Und wenn sie nicht gestorben sind, so leben sie noch heute. So enden fast alle Märchen, meins soll so beginnen. Denn schon immer habe ich mich gefragt, was ist aus Dornröschen geworden, als sie nach 100 Jahren Schlafen wieder wach geworden ist? Ja, sie wurde vom Prinzen geküsst und geheiratet (eine 115 jährige Frau), aber konnten sie noch eine Familie gründen?
Natürlich, denn im Märchen ist alles möglich. Und Dornröschen bekam eine Tochter, diese auch und diese auch und sicherlich waren auch einige Söhne dabei. Aber die Rede ist hier von Rosalie, einer Ururururururenkelin von Dornröschen. Ihre Eltern hatten ein wenig aus der Geschichte gelernt und so hatten sie 14 Teller auf den Tisch gestellt, als die Taufe von Rosalie gefeiert werden sollte. Doch leider kam jetzt die 15. weise Frau ins Spiel – und ging leer aus. Auch sie war sauer und zornig, weil sie nicht zur Party eingeladen war, doch sie war nicht ganz so bösartig und so fiel ihr Fluch von vornherein milder aus – Rosalie sollte an ihrem 15. Geburtstag mit dem GPS in der Hand über eine Wurzel stolpern und ab da nur noch DNF’s haben. Zum Glück hatte aber die 14. weise Frau ihren Wunsch noch nicht ausgesprochen. Sie fand diesen Fluch viel zu hart – zurücknehmen konnte sie ihn nicht, aber abmildern und so sollte Rosalie nur 15 Tage einen DNF nach dem anderen loggen müssen.
Rosalie wuchs heran, sie wurde gewandt (kein T5 war ihr zu anstrengend), sportlich (kein Tauchcache blieb ihr verborgen), klug (unzählige gelöste Mysterys verzierten ihr Geocachingkonto), hübsch (alle jungen Burschen der Umgebung meldeten sich nur ihr zuliebe auf den regelmäßig stattfindenden Events an), ausdauernd (den längsten Multi absolvierte sie mit einem Lächeln), ein Ass in Physik, Informatik und Technik (die ganze ECA muss schließlich beherrscht werden) und würde irgendwann mal Geografie studieren (die Landkarte hatte sie eh schon im Kopf und die manchmal unheimlich ins Detail gehenden Fragen von Earthcaches beantwortete sie ohne mit der Wimper zu zucken).
So nahte dann auch ihr 15. Geburtstag. Rosalie hatte so gar keine Lust auf 15 Tage DNF’s und hatte sich einen Plan gemacht, wie sie dem Fluch entgehen könnte. Schon lange im Voraus besprach sie den Ablauf ihrer „Party“ mit ihren Freunden und Freundinnen.
1. Rosalie plant die Route
2. Whitney, Ururururenkelin von Schneeweißchen, lädt PQ’s herunter
3. Hans, Ururururenkel von Hänsel, besorgt ein großen Auto (VW T15 Campingbus)
4. Holly, Ururururenkelin von Fr. Holle, besorgt Schlafsäcke und sonstige Gebrauchsgegenstände für eine 15tägige Reise
5. Johann, Ururururenkel von Hans im Glück, bucht schon mal die Zeltplätze vor
6. Cindy, Ururururenkelin von Aschenputtel, wartet die gesamte ECA
7. Niklas, Ururururenkel vom Tapferen Schneiderlein, näht Wathosen und sonstige Cacherklamotten mit großen Taschen für alle
8. Peterle, ein Ururururenkel vom Gestiefelten Kater besorgt dichte Gummistiefel für alle
9. Snowie, Ururururenkelin von Schneewittchen, die Freunde und Bekannte im ganzen Land hat, organisiert Events entlang der Strecke
10. Greta, Ururururenkelin von Gretel, löst gemeinsam mit Rosalie sämtliche am Weg liegenden Mysterys
11. Ronny, Ururururenkel von dem, der vor Jahren auszog, das Fürchten zu lernen, kümmert sich um die Nachtcaches
12. Rapper Unzel, Ururururenkel von Rapunzel, beherrscht hervorragend den Stealth Modus und verfeinert ihn noch ein bisschen, da dieser bei Stadtcaches ganz sicher ganz oft benötigt wird („ach wie gut, dass niemand weiß, dass ich gerade die Dose aus dem Versteck rausreiß“
13. Rovena, Ururururururenkelin von Rotkäppchen, kümmert sich um Proviant (Kuchen und Wein)
14. Rosmarie, Ururururenkelin von Rosenrot, schreibt Blogs, damit die Reise finanziert werden kann
15. Bubu – ein gutmütiger Hund, dessen Ururururgroßvater einst nach Bremen auswandern wollte, begleitet die Clique unterwegs
Im Morgengrauen versammelte sich die Geocacherclique rund um Rosalie. Noch 15 Tage blieben bis zum Tag 0, dem Tag, an dem Rosalie kein GPS in die Hand nehmen sollte. Zum Glück war die A15 nicht weit und es konnten erstmal zügig ein paar Kilometer zurückgelegt werden. Für die nächsten Tage wurden hauptsächlich Stadtcaches herausgesucht, da so die Gefahr, über eine Wurzel zu stolpern, wesentlich minimiert wurde.
