Trochiten – Fossilien aus dem Erdzeitalter des Muschelkalks
Unter dem Erdzeitalter Muschelkalk verstehen wir die mittlere der drei lithostratigraphischen Gruppen der Germanischen Trias. Über dem Muschelkalk finden sich der Keuper und unterhalb der Buntsandstein, als beide anderen Gruppen.
Die Untergrenze des Muschelkalk wird heute in Deutschland mit der Unterkante des Grenzgelbkalkes definiert. Die Obergrenze bildet in Süddeutschland das sog. Muschelkalk-Keuper-Grenzbonebed. Weiter im Norden etwa ab Thüringen ist diese Bank nicht mehr vorhanden; hier wird die Grenze mit dem ersten Keupersandstein gezogen. Die Untergrenze des Muschelkalks wird heute in das untere Anisium datiert.
Im Trias erstreckte sich ein geologischer Ablagerungsraum des Muschelkalk, das sog. Germanische Becken, über weite Teile des heutigen Mitteleuropas. Während der Ablagerungszeit war hier ein flaches Meer zu finden. In dem Meer fanden sich Karbonatschlämme und schillartige Sedimente die sich absetzten und später zu Kalkstein verfestigten. Dieser Ablagerungsraum liefert uns heute wertvolle Informationen zur Entstehung der Erdschichten. Auch können Rückschlüsse über klimatische Bedingungen erfolgen, wie diese zur Entstehungszeit der Schichten vorherschten.
Anders als es der Name „Muschelkalk“ vermuten lässt, enthalten die fossilreichen Gesteine dieser Einheit nicht nur Muscheln, sondern vor allem auch die den Muscheln äußerlich ähnlichen Armfüßer (Brachiopoda). In vielen Schichten sind sie sogar häufiger als Muscheln. In manchen Intervallen des Muschelkalks sind auch Reste von Stachelhäutern sehr häufig. Für ein Schichtglied des Oberen Muschelkalks, den „Trochitenkalk“ bzw. heute Trochitenkalk-Formation (nach den als Trochiten bezeichneten, oft einzeln im Gestein verteilten fossilen Stielgliedern von Seelilien) waren sie sogar namensgebend. In den Ablagerungsräumen, wo sich also mehr verschiedene Fossilien gebildet haben, können wir heute genauere Rückschlüsse über die Erdentstehung ziehen.
Der Ablagerungszeitraum des Muschelkalks erstreckt sich auf etwa 243 bis 235 Millionen Jahre vor heute (jeweils mit einer Unsicherheit von rund 2 Millionen Jahren). Dies entspricht der internationalen Stufe Anisium sowie dem unteren Abschnitt des Ladiniums der Mittleren Trias.
Trochiten - Crinoidenkalk
Unter Trochiten verstehen wir die versteinerten ring-oder rädchenförmigen Glieder aus denen sich der Stiel der Seelilien aufbaut. Diese kommen gesteinsbildend im Germanischen Becken vor. Dabei bilden diese die besondere Form des Crinoidenkalks, der auch als Trochitenkalk bezeichnet wird. Dabei entstehen diese wie folgt: die kalkhaltigen Hartteile der Crinoiden sanken nach deren Tod zu Boden und bildeten mit der Zeit zunehmend mächtigere Ablagerungen. Während der Gesteinsbildung verdichtete und verfestigte sich das Lockermaterial allmählich zu Kalkgestein. Durch plattentektonische Bewegungen können Gesteine, wie beispielsweise Crinoidenkalke, über große Entfernungen transportiert und im Zuge der Gebirgsbildung aufgefaltet werden. Beispiele hierfür sind die Dolomiten und die Nördlichen Kalkalpen wo die zu einem Gestein verfestigten fossilen Crinoidenreste wieder an der Oberfläche ausstreichen. Gemeinsam mit von Schalentieren und vor allem von winzigen Kalkalgen und ähnlichem Plankton gebildeten Ablagerungen können Crinoidenkalke bis zu 2000 Meter Mächtigkeit erreichen. Bei den Ablagerungen kann man heute deutlich die klimatischen Bedigungen von damals erkennen. Es zeichnen sich z.B. hohe Dichten mit relativ regelmäßigen (hohen) Ablagerungen von Fossilien bei ruhigen Bedigungen ab. Bei sehr unruhigen Bedingungen erkennt man ungleichmäßige und unregelmäßige Anzahlen der Fossilien. Außerdem fragt Ihr Euch evtl. wieso Ihr keine Seelilienblüten vorfindet? Durch Erosion werden im Laufe der Jahrtausende Bergspitzen wieder abgetragen. Somit fehlen oft obere Gesteinsschichten, die ebenfalls Fossilienteile enthalten können. Auch ist es möglich, dass Teile der Seelilien, bei Entstehung schon auseinandergerissen wurden, teilweise weggeschwemmt und an anderer Stelle zu Fossilien wurden. Andere Fossilien können sich mit denen der Trochiten vermischt haben. Die dadurch entstehenden "Mischungsverhältnisse" geben wiederum Aufschluss über z.B. Wasserhöhe zu der damaligen Zeit. So kann eine Vielzahl von Informationen aus den Fossilienfunden vor Ort gewonnen werden.
Mit diesen Informationen möchten wir Dich an einen kleinen Steinbruch geleiten, damit Du Dir hier einige Feinheiten ansehen kannst, um dadurch Rückschlüsse zu ziehen auf einige erdgeschichtliche Vorgänge.
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Quelle: Wikipedia
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