Heute möchte ich euch ein wahres Naturidyll zeigen. Als Outdoor-Liebhaber und Abenteurer wisst ihr sicherlich abgelegene und naturbelassene Schauplätze sehr zu schätzen. Kaum jemand wird sich von allein hierher verlaufen und in den Genuss botanischer Vielfalt und Abgeschiedenheit kommen. Hier dürft ihr zur Ruhe kommen und die einzigartig klare Luft einatmen. Ein in der Nähe ansässiger Bioverwertungsbetrieb hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Luft mit hochwertigen Kohlenwasserstoffen anzureichern, die dieses für Kennernasen großartig blumige und belebende Bouquet bieten. Nicht weit entfernt haben auch ein Wertstoffhof und eine Textilreinigung ihr Domizil gefunden und tragen euch mit dem Wind weitere außergewöhnlich faszinierende Aromen unter die Nasenflügel. Nehmt ruhig einen erquickenden Atemzug und fühlt euch frei.
Schaut euch jetzt ein wenig um und lasst die Farben auf eure Netzhaut wirken. Wahrscheinlich nehmt ihr auch die in schimmerndem Braun, Grün und Weiß leuchtenden Überreste der längst ausgestorbenen Glasmuscheln (lat.: testa speculo) wahr. Ihr vermehrtes Auftreten an diesem Ort erklären die Geologen durch punktuelle, tektonische Erdschicht-Bewegungen, bei denen diese Ur-Meeresbewohner aus dem Tiefengestein wieder zum Vorschein gebracht wurden. Wenn ihr so ein Fossil entdeckt und mal dran schnuppert, werdet ihr feststellen, dass sie ein wenig nach Bier riechen. Wissenschaftliche Untersuchungen haben festgestellt, dass sich die gemeine Glasmuschel zu Lebzeiten von Hopfen und Gerste ernährte und durch eine Hefepilz-Epidemie ausstarb.
Zweifellos ist das jedoch noch nicht alles Sehenswerte an diesem Ort. Vermiculus cigarensis ist ein gar besonderer Vertreter. Dieser weiße Wurm von der Größe des kleinen Fingers besitzt eine orangenen, gelb gepunkteten Kopf und krabbelt auf dem Boden herum. Selten sieht man sie in voller Länge, oft ist nur noch der Kopf und Hals erhalten. Man nimmt an, dass Vermiculus cigarensis an heißen Tagen zur Selbstentzündung neigt und verbrennt, meistens findet man sie nur noch leblos und verschmort auf den Gehwegen wieder. Bitte lasst die Würmchen liegen, die Natur kümmert sich darum.

Ein kleines Highlight möchte ich nicht unerwähnt lassen. Von Zeit zu Zeit könnt ihr mit ein bisschen Glück die Gelegenheit bekommen, ein Säugetier der Spezies Homo sapiens abstuhlensis im nahen Unterholz bei seiner artspezifischen Verhaltensweise zu beobachten, die unter Wissenschaftlern als Abducken bzw. Abhocken bekannt ist. In dieser Phase, in der der Homo sapiens abstuhlensis Verdauungsrückstände an die Natur abgibt, ist er sehr scheu und verletzlich. Auf keinen Fall dürft ihr das Wesen in dieser Phase durch lautes Rufen und Winken auf euch aufmerksam machen. Auch wenn ihr diesmal keinen erspäht, so könnt ihr bei näherer Betrachtung der Umgebung vielfach Hinweise auf seine Existenz entdecken. Unter Biologen und Verhaltensforschern ist bislang umstritten, welchem Zweck die weißen Zelluloseansammlungen, die regelmäßig an den Abhockstellen gefunden werden, erfüllen. Laboranalysen versprechen mittlerweile eine Lösung des Mysteriums, die Ergebnisse sind aber bislang unter Verschluss. Die Gemeinschaft der Artenforscher erbittet daher, Fundstellen zu markieren und zu melden, die Zellstoffe jedoch nicht zu entwenden. Grund dafür ist u.a. ein bislang ungeklärter Zusammenhang zwischen den jeweiligen Fundorten und einem verbessertem Pflanzenwuchs im unmittelbaren Umkreis, den die Forscher genauer verstehen wollen.

Ihr seht, es gibt hier viel zu sehen und zu entdecken, ihr werdet eure Freude haben!