Historische Hohlwege mit mittelalterlicher Pflasterung

Zwischen Magstadt und Warmbronn durchziehen langgezogene, schmale Einschneidungen und Täler die bewaldeten Hügelkämme. Zum Teil verlaufen diese auch parallel und enden abrupt an angrenzenden Feldern. Aber weder Bachläufe noch Verwerfungen sind die Ursachen dieser auffallenden Geländeformen, es handelt sich vielmehr um Verkehrswege aus dem Mittelalter, deren Entstehung und geologische Besonderheiten wir mit diesem Earthcache näher betrachten wollen.
Anmerkung: Wir empfehlen diesen Earthcache im Anschluss an den Multi Natur Pur – quasi als geologischen Bonus – entspannt anzugehen...
Historisches
Zur Entstehung von Hohlwegen
Im Mittelalter entstanden solch tief eingeschnittene Verkehrswege, die über Bergkämme führten, um brückenlose Flüsse oder unbefahrbare Sümpfe umfahren zu können. In der Regel verfügten diese
mittelalterlichen Straßen über keinen festen Belag und der Untergrund wurde durch die zahllosen, schweren Fuhrwerke mit ihren eisenbeschlagenen Wagenrädern und durch die Tierhufe der Pferde und Ochsen immer weiter zertreten und zermahlen. Das gelockerte und verkleinerte Gestein wurden bei Regenfällen talwärts geschwemmt und die
darunterliegenden Gesteinsschichten kamen zum Vorschein und wurden nun ebenfalls zerkleinert und ausgeschwemmt: ein
Hohlweg entstand. Im Laufe der Zeit brachen dann durch die Ausschwemmung der unten liegenden, weicheren Gesteinsschichten die oberen, oft härteren Gesteine der Hohlwegränder ab (
Erosion) und verbreiterten dadurch den Weg.

Hohlwege (bzw. auch
Hohlen oder
Hohle Gassen genannt) sind also Wege, die sich durch jahrhundertelange Nutzung mit Fuhrwerken und Vieh sowie durch abfließendes Regenwasser in das umgebende Gelände eingeschnitten haben.
Wurden dabei Wege durch Versumpfung oder auch durch künstlich angelegte
Sperrgräben zum Schutz der angrenzenden Äcker (heute würde man wohl von „Straßensperren für den Durchgangsverkehr“ sprechen) unpassierbar, wurde auf
Parallelspuren ausgewichen. So entstanden im Laufe der Zeit regelrechte
Wegefächer, die hier zwischen Magstadt und Warmbronn als Teil einer
überregionalen Handelsverbindung von Italien nach Worms (in der Zeit von 1466 bis 1600) mit ihren zahlreichen Gabelungen und Querspuren besonders deutlich erhalten geblieben sind.
Ein ganz besonderer Hohlweg

Zwischen dem Wegpunkt „Infotafel“ und den Listingkoordinaten kann ein Hohlweg mit Resten einer sehr seltenen, da unüblichen
historischen Pflasterung bestaunt werden. Die tiefen Spurrillen in den grob gehauenen, mittelalterlichen Pflastersteinen stammen von den zahllosen bremsenden Fuhrwerken, die diesen Hang herabkamen.
Über den rechten Fahrbahnrand hinweg kann eine noch ältere, tief eingeschnittene Parallel-Spur eingesehen werden.
Ein
historischer Stubensandstein-Steinbruch, der sich einst in direkter Nachbarschaft zu diesem bepflasterten Weg befand, entstand wohl ursprünglich auch aus einem tiefeingeschnittenen und dann erodierten Hohlweg entlang dieser Bergflanke.
Geologisches
Allgemeine Einordnung
Die oberen Gesteinsschichten in und um Magstadt entstammen größtenteils dem
Mittleren Keuper (ca. 200 bis 230 Mio Jahre alt). Hier findet sich v.a. tonhaltiger, feinkörniger, beigefarbener
Mergel und harter, grobkörniger, rötlich-grauer
Stubensandstein , der beispielsweise auch den im Nordwesten liegenden
Ratberg geformt hat.
Mergel
Magstadter
Mergel besteht hauptsächlich aus Tonmineralien und Dolomit (
dolomitischer Mergel). Außerdem kann noch Quarz, Glimmer, Pyrit und Gips enthalten sein. Mergel hat eine sehr feine Körnung und einen muscheligen Bruch.

