Dieser EC führt euch an einen Aufschluss an dem vier verschiedene Formationen aus der Zeit des Silur und des Devons aufgeschlossen sind.
Der Aufschluss entstand durch die Verbreiterung der alten B85 an der Mühle von Oberloquitz.
Die Bezeichnung Formation wird in der Geologie für eine im Gelände gut erkennbare und in einer geologischen Karte gut darstellbare lithostratigraphische Gesteinseinheit verwendet, die zur genaueren Beschreibung und Untergliederung der Gesteinsabfolge in einer Region dient.
Derzeit anstehend sind Gesteine des Oberen Silurs und Unterdevons (Oberer Graptolithenschiefer-, Tentakulienknollenkalk- und Tentakulienschiefer-Nereitenquarzit-Formation).
Zuerst ein paar Informationen zu den aufgeschlossenen Erdzeitaltern:
Silur:
Es herrschen weitläufig sauerstoffarme Sedimentationsbedingungen. Dies wird durch schwarze Graptolithenschiefer und Kieselschiefer untermauert.
Gegen Ende des Silur folgt eine kurze Periode mit der Bildung pelagischer (ozeanischer) Kalke.
Devon:
Pelagische (Ozeanische) Bedingungen mit Bildung dunkler Tonschiefer und pelagischen Kalken (Knollenkalke).
Im weiteren Verlauf des Devon Eindringung von Basalten und Entstehung roter und grüner pelagischer Tonschiefer.
Eine noch detailliertere Unterteilung der Zeitspannen Oberer Silur und Unterdevon die hier aufgeschlossen sind:
Pridolium:
beginnt vor etwa 423 Millionen Jahren und endet vor etwa 419,2 Millionen Jahren.
Lochkovium:
beginnt vor etwa 419,2 Millionen Jahren und endet vor etwa 410,8 Millionen Jahren.
Pragium:
beginnt vor etwa 410,8 Millionen Jahren und endet vor etwa 407,6 Millionen Jahren.
Emsium:
beginnt vor etwa 407,6 Millionen und endet etwa vor 393,3 Millionen Jahren.
Das entspricht einem Zeitraum von ca. 29,7 Millionen Jahren,
der hier aufgeschlossen ist !
Hier ein Ausschnitt (nur die vor Ort aufgeschlossenen Schichten) der sogenannten Lithostratigraphie des Silur und Devon :

Ganz links findet ihr die Zeitspannen in Millionen Jahren, daneben die Namen der Zeitspannen, dann die dazugehörigen Formationen - gelb unterlegt diejenigen welche ihr vor Ort finden werdet...
Die Gesteine im Detail:
Tentakulitenschiefer:
Der Tentakulitenschiefer ist ein typisches Gestein aus der Zeit des Unterdevons und damit etwa 390 Millionen Jahre alt.
Er erhielt seinen Namen von einer Fossilgruppe, die zu den Mollusken und demnach in enge Verwandtschaft zu den heutigen Schnecken gestellt wird.
Die Tentakuliten lebten in großen Mengen – vermutlich als Schwärme – in den Ozeanen der Devon-Zeit.
Knollenkalke:
oder Knotenkalke sind Kalksteine, die meist als farbige Gesteine ins Auge fallen.
Ihre Entstehung durch Diagenese (Verpressung und Zementation) von Kalkschlämmen, die in Meeren abgelagert werden und sich zu knotenartigen Konkretionen verformten, ist eine gängige Erklärung.
Der im Kalkschlamm befindliche Ton wurde teilweise an die Knollenrandzonen in Schichten angelagert und verpresst.
Diese Vorgänge führen in Meerestiefen ab etwa 300 Metern zur Gesteinsbildung.
Die Tonminerallagen umschließen in manchen Knollenkalken die Karbonatansammlungen im Gestein vollständig und verstärken dadurch den optischen Eindruck, der für diese Gesteine namensprägend ist.
Bei roten Knollenkalksteinen resultiert die Farbe aus Hämatit. Zahlreiche Knollenkalke entstanden im Devon.
Alaunschiefer:
oder Vitriolschiefer ist ein mit Pyrit (Schwefeleisen (FeS2)) und Kohle durchsetzter Tonschiefer. Wegen seiner Färbung wird Alaunschiefer auch bei den Schwarzschiefern eingeordnet.
