Dem Anblick nach unterscheiden sich die nördlichen Voralpen von den südlicher gelegenen Kalkalpen: Die nördlichen Voralpen zeigen sich überwiegend als sanfte, bewaldete Kuppen mit land- und forstwirtschaftlich genutzten Flächen, die Kalkalpen zumeist als schroffes Felsengebirge mit weniger Nutzflächen. Das hat viel mit den Gesteinen zu tun, aus denen die Gebiete bestehen.
Ein wenige Kilometer breiter Streifen entlang der nördlichen Voralpen umfasst die Flyschzone. Dort finden sich überwiegend tektonisch stark verformte Sand- und Tonsteine, die bereichsweise von quartären Ablagerungen überdeckt sind.
Die Berge der Flyschzone sind durch die Gletscher und Prozesse der Eiszeiten stark überprägt, da die Sand- und Tonsteine leicht verwittern, oft keinen großen inneren Zusammenhalt besitzen und nach wie vor zum Fließen neigen (schweizerdeutsch: flyschen) – siehe Entstehung.

Abb. 1: Der Tegernsee vom Wallberg aus gesehen. Das Tegernseer Tal durchbricht die schmale Flyschzone mit ihren bewaldeten Kuppen. (Quelle: Wikipedia)
Entstehung der Flyschzone
Vor etwa 300 Millionen Jahren waren die heutigen Kontinente miteinander verbunden und bildeten eine zusammenhängende Landmasse: Pangäa. Vor rund 230 Millionen Jahren begann Pangäa in mehrere Platten zu zerbrechen. Die afrikanische und die europäische Platte drifteten auseinander. Dabei entstand zwischen Afrika und Europa ein großes Meer, das Urmeer Tethys.
Vorgänge im Schelf...
In den vom Meer bedeckten Randbereichen der Kontinente, dem Schelf, lebten viele kalkabscheidende Lebewesen, zum Beispiel Korallen und Muscheln. Ihre Ausscheidungen und kalkhaltigen Bestandteile sanken auf den Boden des Schelfs und lagerten sich dort als Sedimente ab, vorwiegend in untermeerischen Becken. Geologen unterscheiden verschiedene Gesteinseinheiten, die durch Druck- und Hitzeeinwirkung in solchen Sedimentationsbecken entstanden. Eine davon ist das Helvetikum.
...und im Tiefseegraben
Im Unterschied zu den Gesteinen des Helvetikum entstand der Flysch in einem langen, ungefähr West-Ost ausgerichteten Tiefseegraben zwischen afrikanischer und europäischer Platte. Sedimente, die von Flüssen ins Urmeer transportiert wurden, rutschten untermeerisch ab. Die Trübeströme kann man sich wie Lawinen vorstellen, die vermutlich in Abständen von einigen zehntausend Jahren abgingen.
Aus den Trübeströmen setzten sich zuerst die grobkörnigen Komponenten ab, danach allmählich die immer feineren. So entstand die für den Flysch typische Schichtung von Sandsteinen im Wechsel mit Tonsteinen oder Tonmergeln, die sich oft hundertfach rhythmisch wiederholt. Geologen nennen sie Turbiditfolge. Turbidit ist der Fachbegriff für ein Sedimentgestein, das durch einen Trübestrom gebildet wurde.

Abb. 2: Entstehung der Turbiditfolgen aus Trübeströmen. Jeder Turbidit besteht aus sortierten Sedimenten: von groben bis zu feinen Gesteinsmaterialien. (Quelle: GC31HHE)

Abb. 3: Alpidischer Flysch in den Nordkarpaten. Gut zu erkennen sind graue Tonstein- und Tonmergellagen im Wechsel mit gelblichen und rötlichen Schichten anderen Materials wie Sandstein. (Quelle: Wikipedia)
Auffaltung der untermeerischen Sedimente
Seit etwa 100 Millionen Jahren bewegt sich die afrikanische Platte auf die europäische Platte zu. Das Urmeer Tethys wurde allmählich zurückgedrängt, der Meeresboden aus dem Wasser herausgehoben und aufgefaltet: die Alpen entstanden. Durch Erosion höher liegender Gesteinsschichten gelangten ursprünglich tiefer liegende Gesteinsschichten an die Oberfläche.
Die gewaltigen Kräfte während der Gebirgsbildung (Orogenese) lassen sich an Aufschlüssen der Flyschzone deutlich erkennen: Wie eingangs erwähnt, wurden die Gesteine tektonisch stark verformt.
Reiselsberger Sandstein aus der Flyschzone
Der Reiselsberger Sandstein ist nach einem Vorkommen in den Ammergauer Alpen benannt (Typlokalität) und gilt als wichtigster Sandstein der Flyschzone. Allerdings gibt es nur wenige Stellen in Oberbayern, wo er sich gut studieren lässt. Die meisten Aufschlüsse sind überwachsen und/oder schwer zugänglich.
Am nördlichen Ortsausgang von Bad Wiessee, direkt an der Straße und über einen asphaltierten Gehweg sicher erreichbar, kannst Du den Reiselsberger Sandstein leicht betrachten.
Sandstein ist ein klastisches Sedimentgestein: ein Gestein, das aus unterschiedlich großen Mineral- und Gesteinsbruchstücken zusammengesetzt ist. Jeder Sandstein hat einen mindestens 50%-igen Anteil an Sandkörnern. Nach der allgemeinen Definition der Korngröße sind Sandkörner zwischen 0,063 und 2 mm groß. Sandkörner bestehen aus verschiedenen Mineralen, meistens jedoch aus Quarz.
Der Reiselsberger Sandstein enthält neben Sandkörnern viele unterschiedliche Komponenten. Er ist meist reich an Glimmer und Bruchstücken anderer Gesteine. Er kann fein- bis grobsandig, teilweise auch brekziös sein, das heißt: aus verkitteten, kantigen Gesteinstrümmern bestehen. Als Bindemittel dient Kalk.
Der EarthCache: Deine Aufgaben
Bitte sende uns zuerst Deine Antworten über den Nachrichten-Link in unserem Profil, danach kannst Du sofort loggen. Wir melden uns, wenn etwas nicht stimmt.
Hier sind Deine Aufgaben:
- Beschreibe das Aussehen (Farbe, Form) des Reiseldorfer Sandsteins am Aufschluss! Gibt es eine bestimmte Schichtung und/oder Faltung? Schildere Deine Beobachtungen!
- Schätze die Breite (Vorschlag: Abschreiten entlang des Gehwegs) und Höhe des Aufschlusses!
- Erkläre mit Deinen Worten die wesentlichen Unterschiede zwischen der Entstehung von Flysch und der Entstehung von Gesteinen des Helvetikum!
- Freiwillig: Mache Fotos, die Deinen Besuch vor Ort zeigen, und stelle sie in Dein Log ein. Achte aber bitte darauf, keine Spoiler einzustellen.
