Die Geschichte der Pfarrei beginnt 1649, als die Kapelle erstmals erwähnt wird. Anfang 18. Jahrhundert erhält die Kapelle ein Bild von Philipp Neri, und 1724 Reliquien des Heiligen. Seither gilt sie als Philipp-Neri-Kapelle.
Die Pfarrkirche St. Philipp Neri von Reussbühl entstand zwischen 1898 und 1902. Sie ist einer der schönsten neuromanischen Sakralbauten der Schweiz. Sie steht auf dem Hügel am linken Ufer der Reuss (dem Reuss-Büehl). Die Sandsteinfassade mit behauenen Bossen (Steinquader) wurde letztmals 1995 saniert. Über der Schnittstelle von Längs- und Querschiff erhebt sich das Vierungstürmchen mit den beiden kleinsten Glocken (Taufe, Wandlung, Wettersegen). Über dem Altar- und Chorbereich thront auf dem Dach ein wachsamer Adler, Symbol für den Evangelisten Johannes.
Über dem Hauptportal schuf man 1968 ein Christkönigsrelief mit den Symbolen der vier Evangelisten: v.l. Löwe (Markus), Mensch/Engel (Matthäus), Stier (Lukas) und Adler (Johannes). Über den Seiteneingängen: die beiden Relief - Philipp Neri auf der linken, Bruder Klaus auf der rechten Seite.
St. Philipp Neri wird bei der Gründung der Pfarrei Reussbühl zum Namens-Patron gewählt. Wer ist dieser Heilige? Filippo Neri, 1515 in Florenz geboren, geht mit 17 von zuhause weg. Er lebt zuerst als Stadtstreicher in Rom. Einer von vielen. Aber Filippo ist fromm. Frömmigkeit ist bei ihm eine tiefe Leidenschaft. Meist erntet er nur Gelächter und Hohn für seine Frömmigkeitsausbrüche. Aber mit Humor bringt Filippo die Lacher immer wieder auf seine Seite. Dieser „Narr Gottes“ wird so etwas wie der „Stadtheilige“ von Rom und gegen seinen Willen zum Priester geweiht. In einer Dachkammer liest er seinen Anhängern religiöse Texte vor.
Einer der Anwesenden hält dann die Predigt. Aus diesen Zusammenkünften entsteht eine lockere Wohngemeinschaft, die sich „Oratorium“ nennt. Ohne feste Regeln und gemeinsame Mahlzeiten lebt man in zwangsloser Frömmigkeit. Am 26. Mai 1595 stirbt Filippo Neri. 1622 wird er heilig gesprochen.