Gleis 9 3/4
Ein verborgenes Gleis für den Hogwarts-Express wie in der Londoner King's Cross Station gibt es hier zwar nicht, aber der Lübecker Hauptbahnhof hat trotzdem jede Menge spannende Details zu bieten, denn er ist nicht nur der größte und wichtigste Haltepunkt der Hansestadt Lübeck, sondern mit rund 31000 Reisenden pro Tag (in "Nicht-Corona-Zeiten") auch der frequenzstärkste Knotenpunkt in Schleswig-Holstein. Grund genug, ihm diesen Mystery-Multi zu widmen.
Das an dieser Stelle befindliche Gebäude ersetzte mit seiner imposanten 130 Meter langen und 85 Meter breiten Bahnsteighalle 1908 den zu klein gewordenen Vorläufer auf der südlichen Wallhalbinsel in direkter Nachbarschaft des Holstentors, der dort nicht mehr erweiterbar war, da die Züge die Station niveaugleich direkt über eine Hauptverkehrsstraße in Richtung der heutigen Possehlstraße verließen.

Wie vorhergesagt stiegen die Fahrgastzahlen stetig und die bestehenden Strecken wurden erweitert, u.a. 1916 durch eine Kleinbahn-Verbindung nach Segeberg, die außerhalb der großen Bahnhofshalle an einem zusätzlichen Bahnsteig abfuhr, der heute wie im übrigen auch die Trasse selbst nicht mehr existiert. Auch die beiden Weltkriege konnten die Bedeutung des Bahnverkehrs nicht schmälern und so wurden die Schäden beide Male schnell beseitigt.
Mit der Teilung Deutschlands wurde der Lübecker Hauptbahnhof Mitte der 1940er Jahre zum Grenzbahnhof zur Sowjetischen Besatzungszone bzw. späteren DDR, daher existierten auf den Bahnsteigen 1 und 2 Grenzkontrollanlagen des BGS, an denen Reisende der Interzonenzüge von/nach Rostock überprüft wurden.
Seine größte Bedeutung erlangte der Lübecker Hauptbahnhof ab 1963 als Unterwegs-Haltepunkt entlang der Vogelfluglinie. Nun steuerten auch internationale D-Züge mit teilweise sehr langen Laufwegen die Hansestadt an, beispielsweise der "Italia-Express" bzw. der "Alpen-Express", die zwischen Rom und Kopenhagen pendelten oder aber auch der TEE "Merkur", der Stuttgart mit Kopenhagen verband.

Mit Öffnung der innerdeutschen Grenze 1989 und der Wiedervereinigung Deutschlands 1990 verlor der Lübecker Hauptbahnhof seine Randlage und das Verkehrsaufkommen stieg zunächst sprunghaft an. Gute zehn Jahre später sank dafür seine Bedeutung im internationalen Reiseverkehr erheblich, da durch die Eröffnung der Großen Belt-Brücke die Verbindungen über die Vogelfluglinie sukzessive ausgedünnt wurden.
Vor diesem Hintergrund wurde auch nur wenig in den Lübecker Hauptbahnhof investiert. Bis Ende der 1990er Jahre wurden noch alle Formsignale per Hand geschaltet, am Bahnhofsgebäude nagte der Zahn der Zeit und letztendlich verfiel sogar der Seitenflügel des Gebäudes zusehends, der zuletzt noch dem Bahnhofsrestaurant eine Heimat geboten hatte. Bis ins neue Jahrtausend hinein blieb Lübeck die größte deutsche Stadt ohne elektrischen Bahnanschluss und der Hauptbahnhof wurde streng genommen den Anforderungen an einen modernen Bahnbetrieb nicht mehr gerecht.

Anfang der 2000er Jahre stand dann plötzlich doch Geld zur Verfügung. Im Zuge der Modernisierung der Signalanlagen wurden 2003 das Fahrdienstleiterstellwerk bzw. die drei Weichenwärterstellwerke außer Betrieb gesetzt, seitdem werden alle Zugbewegungen aus Hannover ferngesteuert. Zeitgleich wurde ein großangelegtes Umbauprojekt in Angriff genommen, welches den Lübecker Hauptbahnhof im Hinblick auf seinen 100. Geburtstag im Jahre 2008 modernisieren und endlich auch auf die künftige Elektrifizierung vorbereiten sollte.
2006 fiel der Startschuss für die Errichtung der Oberleitungen, zwei Jahre später war alles fertig. Seit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2008 gehören nun auch in Lübeck E-Loks zum alltäglichen Bild und ziehen in der Regel die Züge zwischen Hamburg und Travemünde, die die Hauptlast des Fahrgastaufkommens tragen. Auch der Güterverkehr zu den Hafenanschlüssen rund um die Innenstadt und zum Skandinavienkai wird seitdem überwiegend elektrisch abgewickelt. Alle anderen Strecken werden nach wie vor mit Zügen bedient, die nicht unter Strom stehen.
Ende 2008 wurde Lübeck unter großem Medieninteresse ans ICE-Netz angeschlossen, seitdem existieren bis zu zwei tägliche Direktverbindungen von/nach München, hinzukommen einzelne IC-Fahrten nach Köln und Frankfurt. Ansonsten spielt Fernverkehr in der Hansestadt eher eine untergeordnete Rolle, seit die ICE- bzw. EC-Verbindung zwischen Hamburg und Kopenhagen über die Vogelfluglinie (Puttgarden - Rødby) im Dezember 2019 eingestellt wurde.

Im Regionalverkehr des Teilnetzes SH-Ost werden aktuell Strecken nach Lübeck-Travemünde (RE8/RB86), Neustadt in Holstein (RB85), Puttgarden (RE80/RB85), Hamburg (RE8/RE80), Kiel (RE83/RB84) und Lüneburg (RE83/RB89) bedient, hinzukommt der RE4 nach Bad Kleinen, der regelmäßig bis ins polnische Szczecin (Stettin) durchgebunden ist und somit quasi eine internationale Bahnverbindung darstellt, auch wenn in der Regel nur Diesel-Triebwagen eingesetzt werden.
So nun habt Ihr genug Informationen über den Lübecker Hauptbahnhof als Einstimmung auf die nachfolgende Aufgabe erhalten. Um die Dose zu finden, müsst Ihr nämlich zehn Fragen beantworten, die Ihr im folgenden Checker findet. Teilweise werdet Ihr die Antworten nur vor Ort bestimmen können, teilweise lassen sie sich aber auch bereits vorab im Internet recherchieren. Tragt die Lösungen dann in den Checker ein und sofern Ihr alles richtig gemacht habt, löst Ihr am Ende das Ticket zum Loggen.
Die Dose ist im fußläufigen Umkreis des Lübecker Hauptbahnhofs versteckt, so dass sie mit Chance auch von umsteigenden Reisenden besucht werden kann - auf eigene Gefahr natürlich, der Owner übernimmt keine Verantwortung für verpasste Anschlusszüge...
Happy hunting wünscht