Ein romantisches Tal, ein ehemaliger Steinbruch und eine besondere Höhle
Im Katzenbachtal gibt es neben interessanten geologischen Einblicken in ehemalige Steinbrüche und einer historischen Ziegelbrennerei, auch eine ganz besondere, begehbare Höhle. Mit diesem Earthcache wollen wir die geologischen Hintergründe dieser imposanten Felslandschaft und natürlich die Höhle selbst näher beleuchten.
Katzenbach und Ziegelhütte

Das Tal, aufgrund seiner zahlreichen Nebentäler auch
Sieben Täler genannt, liegt zwischen den Ortschaften Weiler und Bad Niedernau in der Naturlandschaft des
Keuperberglandes Rammert.
Dem Bachverlauf folgend gibt es mehrere imposante Aufschlüsse des ehemaligen Steinbruchs zu sehen. Am oberen Ende des Tales befindet sich die
Katzenbacher Ziegelhütte, die ab 1658 als Ziegelei die tiefen Lehmablagerungen und den Wasserlauf des Talgrundes für das Brennen von Ziegeln nutzte. Ab 1906 wurde ein heute noch erhaltener Kalkbrennofen und ein Kalkwerk angebaut.
Die Höhle
Die auf den ersten Blick eher unscheinbare Höhle am Wegrand mit dem Namen
Sieben-Täler-Höhle oder auch
Niedernauer Höhle ist tatsächlich
die größte Höhle im Landkreis Tübingen.

Sie ist eine sehr enge, teilweise schlammige und an manchen Stellen Wasser führende
Trockenhöhle. Sie ist meist kleinräumig, was bereits am Eingang deutlich wird, der nur einen Meter hoch ist und zum Krabbeln zwingt. Der schmale Hauptgang mit nordwestlicher Orientierung wird dann jedoch wieder höher und ist problemlos zu erkunden. Im weiteren Verlauf muss dann an mehreren Stellen gekrabbelt oder geklettert werden.
Die Höhle wird als ungefährlich eingestuft und kann auch sehr gut mit Kindern erkundet werden.
Grundregeln für eine Besichtigung:
- niemals alleine einsteigen
- (Fahrrad-)Helm tragen
- mindestens zwei Taschenlampen/Stirnlampen mitnehmen
Die Sieben-Täler-Höhle ist in den
Sommermonaten frei zugänglich, aufgrund des
Fledermausschutzes aber in der Zeit vom 15. November bis 15. April gesperrt und mit einem Gitter verschlossen.
Geologisches
Allgemeine Einordnung
Die Sieben-Täler-Höhle ist eine der bedeutendsten
Karsthöhlen im mittleren Neckarraum und liegt in unmittelbarer Nähe zur Schwäbischen Alb, dennoch gehört sie geologisch nicht mehr dazu, sondern befindet sich im
älteren Muschelkalk des
Trias, einem
fossilienreichem Kalkstein.

Höhlen sind hier viel seltener und auch typischerweise kleinräumiger als im Jura-Kalk (136-195 Mio. Jahre) der Schwäbischen Alb und bilden im Gegensatz zu diesen auch so gut wie keine Tropfsteine aus.
Als ein ausgewiesenes Naturdenkmal befindet sich die Sieben-Täler-Höhle in einem ehemaligen Kalksteinbruch, der früher zur Katzenbacher Ziegelhütte gehörte (siehe oben). Sie ist durch
Auswaschung von Regenwasser entstanden, das von oben durch Risse und Spalten gesickert ist und nach und nach den Höhlenverlauf entlang von
Klüften gebildet hat.
Muschelkalk
Im Zeitalter des Mittleren Trias (195-225 Mio. Jahre) entstanden in Europa in einem flachen Meeresbecken fossilienführende, überwiegend kalkige Ablagerungen (=Sedimente), die später verfestigt und zum Muschelkalk wurden. Allerdings enthalten diese Gesteine nicht nur Muscheln, sondern auch Armfüßer (Brachiopoda) oder Reste von Stachelhäutern.
Muschelkalk ist also ein
Sedimentgestein mariner Herkunft. Heute noch sind mitunter Reste der genannten Organismen im Kalkstein als Fossilien enthalten. Unter dem Gewicht aufliegender Schichten (hier vor allem Jura-Kalk) und dem Verlanden (=Absinken) des damaligen Kreidemeeres wurden die Kalkschichten entwässert und immer weiter verdichtet.

