Die Superfichte
Die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald – Landesverband Brandenburg e.V. und das Landeskompetenzzentrum Forst in Eberswalde haben im Rahmen ihrer 18. Brandenburgischen „Baumriesen-Aktion“ die höchste Fichte des Landes ermittelt. Die Fichte ist 2017 der „Baum des Jahres“. Am 8. November 2017 wurde der Baum offiziell mit Schild und Siegel versehen. Grund genug auch hier eine Dose zu platzieren, denn der Baum ist wirklich sehenswert. Der Baum steht direkt an einem Wanderweg im Naturpark Märkische Schweiz und ist fußläufig gut zu erreichen.
Unter dem Motto „Brandenburg sucht die Superfichte!“ hatte die SDW bereits im Frühjahr aufgerufen, besonders hohe Exemplare der Fichte zu melden. Deutschlandweit dominant ist die Fichte in Brandenburg vergleichsweise selten anzutreffen, dennoch gingen eine ganze Reihe von Meldungen ein. Die aussichtsreichsten Kandidaten wurden schließlich von Experten den Landeskompetenzzentrums Forst in Eberswalde noch einmal ganz genau vermessen. Der Siegerbaum kann eine stattliche Höhe von 41,30 Meter und einen Brusthöhendurchmesser von 3,81 Meter aufweisen und sie ist zwischen 180 - 200 Jahre alt.
Schon 2015 ging der Titel in die Märkische Schweiz, auch der höchste Feldahorn steht im Naturpark.
Die Fichte hat hier einen optimalen Standort, sie steht gut im Grund, hat also immer Feuchtigkeit und ist im Verbund mit den anderen Bäumen sehr lang und schmal geworden. Die Waldbesitzer hätten sich schon vor Jahren dafür entschieden, dass diese Fichte stehen bleibt. Wenn kein Sturm sie umhaut, bleibt sie, und könnte auch ein Highlight für Wanderer in der Gegend werden. 37 Prozent der Landesfläche oder 1,1 Millionen Hektar sind Wald, Damit gehört Brandenburg zu den Top Fünf der waldreichsten deutschen Bundesländer. In Brandenburg machen Fichten und Tannen nur 1,7 Prozent der Waldflächen aus - rund 70 Prozent sind Kiefern.
Steckbrief der Fichte
Familie: Kieferngewächse
Alter: bis 600 Jahre
Höhe: bis 50 m
Durchmesser: bis 150 cm
Verwendung: Bauholz, Möbel, Zellstoff, Papier
Bundesweit nimmt sie einen Anteil von 25 % der Waldflächen ein und ist somit häufigste Baumart in Deutschland. In Brandenburg ist die Fichte mit weniger als 2% Flächenanteil jedoch ein selten gesehener Waldbewohner. Die Fichte gilt generell als bedeutender Holzlieferant und aufgrund der vielseitigen Verwendbarkeit des Holzes (Papier, Bauholz) als Brotbaumart der Forstwirtschaft. Auch kulturgeschichtlich ist sie eng mit uns verbunden. Die einfachsten und gröbsten Gegenstände vom Kochlöffel bis zum Dachstuhl sind aus Fichte, aber auch die wertvollsten wie das Deckenholz der berühmten Stradivari-Geigen (1648-1737), welches aus Fichtenholz mit besonders engen Jahrringen gefertigt ist. Für Cellos und Gitarren wird heute noch Fichte verwendet.
Aber: Über keinen anderen heimischen Baum wird so viel gestritten wie über die Fichte. Geschätzt als wichtigste Einkommensquelle wird die Fichte von Befürwortern der Artenvielfalt geschmäht. Ihre Wahl zum Baum des Jahres 2017 gibt Gelegenheit, mehr Klarheit in die Diskussion und die künftige Entwicklung dieses Baumes zu bringen.
