
Im Steinbruch
Die auf den Buntsandstein folgende Abteilung der Trias ist der Muschelkalk. Die wenigen Vorkommen im Schwarzwald beschränken sich auf einzelne Schollen in der Vorbergzone. Hier sind es die Vorkommen zwischen den Ochsenmatten nördlich von Ebersteinburg und das Fichtental, südöstlich von Kuppenheim. Ein weiteres kleineres Vorkommen befindet sich noch nordöstlich von Sinzheim-Ebenung.
Neben den zum Teil bereits wieder rekultivierten Steinbrüchen bei den Ochsenmatten zählen die Steinbrüche im Fichtental zu den wichtigeren. Der hier vielleicht bis in die Römerzeit, sicher aber schon im Mittelalter betriebene Abbau von Kalksteinen besaß in früheren Zeiten zur Herstellung von gebranntem Kalk für das Baugewerbe eine besondere wirtschaftliche Bedeutung. Lange Zeit besaßen die Ebersteinburger Einwohner das alleinige Recht für den Kalkabbau.
Wie kann es sein, dass an einer Stelle im Fichtental Muschelkalk vorkommt und das Gestein in nächster Umgebung eine ganz andere Zusammensetzung hat ? Um diese Frage zu klären müssen wir uns mit der Enstehung des Oberrheingrabens befassen.
Wir beginnen mit einer Reise zurück zum Tertiär oder Paläozän, einem geologischen Abschnitt der Erdneuzeit. Die Kreidezeit war zu Ende und mit ihr verschwanden auch die Dinosaurier. Es fehlen noch alle Hochgebirge. Es gibt noch keine Anden, keine Alpen und auch keinen Himalaja. Kristallin, Rotliegendes, Buntsandstein, Muschelkalk, Keuper und Jura lagen ganz ordentlich in Schichten aufeinander. Das hat sich vor 50 Millionen Jahren im Tertiär grundlegend geändert. Genau hier beginnt die Geschichte des Oberrheingrabens. Die Erdkruste begann sich zu bewegen. Es fanden Plattenkollisionen statt. Durch vertikale Bewegung entstand ein breites Becken. Dieses wurde mit Sand und Kies aufgefüllt. An den Beckenrändern wurden Gebiete mehrere hundert Meter angehoben. Schwarzwald und Vogesen sind salopp ausgedrückt die Knautschzonen an den Plattenrändern. Die Anhebung lies altes Gestein verschiedenster Art an die Oberfläche kommen.
Der im Fichtental, südlich von Kuppenheim gelegene, heute stillgelegte und inzwischen leider stark zugewachsene Steinbruch, zeigt an der etwa 20 Meter hohen Abbauwand zahlreiche Schichten der Trochitenkalk- und der Meißner-Formation (mo1, mo2). Die Ablagerungen erfolgten vor ungefähr 240 Millionen Jahren.
Es handelt sich um eine Muschelkalkscholle inmitten des Mittleren Buntsandsteins. Es ist eine kleine Scholle nahe der Rheintalverwerfung schräggestellt.
Auf der nördlichen Seite der Bruchwand befindet sich im Zusammenhang mit der Grabenrandverwerfung eine tektonische Störungszone. Die Ablagerungen sind hier durch eine Flexur oder Falte verbogen.
Im Gegensatz zu dem durch Fließgewässer abgelagerten Buntsandstein handelt es sich bei den Muschelkalkablagerungen um die Sedimente eines flachen Meeres. Ableiten kann man dies aus den darin enthaltenen Fossilien und den als Tempesiten bezeichneten Lagen mit durcheinander gewirbelten zerbrochenen Hartteilen aus Muschelschalen.

Blick auf einen ehemaligen Meeresboden
In Spalten und Hohlräumen des Muschelkalks lassen sich gelegentlich auch Mineralien wie Calcit, Quarz, Baryt, Sphalerit und Brauneisen finden. Auf den Kluftflächen befinden sich ab und an besonders schöne Mangandendriten.
Das Vorkommen wurde bereits im 18. Jahrhundert entdeckt. 1779 erhielten die beiden Ziegelhütten in Kuppenheim die Genehmigung im Fichtental Kalksteine zu brechen. Kuppenheimer Kalk wurde auch zum Festungsbau in Rastatt verwendet.
Der Kalksteinbruch liegt seit Jahrzehnten still. Auffallend an der großen Kalkwand sind die dickeren und dünneren Schichten. Es sind Ablagerungen von Sand, Schlamm oder Geröll. Mit Glück lassen sich versteinerte Zeugen einstigen Lebens finden. Im Trochitenkalk (mo1) findet man versteinerte Stile von Seelilien und im Nodosuskalk (mo2) befinden sich versteinerte Gehäuse von Ceratiten (den Ammoniten des Trias).
Doch wie sind diese Fossilien entstanden ? Weite Teile Deutschlands wurden in der Trias von einem Flachmeer überspült. Eine mächtige Kalkschicht blieb zurück als das Wasser abzog. Ein Fossil entsteht, wenn ein Tier, eine abgestorbene Pflanze oder eine tote Muschel in sauerstoffarmes Wasser absinkt und von Sedimenten überdeckt wird. Die Schale wird von Mineralien aufgefüllt und erhärtet zu Gestein.

Teil der Halde
Befassen wir uns noch mit der Störungszone. Eine Störung oder Dislokation bezeichnet in der Geologie eine tektonisch verursachte, strukturelle Veränderung eines Gesteinsverbandes. Unterschieden werden kann zwischen Störungen im weiteren und solchen im engeren Sinn. Im weiteren Sinne werden mit dem Begriff alle Ergebnisse spröder als auch duktiler Deformationen erfasst, also auch Falten, Flexuren oder duktile Scherzonen. Hierbei spricht man auch von kompressiver Dislokation (durch Druck entstandene Störung).
Im engeren Sinne erfasst die Begrifflichkeit "Störung" ausschließlich Resultate bruchhafter Verformung, sogenannte Verwerfungen. Man bezeichnet dies dann als disjunktive Dislokation.
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1. Betrachte den Aufschluss (Steinbruchwand) in östlicher Richtung. Wie sind hier die Kalksteinschichten aufgeschlossen ? (Ist die Lagerung gleichmäßig ? Stärke der Schichten in cm ?) Überlege: Was mag der Grund dafür sein, dass die Schichten so vorzufinden sind ? Wie könnte die unetrschiedliche Stärke der Schichten erklärt werden ?
2. Auf der Ostseite ist die oben erwähnte Störung sichtbar. Beschreibe diese. Prüfe vor Ort, ob wir eine Störung im engeren oder im weiteren Sinne vorliegen habe. Schätze den Winkel, in dem sich die Störung in etwa zum übrigen Teil der Bruchwand verhält. Was mag die Ursache dafür sein, dass dieser Winkel nicht größer ist ?
3. Betrachte das vorliegende Haldenmaterial näher. Welche Spuren lassen erkennen, dass es sich hierbei um Meeresablagerungen handelt ?
Quellen:
Kohler Wolfgang: "Geologische Wanderung durch das Fichtental bei Kuppenheim", Exkursionsführer vom 08. April 2017
Wikipedia: Der Steinbruch im Fichtental
Fotos: eigene Aufnahmen
Oktober 2017: Terrainwertung auf 4 erhöht