Dieser Cache wird von der Stadt Radolfzell unterstützt. Er führt zu Orten der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft und erinnert an das Schicksal einiger Verfolgter.
Hintergrundinformation
1937 rückten Soldaten der SS in die neue Kaserne in Radolfzell ein. Im Norden der Stadt lag abgelegen in einem Waldgebiet der zur Kaserne gehörende, noch nicht betriebsbereite Schießstand, der 1941/42 von Häftlingen aus dem KZ Dachau fertig gestellt wurde.
Leonhard Oesterle (*1915), Oldrich Sedlácek (*1919), Jakob Dörr (*1916) und Fritz Klose waren vier von 120 Häftlingen, deren Spuren bei diesem Cache nachgegangen wird. Leonard Oesterle war wegen seiner Überzeugung 1936 in Stuttgart verhaftet worden. Zusammen mit seinem tschechischen Freund Oldrich Sedlácek, den er während seiner Gefangenschaft bereits in Dachau kennengelernt hatte, war ihm 1943 von Radolfzell aus die Flucht geglückt. Oldrich Sedlácek ging im Anschluss an die Flucht nach London, wo er noch in den Dienst der tschechischen Armee eintrat, er verstarb 1949 an Tuberkulose.
Über das Leben von Leonard Oesterle erfährst du mehr am Ende dieses Geocaches.
(Quelle: Südkurier 15.11.2013/Zeitungsbestand Stadtarchiv Radolfzell)
Oesterles Lebensgeschichte von der Verhaftung durch die Gestapo bis zu seiner Flucht beschreibt Sigbert E. Kluwe in dem Buch „Glücksvogel – Leos Geschichte“, Baden-Baden, 1990.
Das Buch kann in der Stadtbibliothek Radolfzell ausgeliehen werden. Leider ist es sonst nur noch im Antiquariats-Buchhandel erhältlich.
Der Multicache bietet eine kleine Führung über Stationen der drei oben genannten Männer und ihrer Peiniger.
Weglänge ca. 15 km mit dem Fahrrad.
Stage 1 – Scheffelhof [N 47° 44.214 E 008° 58.005]
Du startest vor dem ehemaligen Grandhotel Scheffelhof. Hier befand sich damals der größte Saalbau in Radolfzell, in dem u. a. auch die Nationalsozialisten ihre Veranstaltungen abhielten. Gegenüber waren die Güterhallen der Eisenbahn mit vielen Verladerampen. Hier kam der Zug aus Dachau mit den Häftlingen an, die zuvor bereits weitere Konzentrationslager wie Neuengamme, Sachsenhausen, Mauthausen, Buchenwald oder Flossenbürg durchlaufen hatten. Die 2 km lange Strecke zu ihrer Unterkunft in das KZ-Außenkommando Radolfzell auf dem Gelände der Kaserne gingen sie zu Fuß durch die Stadt, unter der strengen Aufsicht einer Dachauer SS-Wachmannschaft.
Gehe zu N 47° 44.214 E 008° 58.005, suche die Dose und beantworte folgende Frage:
Welche Farbe hatte der Winkel auf Oesterles Häftlingsjacke?
blau (A = 1) --- rot (A = 2) --- grün (A = 3) --- gelb (A = 6)
Die Station ist leider verschwunden. Solange steht hier, dass A = 2 ist.
Stage 2 - Gedenkstätte [N 47° 45.044 E 008° 57.284]
Du erreichst die Gedenkstätte mit Informationstexten über das Kasernenareal, die von dem Künstler René Dantes entworfen und am 08.09.2013 enthüllt wurde. Die Skulptur soll an die Zeit der NS-Gewaltherrschaft erinnern und an die Verfolgung und Zerstörungen, die von hier ausgingen. Hinter der Stele und den darum gruppierten Informationstafeln befindet sich das Eingangstor zum ehemaligen Kasernengebiet, jeder der 120 Häftlinge war namentlich, mit Haftart, Gefangenennummer und Geburtsdatum erfasst. Eine der Tafeln beschreibt speziell das KZ-Außenkommando Radolfzell. Lies sie genau durch. Gesucht wird der darin genannte Ankunftsmonat 1941 des ersten Kontingents von Häftlingen in Radolfzell.