Erster Tag: Cottbus – viele Caches jeglicher Art
Zweiter Tag: Lübbenau – einige Tradis, ein virtueller Cache. Zur Abwechslung wurde hier mit dem Paddelboot eine Runde durch den Spreewald gedreht. Hier endete die A15 und es ging querfeldein Richtung B15
Dritter Tag: Dresden – das wurde ein langer erfolgreicher Cachertag, Dresden ist so schön und hat einige tolle Geocaches
Vierter Tag: Prag – auch der Goldene Stadt wollte man einen Kurzbesuch abstatten und natürlich einen Länderpunkt einkassieren
Fünfter Tag: Karlovy Vary mit seinen Thermalquellen, wurde zum Erholen genutzt (können sich Geocacher eigentlich erholen, ohne einen einzigen Tradi gefunden zu haben? Nein, deswegen konnte das Team um Rosalie 15 Founds verbuchen)
Sechster Tag: Hof. Endlich in Bayern. Ziel der nächsten Tage: B15 und Umgebung. Auch hier fand man einige Caches und konnte bei einem stattfindenden Event neue Leute kennenlernen.
Siebenter Tag: Selb – auch hier schlief man am Abend mit einem zufriedenen Lächeln ein
Achter Tag: Thiersheim – hier wurde der fahrbare Untersatz mal einen Tag lang gegen Fahrräder getauscht, denn auf dem BRW (Brückenradweg), wurden wenige Wurzeln erwartet. Man konnte einige Caches finden und die Landschaft genießen.
Neunter Tag: Wunsiedel – heute kam man ein wenig ab von der B15, denn es stand ein bisschen Kultur auf dem Programm (Luisenburger Festspiele). Natürlich gab es auch hier den einen oder anderen Cache
Zehnter Tag: Mitterteich – hier gab es ein paar nette Challengecaches
Elfter Tag: Altenstadt an der Waldnaab – die Moorhuhnjagd wäre interessant gewesen, wurde aber abgesagt wegen zu vieler Wurzeln
Zwölfter Tag: Regensburg – noch einmal Städtetour mit Cachen, viele Multis luden dazu ein
Dreizehnter Tag: Neufahrn – eine tolle Tradirunde mitten im Wald, an der Rosalie aus Sicherheitsgründen nicht teilnehmen durfte – sie blieb im Campingbus und loggte die Funde der letzten Tage nach
Vierzehnter Tag: Landshut – so langsam rückt Tag 0 immer näher, Rosalie kann vor lauter Aufregung kaum noch suchen, geschweige denn finden, sollte sich der Fluch der weisen Frau jetzt schon bemerkbar machen?
Fünfzehnter Tag: das Ziel der Reise: Hohentann. Hier, so dachte sich Rosalie, könne sie keine noch so weise Frau der Welt finden. Rosalies Freunde, die so tapfer mit ihr auf Reisen gegangen waren, mieteten sich hier ein Hotelzimmer, duschten mal wieder richtig, aßen und tranken bis in die Nacht. Rosalie aber zog sich zurück, denn sie hatte hier den Cache gefunden, den sie so lange gesucht hatte.
Und wenn ihr ganz genau hinschaut, könnt ihr Rosalie an den angegebenen Koordinaten finden. Stört sie nicht und bringt ihr eventuell was zum Lesen mit, denn:
Und wenn sie nicht gestorben sind, dann lesen sie noch heute!
Rollstuhlfahrer können bis ganz dicht ran an die Dose, zum Bergen brauchen sie allerdings Hilfe.