„Geschichte mal anders“ ist eine kleine Cache-Reihe von vier Caches und einem Bonus. Zu ihr gehören neben diesem „Hölzerlips kleinkriminelle Räuberbande – die Erben“, „Elende Herberg - Hölzerlips letzte Ruhestätte“, „Anatomie - Hölzerlips und der Schwarze Jonas“ und „Bonus Amicus: Ein Freund, mit dem man Pferde stehlen kann“.
Hans Jacob Rieter, auch Rieder (* 1766 in Winterthur, Schweiz; † 5. Mai 1811 in Heidelberg) war ein Kaufmann aus der alteingesessenen Kaufmannsfamilie Rieter in Winterthur und verheiratet mit Anna Katharina geb. Graff, Nichte des Malers Anton Graff.
Hans Jacob Rieter und sein Bruder Bernhard handelten mit bedruckten Textilien. 1796 gründeten sie zusammen mit Bernhard Greuter (1745–1822) die Handelsgesellschaft „Greuter & Rieter“, welche Hans Jacob ab 1805 alleine leitete. Sie entwickelte sich zum bedeutendsten Unternehmen dieser Branche in der Schweiz. Zum Unternehmen gehörten eine Textildruckerei in Islikon und eine Rotfärberei in Frauenfeld.
1811 besuchte Hans Jacob Rieter die Frankfurter Messe. Bei der Rückreise wurden er und sein Mitreisender Rudolf Hanhart in der Nacht zum 1. Mai Opfer der sog. Hölzerlips-Bande. Diese überfiel kurz nach Mitternacht auf der Bergstraße zwischen Laudenbach um Hemsbach ihre Kutsche. Beteiligt waren an dem Verbrechen Georg Philipp Lang genannt „Hölzerlips“, Philipp Friedrich Schütz, Spitzname „Mannefriedrich“, Andreas Frank alias „Langer Andres“, Andreas Petry, Sohn des „Schinderhannes“-Komplizen Johann Peter Petri und bekannt als „Köhler Andres“, Veit Krämer sowie Sebastian Lutz aus Neckargerach.
Die Räuber hatten im Straßengraben auf die herannahende Kutsche gewartet; der Postillon wurde mit Stockschlägen vom Bock geholt, mit weiteren Prügelschlägen auf die Kutsche weckte man die darin schlafenden Kaufleute Rieter und Hanhart. Erschrocken sprangen sie ins Freie und erhielten sofort mehrere kräftige Hiebe auf den Kopf. Hanhart sank bewusstlos zusammen, Rieter kam trotz der Prügel gleich wieder zu sich und erhielt daraufhin vom „Langen Andres“ heftige Schläge mit einem Buchenknüppel. Obwohl Rieter im Namen seiner sechs Kinder um Mitleid flehte, ließ der Lange Andres nicht von ihm ab. Zuletzt holte er eine Pistole hervor und schlug mit dem Kolben so lange auf die Stirn Rieters ein, bis dieser blutend am Boden liegen blieb. Ein Postreiter aus Weinheim bemerkte den Überfall und alamierte den Schultheissen Wiegand in Hemsbach. Nachdem die drei Überfallenen im Wirtshaus „Zum grünen Baum“ notdürftig versorgt worden waren, übergab man den schwerverletzten Rieter Pfarrer Reichert. Auf eigenen Wunsch hin wurde Rieter allerdings dann zur ärztlichen Behandlung nach Heidelberg gebracht, wo er am Sonntag, 5. Mai 1811 seinen schweren Kopf- bzw. Hirnverletzungen erlag.
Die Beisetzung erfolgte auf dem Friedhof der protestantischen Peterskirche. An der Beerdigung nahmen zahlreiche Studenten aus der Schweiz sowie Handelsleute und Honoratioren der Stadt teil. Bald danach erreichte der Sohn des Verstorbenen Heidelberg; er war angereist, um seinen Vater zu pflegen, traf ihn jedoch nicht mehr lebend an.
Hans Jacob Rieter erhielt einen klassizistischen Grabstein, der bis heute auf dem alten Friedhof bei der Peterskirche steht und auch an die Ermordung erinnert. Er trägt die Inschrift: „Dem ehrbaren Handelsmanne Hans Jacob Rieter von Winterthur in der Schweitz, er starb am 5. Mai 1811 an seinen Wunden von Räuber Hand geschlagen, tief betrauert von allen die ihn kannten.“
Der Grabstein Rieters befindet sich - den Kirchhof von Westen betretend - gleich als erster an der Südwand bei N 49° 24.547 E 008° 42.357 (s. Bild). Wenn man ihn besuchen möchte, was wir ausdrücklich empfehlen, weil sowohl die Peterskirche als auch ihr Hof sehr sehenswert sind (Die Kirche wurde im 12. Jahrhundert errichtet und ist nicht nur die älteste Kirche der Heidelberger Altstadt, sondern auch älter als Heidelberg selbst! Seit 1896 ist sie Universitätskapelle. An den Innen- und Außenwänden der Kirche befinden sich insgesamt rund 150 Epitaphien von Universitätsprofessoren und kurfürstlichen Hofleuten), sollte man zu angemessenen Tageszeiten vorbeischauen. Wer nach Einbruch der Dunkelheit cacht, kann zumindest von der Südseite an der Friedrich-Ebert-Anlage von einem kleinen „Balkon“ aus einen Blick von oben auf den Stein werfen.
Das Final befindet sich nicht am Gedenkstein. Um es zu finden, müssen zwei für die Peterskirche wichtige Jahreszahlen recherchiert werden (www.peterskirche-heidelberg.de).
Heiliggeist wird im Jahr _ _ _ _ (abcd) Filialkirche von St. Peter.
Der erste Universitätsrektor Marsilius von Inghen wird im Jahr _ _ _ _ (efgh) in St. Peter beigesetzt (seit 2011 erinnert eine Gedenkplatte in der Universitätskapelle an ihn).
Das Final findest du im übertragenen Sinne auf Kirchturmhöhe bei:
Nordkoordinate „Grabstein Rieter“ - abc
Ostkoordinate „Grabstein Rieter“ + efg
Achte auf die Bonuszahl!