Nahe dem beschaulichen Dörflein Wülfershausen klafft ein Loch im Boden... ein großes Loch. In früheren Zeiten wagten sich die Menschen nicht hierher, zumindest nicht nach Einbruch der Dunkelheit. So mancher Leichtsinnige, der es wagte, wurde nie wieder gefunden. Nachts hörten die Menschen oft unmenschliche Geräusche aus dem Wald schallen, Schreie, die einem kalte Schauer über den Rücken jagten. Ein Donnern und Rumpeln war zu vernehmen, manchmal klirrten die Gläser im Schrank. Die Menschen rückten näher ans Feuer....
Am Morgen dann fanden sie oft die nahen Felder verwüstet, riesige Felsbrocken lagen herum. Mit viel Mühe wälzten sie sie beiseite, um ihre Felder neu zu bestellen. Im Dorf machte es hernach die Runde: Die Trolle waren wieder dagewesen.
Über die Jahrhunderte wurde es ruhiger im kleinen Wäldchen jenseits der Saale. Aber ab und an mussten die Bauern doch wieder Felsblöcke aus ihren Feldern zerren, wenn es mittlerweile mit dem Traktor auch einfacher ging als früher.
An eben einem solchen Tag kam ein Reisender aus dem Lande Wattenfall daher, der zufällig abends in der Dorfkneipe saß, um sich für die Weiterreise zu stärken. Er hörte die Klagen der Bauern und setzte sich zu ihnen. Er erzählte den Bauern seine Geschichte, die Augen der Wülfershäuser weiteten sich vor Staunen. Offenbar gab es im hohen Norden, der Heimat des Fremden, eine Lösung für das Trollproblem. Bald war man sich handeleinig, und auf einer nahen Anhöhe begannen die Bauarbeiten. Gespannt warteten die Wülfershäuser auf die Rückkehr der Trolle.
Eines Abends, kurz nach Sonnenuntergang, hörten sie schrille Schreie aus dem Loch. Danach nichts mehr... gar nichts....
Die Trolle hatten die riesigen Spiegel entdeckt, die die Menschen zum Einfangen des Sonnenlichtes errichtet hatten. Voller Angst, das gespeicherte Sonnenlicht könne jeden Augenblick aus den unheimlich glänzenden Platten herausbrechen, waren sie Hals über Kopf - was insbesondere bei denen mit mehreren Köpfen sicher sehr seltsam aussah - geflohen. Was sie zur Überraschung der Menschen zurückgelassen hatten, war neben den obligatorischen Felsblöcken ein riesiges Mikadospiel, mit dem sie sich offenbar die Zeit vertreiben wollten. Oder waren es steinerne Canneloni? So genau wusste das keiner, nicht einmal der Mann aus Wattenfall...
Die Menschen räumten ein letztes mal die Felsblöcke weg und stapelten sie am Wegesrand. Das Mikadospiel war selbst für die Traktoren zu schwer und blieb liegen, wie und wo es war. Und da liegen sie noch heute, die Felsen und die Spielstäbe, von Moos und Dornensträuchen überwachsen.
Viel Spaß beim Suchen, über weite Strecken gut befestigter Weg, und Achtung, wer die Sonnenspiegel beschädigt muss mindestens mit Trollen rechnen....