Kierdorf ist ein nordöstlicher Stadtteil von Erftstadt im Rhein-Erft-Kreis. Der Ort liegt zwischen Erftstadt-Köttingen und Kerpen-Brüggen. Der heutige Ort Kierdorf besteht aus den inzwischen zusammengewachsenen Dörfern Kierdorf und Roggendorf sowie den Siedlungen Schildgen und Zieselsmaar. Bis Ende der 1950er-Jahre wurde Roggendorf noch mitgenannt; es war jahrhundertelang sogar bedeutender als Kierdorf.
An der Heerstraße von Bonn nach Düren und Aachen (heute Friedrich-Ebert-Straße) stand schon vor dem Jahr 1000 an Stelle der heutigen Kirche eine kleine Saalkirche, die Tholen nach einer im Pfarrarchiv aufbewahrten Zeichnung beschreiben konnte. Ihre Maße von 6,50 m x 5 m entsprach dem der frühen alten Landkirchen, die ohne Turm gebaut waren. Im 11. oder 12. Jahrhundert wurde an der Nordseite ein kleines Seitenschiff angefügt. Tholen, der den noch erhaltenen romanischen Turm untersuchte, ging davon aus, dass er um 1150 erbaut wurde.[1]Nach heutigen Untersuchungen entstand er um 1165 und zählt zu den bedeutendsten Baudenkmälern Erftstadts.
Die kleine Siedlung in der Nähe der Kirche wurde Kierdorf (Kirchdorf) genannt. Der Ortsname Kierdorf wurde erstmals 1233 erwähnt. Damals besaß das Kölner Stift St. Severin eineGrundherrschaft in Kierdorf, zu der auch die Zehntrechte gehörten. Bei einer Güterteilung zwischen Propst und Kapitel erhielt der Propst die Vogtei, den Fronhof (curtis sancti Severini) und das Patronatsrecht zu Kierdorf.
Zentrum des Ortes ist der Martinusplatz mit der Kirche und dem romanischen Kirchturm. In den Jahren 1978–1980 sind umfangreiche Restaurierungen vorgenommen worden. Beim Einbau einer Heizung wurden damals Fundamente der alten 1874 abgebrochenen Kirche entdeckt. Die Orgel wurde 1981–1983 von der Firma Josef Weimbs restauriert, die Statue „Maria mit Kind“ von 2000 bis 2001 restauriert und konserviert. In der Vorhalle wurde 1959 eine Kriegergedächtnisstätte in Form eines keramischen Mosaiks eingerichtet, ein Werk Jakob Riffelers. Vom alten Kirchhof um die Kirche sind noch einige Grabsteine und an der Kirchhofsmauer noch fünf Fußfallstationen erhalten.[29] Im ehemaligen Pfarrhaus wurde 2011 ein katholischer Kindergarten eingerichtet. Der Ort verfügt ferner über eine städtische Kindertagesstätte.
Auch die Grundschule liegt am Martinusplatz. Nach der Schulreform von 1968 blieb Kierdorf die Grundschule erhalten, in der seit 1978 auch die Köttinger Grundschüler unterrichtet werden. Neue Schulgebäude entstanden in mehreren Bauabschnitten bis 1995. Die alten Schulgebäude, sowohl der Schulbau von 1959 als auch die früheren Gebäude werden noch zum größten Teil als Klassenräume genutzt.[30]
In dem Gebäude der ehemaligen öffentlichen Badeanstalt, die von 1934 bis 1967 bestand, befindet sich die Begegnungsstätte der Arbeiterwohlfahrt. Auch das St. Josef-Kloster besteht nicht mehr. Bis zur Schließung im Jahr 1982 waren noch einige Nonnen in Kierdorf tätig. Alle Vereine haben sich zu einer Dorfgemeinschaft zusammengeschlossen und bemühen sich mit ihren Veranstaltungen, die Einheit zu erhalten. Der „Geschichtskreis Kierdorf“ hat sich zum Ziel gesetzt, die Geschichte des Ortes aufzuarbeiten und mehrere kleine Bände zur Geschichte Kierdorfs herausgegeben.[25]
Zum Ortsbild gehört das Freibad. Als die Stadt Erftstadt das Bad aus Kostengründen schließen wollte, schlossen sich engagierte Bürger zu einer Freibadinitiative zusammen, die das Freibad renovierte und seit dem Sommer 2010 selbst betreibt.
Durch die Braunkohleindustrie hatte die Gemeinde Kierdorf einen starken Zuwachs zu verzeichnen. Hatte die Gemeinde 1876 insgesamt 468 Einwohner, so waren es im Jahre 1910 insgesamt 729 Einwohner, im Jahre 1939 vor Beginn des Zweiten Weltkrieges 1188.[25] Durch die Heimatvertriebenen und andere Bauwillige wuchs die Bevölkerung stetig. Kierdorf hat 3262 (Stand November 2011) Einwohner.
Quelle: Wikipedia