
(Eigenes Foto)
Du befindest dich hier an einem markanten Geländeeinschnitt. Hier wurde zu DDR-Zeiten Erde als Baumaterial entnommen. An dieser Abbaukante zeigt sich die gleiche geologische Schichtung wie im dahinter liegenden Neuen Lehmberg.
Als Tonstich oder Tongrube werden Tagebaue bezeichnet, in denen Tonerde abgebaut wird. Der Begriff Tonstich stammt aus der Zeit, als der Ton in Handarbeit mit dem Spaten abgestochen wurde. Der meist im Tagebau gewonnene Ton ist im Rohzustand noch nicht verformbar und wird in Nass- oder Trockenaufbereitung stufenweise zerkleinert und gemischt. Die verformbaren Massen werden dann zu Mauer- oder Dachziegeln geformt und gebrannt. Der Standort der Ziegeleien liegt meist am Ort des Rohstoffvorkommens. Auch in Kleintöpfer war dies der Fall: Ursprünglich befand sich direkt hinter der alten Ziegelei ein Tonabbau, der so genannte Alte Lehmberg. Diese Tongrube wurde beim Abriss der Ziegelei mit Bauschutt verfüllt und ist heute nicht mehr erkennbar. In den 1950er Jahren, als die Rohstoffvorkommen im Alten Lehmberg zur Neige gingen, wurde eine neue Tongrube, der Neue Lehmberg, erschlossen. Von dieser Tongrube aus führte der Weg des Tons mit einer Seilbahn bis zur Ziegelei.
Dieser EarthCache befindet sich nicht direkt an der ehemaligen Lehmabbaustelle, sondern unterhalb davon, wo sich die gleiche geologische Schichtung zeigt. An dieser Stelle sieht man übrigens auch gut, dass Ton wasserstauende Eigenschaft hat: Auf der Fläche zwischen dem Weg und der Abbaukante finden sich zahlreiche Pflanzenarten, die ein feuchtes Habitat bevorzugen.
Ton - Definition und Charakteristika
Ton ist ein unverfestigtes sedimentäres Gestein aus der Familie der Pelite, welches im wesentlichen aus Mineralpartikeln kleiner 20 μm im Durchmesser besteht. Unter diesen Partikeln herrschen blättchenförmige silikatische Tonminerale mengenmässig vor, deren Teilchendurchmesser meistens kleiner als 2 μm sind. Altersmässig gehören die unverfestigten Tone fast ausschliesslich den jungen erdgeschichtlichen Formationen des Tertiärs und Quartärs an. Die Masse aller tonigen Sedimentgesteine ist jedoch verfestigt. Diese Tongesteine werden als Tonschiefer, Schiefertone und auch als Tonsteine bezeichnet. Sie gehören überwiegend den älteren geologischen Formationen des Meso- und Paläozoikums an.
[...] Fast alle Tone sind umgelagert und zeigen eine Schichtung. Bei der Abtragung des primären Verwitterungsdetritus und seinem Transport erfolgt eine Sortierung nach der Korngrösse, Der feinkörnige Ton wird von den gröberen sandigen und kiesigen Bestandteilen getrennt wieder abgelagert. Schon geringe Korngrössenunterschiede rufen eine Schichtung des sedimentierten Materials hervor. [...]
Die Tonminerale sind überwiegend wasserhaltige Aluminiumsilikate. Sie entstehen im wesentlichen bei der Verwitterung von Feldspäten und Glimmern und werden deshalb als Verwitterungsneubildungen bezeichnet. [...] Tonminerale haben eine große aktive Oberfläche und sind definiert auf die Größe <2µm Neben den Tonmineralen enthalten Tone häufig oxidische Eisenminerale (besonders Hämatit und Goethit), Titandioxid als Anatas sowie in den Tropen Aluminiumhydroxide, vor allem Gibbsit. [...]
Die meisten Tone haben die Fähigkeit, Wasser zu binden und aufzunehmen und damit aufzuquellen. Bei Trockenheit wird das Wasser wieder entzogen und der Ton schrumpft. [...]
[...] Die Farbe der Tone wird durch Gehalt und Art der Eisenoxide bestimmt (gelb bis gelbbrauner Goethit, orangefarbener Lepidokrit, roter Hämatit und rotbrauner bis schwarzer Maghemit). [...]
