Einst ging ich einen Waldweg lang.
Finster war's, das Herz mir bang -
des Nachtwalds Laute um mich her,
rief ich ins Dunkel: "Ist da wer?"
Doch kein Wort drang zu mir her.
Ich rief erneut: "Yo, ist da wer?
Ist es ein Freund, der mich sekkiert,
er meiner Rache Beute wird!"
So rief ich, zitternd, in die Nacht.
Da wurd' ein Lichtlein angemacht!
Ich näherte, soweit es ging,
mich diesem ominösen Ding.
Bis hinter einen Ficht' ich schlich
lugte hervor, sah – und erblich.
Denn was ich auf der Lichtung fand,
ward nicht gemacht von Menschenhand!
Im unirdischen Lichterschein
erblickt' ich tanzendes Gebein,
die Knochen klappernd schaurig laut!
Sofort bekam ich Gänsehaut.
Jedoch ich konnt' den Blick nicht wenden
von des Skelettes Knochenhänden,
die einer Kiste Deckel hoben
und mit den Fingern Muster woben.
Die Neugier gewann Oberhand
und tretend an der Lichtung Rand,
erblickte ich, was konnt' das sein?
Aus der Kiste Sternenschein!
Ich sog tief Atem in die Brust;
das wurde dem Skelett bewusst.
Es fuhr herum – erblickte mich
und lachte laut und fürchterlich.
Trat zu mir her der Knochenmann,
die Augen rot und fragte dann:
"Was tust du hier? Wer magst du sein?"
Und schüttelt' klappernd sein Gebein.
"Ich wollt' nicht stören", quiekte ich,
als das Skelett erreichte mich.
Und flüsterte: "Ich kann auch geh'n,
wenn es dich stört, mich hier zu seh'n."
Daraufhin sprang der Knochenmann
ein Stück zurück und kreischte dann:
"Verlassen willst du diesen Ort
ohne zu sehen meinen Hort?
Erst siehst du mich bei meinem Tanz
und blickest auf der Kiste Glanz?
Tritt näher, Mensch, und tanz' mit mir,
oder bleib für immer hier!"
Ich tat also wie mir geheißen,
trat zitternd in der Kiste Gleißen
und tanzte mit dem Knochenmann
so lange, bis der Tag begann.
Er sprach ein letztes Mal zu mir:
"An diesem Zauberorte hier
bin ich gezwungen zu dem Tanz
zu baden in der Kiste Glanz,
bis jemand kommt mit mir zu tanzen,
obwohl die Angst ihn piekt mit Lanzen
und seinen Namen mir dann sagt,
obwohl die Furcht ihn stetig plagt."
Ich gab den Namen leis' sodann
dem rotäugigen Knochenmann.
Er grinste nochmal und verschwand
winkend mit seiner Knochenhand.
Ich hastete von jenem Ort
von Angst getrieben eilends fort.
Die Kiste steht noch immer dort
an diesem gruseligen Ort.
Ich wollt' nicht wissen, was darin –
mein ganzer Mut, der war dahin.
D'rum achte, lieber Wandersmann,
auf jenen weißen Knochenmann,
und tanze mit ihm durch die Nacht,
so lange, bis der Tag erwacht.
Und lasse deinen Namen dort
in des Skelettes Zauberhort.