Die zahlreichen Sediment-Schichten können an den beeindruckend mächtigen Muschelkalkwänden links neben der Höhle und an Wegpunkt
R2: Aufschluss am Bachlauf sehr deutlich unterschieden werden.
Färbungen
Verschiedene mineralische und organische Beimengungen sind es, welche den eigentlich weißen Kalkstein in zahlreichen Farbgebungen vorkommen lassen. So färbt
Hämatit rötlich, während
Chlorit und
Glaukonit Kalkstein grüner wirken lassen. Das Gestein wird gelblich-braun durch das Vorhandensein von
Siderit und
Limonit, oder erhält durch
Kohle und
Bitumen eine dunkelgraue bis schwarze Färbung.
Zusammensetzung
Kalkstein wird der Zusammensetzung wegen zu den
monomineralischen Gesteinen gezählt und besteht zu bis zu 95 % entweder aus Calcit oder Aragonit - zwei calciumcarbonathaltige Minerale. Das Gefüge von Kalkstein ist porenreich, oolithisch, muschelig, kristallin oder kompakt bei fein- bis grobkörniger Korngröße.
Noch schnell ein paar Informationen zur Verwendung von Kalkstein: Im alten Ägypten wurden die Pyramiden von Gizeh und in den USA das Washington Monument aus Kalkstein errichtet. Heutige Verwendung: Fliesen, Arbeitsplatten, Fassaden- und Wandverkleidung, Estriche oder Schotter, Pflasterstein und Splitt. Weiterhin ist Kalkstein für die Herstellung von Zement, Glas, für Farbe und als Polierkörper in Zahncremes von Interesse. Neu ist die Verwendung von Kalkstein als Material zur Herstellung von wasserbeständigem Steinpapier, das ressourcenschonend ohne Wasser und Holz produziert wird.
Verkarstung
Muschelkalk ist in saurem Wasser löslich. Versickerndes Regenwasser besitzt die notwendige Säure in Form von Kohlensäure: Sie ist aus der Reaktion des Wassers mit dem Gas Kohlendioxid aus der Luft entstanden.
Verwitterung des Kalkgesteins wird
Verkarstung genannt und beginnt schon an der Erdoberfläche. Der saure Regen gräbt Rinnen und Klüfte hinein und formt zerklüftete Buckel, die immer steiler werden. Durch Ritzen und Fugen dringt das Wasser ins Erdinnere bis es auf eine wasserundurchlässige Schicht wie
Lehm stößt. Bis dahin löst es das kalkhaltige Gestein: die kleinen Löcher und Spalten werden über die Jahrtausende zu weiten Gräben, tiefen Tälern und langen Höhlen.
Durch die immer weiter fortschreitende Verkarstung der Gräben entstehen dabei auch immer mehr
Trockentäler, die einst Bäche und Flüsse geführt haben. Das Wasser dringt durch sich weitende, ausgewaschene Klüfte in den Boden ein und bahnt sich fortan unterirdisch seinen Weg, bis es entfernt wieder an das Tageslicht kommt. Auf der Schwäbischen Alb gibt es unzählige solcher Trockentäler und die berühmtesten unterirdischen Flüsse sind dort die
Blau und die
Ach.
Die wildromantische
Wolfsschlucht, die hinter der Römerquelle an Wegpunkt
R1 beginnt, ist ein ebenso entstandenes Trockental.
Logbedingungen
Um diesen Cache loggen zu können, beantwortet folgende Fragen
mit Hilfe der Infotafel vor Ort und den Informationen aus diesem Listing und sendet diese per Mail/Nachrichtencenter an uns:
1. Im Internet variieren die Angaben zur Länge der Höhle. Wie lang ist die Höhle gemäß der Infotafel?
2. Warum sind Höhlen hier in diesem älteren Muschelkalk im Gegensatz zum Kalkgestein der Schwäbischen Alb so selten? Versucht eine kurze Erklärung!
3. Eine mächtige Muschelkalkwand befindet sich links neben dem Höhleneingang.
- Welche auffällige Färbung hat hier der Muschelkalk und auf welche "mineralische und organische Beimengungen" ist sie zurückzuführen?
- Klettert die wenigen Schritte hoch bis an diese farbige Wand und beschreibt kurz, wie sich die Oberfläche des Gesteins anfühlt!
(4.Zusatzaufgabe für alle Höhlenforscher unter Euch: Beachtet die Höhlenwände im Hauptgang. Wieviele horizontale Sedimentschichten könnt Ihr unterscheiden?)
5. Optional würden wir uns sehr über ein Foto von Euch, Eurem GPS oder Maskottchen vor oder sogar in der Höhle freuen!
Ihr könnt sofort loggen! Wir melden uns, falls irgend etwas unstimmig sein sollte.
Viel Spaß beim Kalkstein-Höhlen-Erforschen wünschen
die
Bohnanzas aus Stuttgart...
QUELLENANGABEN
INFORMATIONEN:
- https://de.wikipedia.org/wiki/Sieben-T%C3%A4ler-H%C3%B6hle
- http://www.showcaves.com/german/de/caves/SiebenTaeler.html
- http://www.lhk-bw.de/index.php?option=com_content&view=article&id=14&Itemid=15
- http://www.steine-und-minerale.de/atlas.php?f=3&l=K&name=Kalkstein
- http://www.planet-schule.de/mm/die-erde/Barrierefrei/pages/Wie_entstehen_Hoehlen.html
- https://de.wikipedia.org/wiki/Katzenbacher_Ziegelh%C3%BCtte, https://de.wikipedia.org/wiki/Muschelkalk, https://de.wikipedia.org/wiki/Verkarstung, https://de.wikipedia.org/wiki/Keuperbergland
FOTOS (von oben nach unten):
- Foto 1, 3, 4, 5: © 2017 by Bohnanzas
- Foto 2: © 2006 by Zybukin, Wikipedia Commons