Auf dem Gelände, wo heute der Sportplatz steht, befanden sich die Küchenbaracke sowie die Unterkünfte für die männlichen und weiblichen SS-Wachen. Direkt daneben, wo heute die Gartenfreunde der „National Registrierkassen NCR Kolonie e. V“. aktiv sind, hausten die Häftlinge in drei Baracken. Das Ganze umzäunt mit Stacheldraht. Die Nazis richteten das Areal 1942 als Zwangsarbeiterinnenlager ein; 1944 übernahm es das KZ Sachsenhausen als Neuköllner Außenlager.
Das Gelände an der Sonnenallee gehörte zum Besitz der National Krupp Registrierkassen GmbH – eine Fusion der amerikanischen Firma National Cash Register (NCR) und der deutschen Krupp-Registrierkassen-Gesellschaft zu Zeiten der Weimarer Republik. Das Unternehmen hatte auf dem späteren KZ-Areal unter anderem Tennisplätze für den Betriebssport angelegt sowie sogenannte „Kindergärten“. Das waren Gartenparzellen, auf denen sich die Kinder der Mitarbeiter spielerisch im „Verantwortung übernehmen“ üben durften.
Mit Ausbruch des Zweiten Weltkrieges wuchs der Bedarf an kriegsrelevanten Gütern, weshalb die Firma ihre Produktion ab 1939 auf Rüstung umstellte. Die rasche Intensivierung des Krieges stellte die NS-Führung vor ein wachsendes Problem: Durch die massenhafte Einberufung junger Männer in die Wehrmacht fehlte es überall an Arbeitskräften – so auch im Neuköllner NCR-Werk. Zu diesem Zeitpunkt hieß die Sonnenallee bereits Braunauer Straße, benannt nach dem Geburtsort Adolf Hitlers.
Fortan waren hier überwiegend jüdisch-polnische Zwangsarbeiterinnen inhaftiert, die nach der Auflösung des Ghettos in Łódź nach Auschwitz gebracht, dort als arbeitsfähig selektiert und nach Neukölln verlegt worden waren. So entgingen sie den Todeslagern im Osten. Doch der Alltag der inhaftierten Frauen in Neukölln war weiterhin geprägt von Hunger und Gewalt, harter Arbeit in den Produktionshallen und den Erniedrigungen durch das Wachpersonal der SS.
Erst Anfang der 70er Jahre wurden die Ermittlungen der NSVerbrechen im »Außenlager Neukölln« aufgenommen. 1986 beantragte die Bezirksverordnetenversammlung Neu kölln, auf dem ehemaligen Lagergelände eine Gedenkstätte zu errichten. 1994 wurde schließlich das von Norbert Rader macher konzipierte Erinnerungskunstwerk umgesetzt: Eine Lichtinstallation weist nach Einbruch der Dunkelheit den aufmerksamen Passanten auf die Geschichte des Ortes hin. »Gegen das Vergessen« – so steht es auch auf einer kleinen Erinnerungstafel auf dem Gelände des Kleingartenvereins.
Mehr Infos über die Geschichten im Kiez auf Richard-Quartier.de So wird der Counter zentriert in Deinem Listing angezeigt.