Nummer des Monats = B
Stage 3 – Kasernenareal [N 47° 45.192 E 008° 57.341]
Der Tagesablauf der Häftlinge wurde streng durch getaktet, sie waren hergebracht worden, um die Schießanlage im Gewann Altbohl fertig zu stellen. Hunger, eine menschenunwürdige Unterkunft, unzureichende Bekleidung, eine schlechte medizinische Versorgung, die schikanöse Behandlung und Prügel des SS-Wachpersonals gehörten zum Alltag. Hier in der Nähe standen die Pferdeställe, in denen die KZ-Häftlinge untergebracht waren. Nachts waren sie dort eingeschlossen. Durch ein aufgebrochenes Latrinenfenster gelang es L. Oesterle und O. Sedlácek trotz strenger Überwachung, die Unterkunft zu verlassen und im Dunkel der Nacht das Kasernenareal zu verlassen und der Gefangenschaft zu entkommen. Diese Straße erinnert an einen in Radolfzell zu Tode gekommenen Häftling des KZ-Außenkommandos.
Die Quersumme seines Todesjahres ergibt C. (C ist eine zweistellige Zahl.)
Stage 4 – Schießstand [N 47° 45.510 E 008° 59.341]
Du erreichst eine große Informationstafel. Sie informiert über den ehemaligen Schießstand der Waffen SS und die KZ-Häftlinge, die extra angefordert worden waren, um die Schießanlage des Außenkommandos Radolfzell fertig zu stellen. Die Erkundung des heute total überwucherten Geländes des Großkaliberschießstandes ist nur mit gutem Schuhwerk zu empfehlen.
Wie viele Buchstaben hat die Berufsbezeichnung von J. Dörr. Anzahl = D
Die Ziffer, die auf der Schreibstubenkarte von L. Oesterle schwarz gefärbt ist ergibt E.

Jetzt hast du alle Zahlen, die du für die Finalkoordinaten benötigst.
Das Final findest du bei:
Nord 47° 44. C x D x A - B x E Ost 008° 57. C x C + B x (A + D + E) + 3
Final:
Nun bist du ungefähr an der Stelle, von der aus den Beiden die Flucht glückte. Hier hatte die SS ab 1937 eine „Truppenschwimmanstalt“ eingerichtet. Dazu gehörte auch ein Bootshaus, aus dem Leonard Oesterle und sein Freund Oldrich Sedlácek am Abend des 15.11.1943 ein Faltboot entwendeten und über den See in die Freiheit ruderten. Die Karte beim Logbuch zeigt euch, wie die Fluchtroute vermutlich verlief, da O. Sedlácek kein guter Schwimmer war, ruderten die Männer erst seewärts und blieben dann in Ufernähe, bevor sie in Berlingen an Land gingen.
In der Schweiz begann Oesterle eine bildhauerische Ausbildung. Im Jahr 1945 bekam er ein Stipendium der Evangelischen Flüchtlingshilfe für das Studium der Bildhauerei an der Kunstgewerbeschule Zürich. Oesterle arbeitete im Anschluss einige Jahre mit dem Zürcher Bildhauer Otto Müller zusammen, mit dem er sein Atelier teilte. 1952 kehrt Oesterle nach Deutschland zurück, zunächst nach München, später dann nach Berlin. 1956 wanderte Leonard Oesterle mit seiner Familie nach Toronto/Kanada aus. Von 1963 bis 1987 lehrte er dort Bildhauerei am Ontario College of Art & Design.
1990 erschien mit dem preisgekrönten Jugendroman „Glücksvogel“ Leos Geschichte von Sigbert E. Kluwe eine literarische Biografie Oesterles. Anlässlich einer Retrospektive in Bietigheim-Bissingen 1991 besuchte Oesterle nach langer Zeit wieder seine Geburtsstadt, der er 1996 Skulpturen und Arbeiten auf Papier als Schenkung überließ. Oesterle war Mitglied der Royal Canadian Academy of Arts, die 1992 eine Ausstellung mit Oesterles Skulpturen in Toronto zeigte. Oesterle war 2005 letztmals in Deutschland: anlässlich seines 90. Geburtstags zeigte die Städtische Galerie Bietigheim-Bissingen eine Retrospektive seines bildhauerischen Werkes. Oesterle starb am 7. November 2009 in Toronto und wurde auf dem Städtischen Friedhof Stubenrauchstraße in Berlin-Friedenau beigesetzt
Zusatzstation: [N 47° 44.179 E 008° 58.434]
Mit dieser letzten Koordinate soll auf das spätere Wirken des Künstlers Leonard Oesterle hingewiesen werden, dessen Besuch dringend empfohlen wird. Leider war es nicht möglich das Final dort zu platzieren, da es Abstandskonflikte mit anderen Caches gab.
Im Internet findest du vertiefende Informationen und weitere Links zur NS-Zeit in Radolfzell u. a. auf der Seite der Landeszentrale für politische Bildung unter den Stichworten: Gedenkort Ehemalige SS-Kaserne Radolfzell.