Als ein weiches
Sedimentgestein entstand
Mergel vor über 220 Mio. Jahren aus Planktonschalen und Schlamm (=biogener Ursprung), der sich am Boden des damaligen hier befindlichen Meeres in immer mehr werdenden Schichten ansammelte. Diese tonhaltigen Sedimentschichten sind
leicht verwitter- und abtragbar und wurden früher auch zur vermeintlichen „Düngung“ von Äckern und Weinbergen verwendet.
Anmerkung: Einige hundert Meter weiter östlich wurde in früheren Zeiten tatsächlich Weinbau auf den mergelhaltigen Hängen betrieben – allerdings nur mit mäßigem Erfolg. Der Wein war durch die insgesamt kargen Böden und die vor kalten und windigen Schwarzwaldwettern ungeschützte Lage von nur sehr bescheidener Qualität.
Stubensandstein
Auch
Sandstein ist ein Sedimentgestein, das sich vor ca. 200 Mio. Jahren an küstennahen Meeresböden ablagerte und durch die
Verkittung von lockerem Sand und Beimengungen groberer oder feinerer Sedimentpartikel (Ton, Silt, Gerölle) entstand. Er ist aber - im Gegensatz zum Mergel -
detritischen Ursprungs, besteht also aus Kleinsttrümmern verwitterter und abgetragener Gesteine und nicht direkt aus den Überresten von Lebewesen.

Durch den Auflastdruck jüngerer Ablagerungen sowie durch Ausfällung von Mineralen, die im Meerwasser gelöst sind, kommt es im Laufe der Zeit zur
Verfestigung (=Zementation) des Sandes.
Stubensandstein galt einst als einer der bedeutendsten
Bausteine des Mittelalters. So wurde beispielsweise auch das
alte Stuttgarter Rathaus u.a. aus Sandsteinblöcken aus dem ehemaligen Steinbruch neben diesem Hohlweg erbaut.
Anmerkung: Zermahlener Stubensandstein wurde in früheren Zeiten auch gerne als Scheuer- und Putzmittel für heimische Wohnstuben genutzt, wodurch er seinen Namen erhielt.
Logbedingungen
Um diesen Cache loggen zu können, beantwortet folgende Fragen
mit Hilfe der Infotafel vor Ort und den Informationen aus diesem Listing und sendet diese per Mail/Nachrichtencenter an uns:
1. Auf der Infotafel am entsprechenden Wegpunkt vor Ort wird der hier einst befindliche, ehemalige Sandstein-Steinbruch zweimal erwähnt. In welchem Jahr wurde er wieder aufgefüllt?
2. An den Listingkoordinaten können an beiden Rändern des Hohlwegs freiliegende, harte Sandsteinbänke (vgl. Foto 5 Stubensandstein) und der darunter liegende, weichere Mergel näher betrachtet werden. Auf welcher Seite – von unten kommend – befinden sich die größeren, massiven Stubensandstein-Blöcke?
3. Auf der gegenüberliegenden Seite können fingerbreite Sediment-Schichten des beigefarbenen Mergels – inkl. interessanter Faltungen und Verwerfungen – eingesehen werden (vgl. Foto 4 Mergel).
a. Wieviele der dünnen Mergelschichten könnt Ihr unterscheiden? Eine grobe Zählung genügt.
b. Weshalb fehlen hier wohl die ansonsten aufliegenden, großen Sandsteinblöcke?
4. Betrachtet die mittelalterlichen Pflastersteine zwischen der Infotafel und den Listingkoordianten. Aus welchem Gestein könnten sie Eurer Meinung nach bestehen?
5. Optional würden wir uns sehr über ein Foto von Euch, Eurem GPS oder Maskottchen auf den Pflastersteinen freuen!
Ihr könnt sofort loggen! Wir melden uns, falls etwas unstimmig sein sollte.
Anmerkung: Wer noch mehr über Hohlwege in der Region erfahren möchte, empfehlen wir den Earthcache Geologie in historischen Hohlwegen (GC29VAH) von IrisFlo bei Leonberg.
Viel Spaß beim Hohlweg-Erkunden wünschen die
Bohnanzas
QUELLENANGABEN
INFORMATIONEN:
- http://www.zeitreise-bb.de/leonb/warmbr/wege.html
- http://www.magstadt.de/fileadmin/Dateien/Dateien/900_Jahre/900_Jahre_Magstadt-3.pdf
- http://www.agenda-magstadt.de/seit6.htm
- https://de.wikipedia.org/wiki/Via_Rheni
- https://de.wikipedia.org/wiki/Hohlweg, https://de.wikipedia.org/wiki/Keuper, https://de.wikipedia.org/wiki/Mergel, https://de.wikipedia.org/wiki/Sandstein
FOTOS (von oben nach unten):
- Foto 1, 3, 4, 5: © 2017 by Bohnanzas
- Foto 2 (Fuhrwerk): Infotafel, © Lokale AGENDA 21 Magstadt