Pflanzen wachsen bekanntlich nach oben. Bei vielen Arten geht der jährliche Zuwachs aber im Herbst verloren, wenn sie absterben. Gehölze wie Bäume und Sträucher jedoch „pfropfen“ ihren körperlichen Zugewinn immer wieder auf den des Vorjahres auf. Das Ergebnis: Obwohl sie pro Jahr auch nicht mehr an Höhenwachstum leisten als die meisten Kräuter oder Gräser, nimmt ihre Länge stetig zu. In den Himmel stürmen können aber auch die Bäume nicht. Art und Standortqualität bestimmen hier die Grenzen der Höhenentwicklung. Mit maximal 15 m gehören Eiben, Ebereschen und Wacholder zu den Zwergen unter den Bäumen. Etwa doppelt so groß können Arten wie Feldulme, Schwarzerle und Rosskastanie werden, während andere wie Bergahorn, Zitterpappel oder Sommerlinde sogar Höhen von 40 m erreichen. Bei Rotbuchen wurden schon 44, bei Gemeinen Kiefern 48 und für Stieleichen sogar 50 m gemessen. Die Riesen unter den heimischen Bäumen jedoch sind Rotfichten und Weißtannen, die es gar auf 60 m bringen sollen. Die Baumgiganten der Erde stehen aber auf anderen Kontinenten: Nordamerikanische Mammutbäume und Eukalyptusbäume in Australien werden über 100 m hoch! Das sind jedoch alles Maximal-Höhen, wie sie nur von wenigen Bäumen in besonders günstiger Lage erreicht werden können vorausgesetzt auch, dass man sie alt genug werden lässt. Diese Bedingungen werden maßgeblich vom Standort geprägt: Ist der Boden beispielsweise gut mit Wasser versorgt und nährstoffreich, kann ein Baum bei gleichem Alter wesentlich größer werden als unter schlechteren Voraussetzungen. Der Zusammenhang zwischen der Höhe eines Baumes, seinem Lebensalter und der Qualität seines Standortes ist sehr eng, ja gesetzmäßig. Für die einzelnen Baumarten in Ertragstafeln übersichtlich dargestellt, stellt er eine wichtige Grundlage für die Arbeit der Forstleute dar. Ihr könntet euch beim nächsten Wald- oder Parkspaziergang selbst einmal mit den Baumhöhen beschäftigen, indem ihr ein „Försterdreieck“ bildet! Dazu braucht es eigentlich nichts weiter als einen geraden Ast, Spazierstock oder (langen) Regenschirm, der als „Peilstab“ dient. Diesen Stock hält man mit waagerecht ausgestrecktem Arm senkrecht nach oben so vor sich hin, dass die Faust in Augenhöhe liegt und die Stablänge genau der Entfernung Auge - Faust entspricht. Dann wird durch Vor- oder Zurückschreiten die Entfernung zum Baum so lange verändert, bis der angepeilte Baumwipfel in einer Linie mit der Stockspitze gesehen wird. In diesem Moment entspricht die nun einfach auszuschreitende Entfernung zum Baum auch dessen Höhe. Will man ganz genau sein, muss freilich noch die eigene Körpergröße hinzugezählt werden. Für den Umfang ist es noch ein bisschen leichter. Steckt in Vorbereitung auf die nächste Runde einfach ein beliebiges Maßband in eure Jackentasche. Habt ihr einen besonders dicken Baum des Jahres gefunden, dann messt zunächst 130 cm vom Stammfuß nach oben. Auf dieser Höhe messt ihr anschließend den Umfang des Stammes.
Seit langem und das nicht nur im Guinness Buch der Rekorde interessieren sich die Menschen für die Rekordhalter unter den Baumriesen. Mit einer 2007 festgestellten Höhe von 115,55 m ist gegenwärtig „Hyperion“, ein Küstenmammutbaum im Redwood - Nationalpark in Kalifornien, „amtierender Weltrekordler“. Der größte je exakt gemessene Baum war jedoch ein australischer Eukalyptus (wahrscheinlich Eukalyptus regnans), bei dem 1872 eine Höhe von 132,58 m festgestellt wurde. Höchster Baum Deutschlands (und wahrscheinlich ganz Europas) ist eine im August 2008 unter großer öffentlicher Anteilnahme mit 63,33 m vermessene Douglasie im Stadtwald von Freiburg (Baden-Württemberg).