Das Leben eines Cachers ist geprägt von Höhen und Tiefen. Erst grübelt er wie wild an irgendwelchen Rätseln, schlägt sich die Nächte um die Ohren, um dann endlich 3 Uhr nachts der Lösung auf die Spur zu kommen. Und für was? Er erhält zwei Zahlenreihen mit jeweils einem schönen Punkt. Hat der Geocacher diese Zahlenreihen in dem ganzen Wirrwarr seiner Aufzeichnungen erspäht und die Richtigkeit von einer virtuellen Prüfapparatur bestätigt bekommen, springt er wie Rumpelstilzchen um seinen PC und singt: Ach wie gut, das sie sonst noch niemand weiß.
Kaum sprachs und schon ereilt ihn eine seltsame Hast. Schnell springt er in seine Jacke und seine Schuhe, schnappt sich seine Stirnlampe und hastet mit dem Wohnungsschlüssel zum Auto. Dieses nennt er liebevoll, sein Cachemobil. Nun versucht er vergeblich den Wohnungsschlüssel in das Türschloss zu fummeln. Erst als er seine Stirnlampe anschaltet bemerkt er seinen Irrtum, flitzt wieder in die Wohnung, krallt sich den Autoschlüssel und stürmt zurück zum Auto. Vor lauter Eile bleibt die Hauseingangstür sperrangelweitoffen.
Im Auto spurtet der Naturbegeisterte mit einem Affenzahn Richtung seiner entdeckten Koordinaten. Ein Auge aufs Garmin gerichtet das zweite Auge aufs Handy um das Angstzenario nicht zu verpassen, dass ein anderer Nachtfalter ihm die Choose mit einem FTF-Log vermasselt. Ach ja und das dritte Auge ist auf die Straße gerichtet. Endlich am Ziel angekommen, springt er sogleich aus dem Auto, oh Verzeihung CACHEMOBIL, und rein ins Unterholz. Leuchtend wie ein Glühwürmchen streift er so durch den Wald. Ein schönes Ziel für jeden Jäger. Unterwegs sammelt er so manch posierliches Tierchen ein. Eine Zecke hier, eine Spinne dort und im Hosenbein nistet sich gerade ein Tausenfüßler ein. So bewildert gelangt er schließlich auf eine Lichtung und sucht fieberhaft nach einem kleinen Etwas. Schließlich hallt Aufschrei durch den Wald. Er hält eine Tupperdose in seinen zittrigen Händen. Schweißgebadet, öffnet er das Döschen und holt ein Büchlein hervor. So steht er da und blättert ganz behutsam, ja schon fast ängstlich die erste Seite auf.
Ein Strahlen erhellt plötzlich sein Gesicht, die Lichtung, den Wald, das Universum.
ER IST ERSTER. DER FTF IST SEIN.
Er trägt glückseelig seinen Namen in das Büchlein, macht Fotos: von dem Logbuch, von sich, von sich mit dem Logbuch, der Lichtung, er auf der Lichtung...
Schließlich packt er alles wieder sorgsam ein, versteckt es wo er es gefunden hat und schwebt auf Wolke 7 zurück zum CM. Vorbei an des Jägers Hochsitz, der genüßlich von oben runterschnarcht und vorbei an der Schlammsuhle, wo erstaunte Schweinesuhler das übergroße Glühwürmchen bestaunen. Der glückliche Cacher gibt mit einem breiten Grinsen noch schnell ein "FTF Log folgt" in sein Handy und fährt völlig entspannt zurück nach Hause. Mhhh hier hat mal wieder irgendjemand die Haustür offen gelassen, wenn er den erwischt, dem wird er aber ein paar Takte erzählen, denkt er so. Vor seiner Wohnungstür dann erneutes Suchen. Diesmal nach dem Hausschlüssel. Nach vergeblicher Müh und einer Rekapitulation ist er sich ziemlich sicher, den Schlüssel auf den Küchentisch gelegt und dafür den Autoschlüssel geschnappt zu haben. Aber auch dass bringt ihn nicht aus seinem Seelenfrieden. Entspannt kuschelt er sich vor der Tür auf dem Fußabtreter und träumt von seinem Abenteuer.
So schlafend findet ihn am nächsten Morgen schließlich seine Frau.
Und die Moral von der Geschicht?
Für Aussenstehende mag so manches Hobby befremdlich erscheinen,
aber ein Mensch ohne erfüllendes Hobby ist ein armer Thor.
