mich bei euch. Optional wäre ein Foto von euch an der Brücke gern gesehen, aber es ist keine Pflicht.
Die Fragen:
1a) Beschreibe mir die Uferkanten dieses Baches in Form und Ausprägung, wie unterscheiden sie sich?
1b) Die erste richtige Schleife von der Brücke aus, welche Seite ist Gleit- bzw. Prallhang?
1c) Warum gibt es Flussabwärts von der Brücke kaum oder keine so starken Mäander wie auf der anderen Seite? Versuche eine Erklärung zu finden.
2a) Wie nennt man die zwei Formen von Rippeln?
2b) Wie sind die Rippeln hier gestaltet? Welcher Form gehören sie an?
2c) Warum sind die Rippeln hier nicht überall zu sehen? Nenne mir zwei Gründe/Eigenschaften, die das erklären könnten.
Ich wünsche viel Spaß bei diesem Earthcache.
Guywan
Da der Waldbereich hinter der Brücke geschützt ist, bitte ich den Cache ausschließlich von der Brücke aus und der kleinen Rasenfläche davor zu machen. Es sollte ausreichen, die Phänomene, ihre Eigenheiten und die geologischen Hintergründe zu erkennen.