Das Gestein setzt bei der Verwitterung Alaun frei, ein Salzgemisch aus Kalium- und Aluminiumsulfat, das früher in großem Umfang unter anderem in Gerbereien verwendet wurde. Das Alaun wurde in Alaunwerken zunächst aus Alunit gewonnen, nach 1500 wurde die Gewinnung aus Alaunschiefer entwickelt. Nach 1800 lösten chemische Gewinnungsmethoden Alunit und Alaunschiefer als Quelle für Alaune ab.
In manchen Schiefern bilden sich bei der Verwitterung auch Sulfate des Kupfers oder des Zinks, die so genannten Vitriole.
Ockerkalk:
Beim Ockerkalk handelt es sich um massige Kalkbänke mit Mächtigkeiten von wenigen Zentimetern bis mehreren Metern.
Die Verwitterung von primären Pyriten unter Bildung von FeOOH führt zu ockerfarbenen Flecken im Kalk, die Namen gebend sind für diese Abfolge.
Es sind Graptolithenschieferlagen eingebaut, die besonders im oberen Bereich anzutreffen sind und mehrere Dezimeter groß sein können.
Im obersten Teil des Ockerkalks kommt es außerdem z. T. zur lagenweisen Anreicherung von Crinoiden, die als Schillkalke zur Unteren Schillbank zusammengefasst werden.
Dunkle Sandsteinlinsen treten lokal im oberen Silur auf, am häufigsten jedoch im Oberen Graptolithenschiefer (besonders im devonischen Teil der Schiefer).
Weiter wollen wir hier nicht ins Detail gehen - ein paar Dinge sollt ihr selbst vor Ort erarbeiten.
Bei diesem EC interessieren uns vor allem die sichtbaren Unterschiede der Gesteinsschichten, die ihr euch etwas näher anschauen müßt um Antworten auf die Fragen zu finden, die zum loggen dieses ECs gebraucht werden...
Eure Aufgaben:
Vor Ort findet ihr eine kleine Infotafel - findet heraus in welcher Reihenfolge (von links nach rechts - oder von unten nach oben, je nachdem was ihr vorfindet...) die einzelnen Formationen hier aufgeschlossen sind.
Nun müßt ihr einen kleinen Spaziergang die Wand entlang auf euch nehmen.
Schaut euch dabei die Gesteine genauer an.
Wie stellen sich euch die Unterschiede der Formationen dar:
Achtet auf die Zusammensetzung, die Strukturen, die Farben,...
Sind die Übergänge deutlich oder eher unscharf und fließend ?
Erklärt mit ein paar Sätzen welche Unterschiede euch am deutlichsten aufgefallen sind.
Welche Formation hat euch am meisten beeindruckt und warum ?
Und zum Abschluss noch etwas zum Nachdenken:
Wieviele Meter (laut Infotafel) ist der Aufschluss lang?
Bei den oben im Listing errechneten ca. 29,7 Millionen Jahren Erdzeit - wieviel Jahre Erdgeschichte konntet ihr dann auf einem Meter Länge sehen ?
Wenn ihr die Antworten auf die gestellten Fragen habt, sendet sie bitte über das MessageCenter an unser Profil (natürlich ist auch die Abgabe der Antworten per e-Mail möglich).
Ihr dürft im Anschluss sofort loggen.
Wir melden uns auf jeden Fall mit einer Bestätigung oder der Bitte um Nachbesserung.
Und jetzt viel Spaß beim Besuch dieses ECs !
„Wer einmal gelernt hat, die Spuren der Erdgeschichte zu lesen, wird nie wieder einen langweiligen Spaziergang erleben!“
Quellen:
Essay Allgemeine Geologie zur Geländeübung Thüringen, Sachsen, Böhmen 2009 - Andrea Gaede-Köhler
Das kambrisch-paläozoische Normalprofil des Saxothuringikums - Sven Forke
Freistaat Thüringen - Landesamt für Vermessung und Geoinformation
Lithostratigraphie des Silur und Devon im Bereich der Südostflanke des Schwarzburger Antiklinoriums
(nach H. JAEGER 1959, 1964a; H. PFEIFFER 1967a; M. SCHAUER 1971; G. SCHLEGEL 1974; K. ZAGORA & I. ZAGORA 1981; G. SCHLEGEL 1995; J. MALETZ & G. KATZUNG 2003; H. BLUMENSTENGEL 2003)
Computergrafik: D. FRANKE - www.regionalgeologie-ost.de
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