Verwendung von Ton
Ton ist der wichtigste und älteste Rohstoff für die Herstellung von Keramik. Als Bestandteil von Lehm wird er für die Herstellung von Ziegel benötigt. Daneben wird er zusammen mit Kalkstein zur Produktion von Zement verwendet. In der Bildenden Kunst dient er der Herstellung von Plastiken. Tonminerale werden als Ionenaustauscher, beispielsweise bei der Säuberung von Trinkwasser und zum Entfärben von Lösungen eingesetzt. Insbesondere Montmorillonit wird wegen seiner Wasseraufnahmefähigkeit genutzt, zum Beispiel im Katzenstreu. Kaolinit wird auch in der Papierindustrie als Appreturmittel verwendet, glättet die Oberfläche und nimmt Tinte auf. Blähton (stark porös gebrannter Ton) dient als isolierender Baustoff und für die Hydrokultur. Andere Tone dienen als Abdichtung in Deponien, sind Füll-, Trenn-, und Zuschlagstoffe in Farben, Lebensmitteln und pharmazeutischen Produkten oder werden als Katalysatoren eingesetzt. [...]
Lehm
Lehm ist eine Mischung aus Sand (Korngröße > 63 µm), Schluff (Korngröße > 2 µm) und Ton (Korngröße < 2 µm). Er entsteht entweder durch Verwitterung aus Fest- oder Lockergesteinen oder durch die unsortierte Ablagerung der genannten Bestandteile. Unterschieden werden je nach Entstehung Berglehm, Gehängelehm, Geschiebelehm (Gletscher), Lösslehm (Löss) und Auenlehm (aus Flussablagerungen).
Lehm ist weit verbreitet und leicht verfügbar, er stellt einen der ältesten Baustoffe dar.
Die Mischungsverhältnisse von Sand, Schluff und Ton können innerhalb definierter Grenzen schwanken, in kleinen Mengen kann noch gröberes Material (Kies und Steine) darin enthalten sein. Lehm mit nennenswertem Gehalt an Kalk, etwa in Folge wenig fortgeschrittener Verwitterung oder bei der Entstehung durch Ablagerung kalkigen Materials, wird als Mergel (s.u.) bezeichnet. Tonreiche Lehme werden als fett bezeichnet (nicht im Sinne von fetthaltig), tonarme als mager.
Lehm ist nicht so plastisch und wasserundurchlässig wie reiner Ton, da die Korngröße der Bestandteile Sand und Schluff größer ist. In feuchtem Zustand ist Lehm formbar, in trockenem Zustand fest. Bei Wasserzugabe quillt Lehm, beim Trocknen schwindet oder schrumpft er, was im Lehmbau besonders zu beachten ist. Lehm als Baustoff speichert Wärme und wirkt regulierend auf die Luftfeuchtigkeit.
Natürliche Lehmansammlungen in Mitteleuropa sind meist eiszeitliche Ablagerungen von durch Wind angewehtem Feinmaterial aus der Steppentundra. Dieser Staub (Löss und Sand) resultierte aus Gletscher-Schleiftätigkeit, wurde von Flüssen verfrachtet und infolge saisonaler Austrocknung verweht.
Quelle: Mineralienatlas - Fossilienatlas: Ton-Lagerstätten (Tone und Bentonit) (gekürzt)
Die Aufgabe
Um diesen EarthCache zu loggen, beantworte bitte die folgenden Fragen:
- Beschreibe die Abbaukante: Welche Farben herrschen im oberen bzw. im unteren Bereich der Kante vor? Wie fühlt sich das Gestein im oberen bzw. im unteren Bereich an?*
- Wie kommt dieser Unterschied zustande?
- Beschreibe die Struktur der Abbaukante: Was spricht deiner Meinung nach dafür, dass im oberen Bereich keine "normale Erde", sondern tonhaltige Erde zu sehen ist?
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* Die Fläche vor der Abbaukante wird an einigen Tagen im Jahr als Viehweide genutzt. Während dieser Zeit entfällt die zweite Teilfrage und die Beschreibung des visuellen Eindrucks genügt.