Ein kleiner Spaziergang durch Vaihingen.
Stage 1 (listing-Koordinaten) ist am Schillerplatz, dem Start des Spaziergangs. Hier steht der Schillergedenkstein, der von Vaihinger Bildhauer Prof. Adolf Fremd gestaltet wurde und dort am 9. Mai 1906 aufgestellt wurde. Von diesem Gedenkstein erhielt der Platz seinen Namen. Der Stein sollte ursprünglich vor dem Rathaus aufgestellt werden. Anfang des 20. Jahrhunderts markierte der Schillerplatz das Bebauungsende Richtung Möhringen und Stuttgart. Hier treffen und trafen sich jeher die für Vaihingen wichtigen Verbindungen aus Stuttgart und von den Fildern. Entlang der Möhringer Landstraße verliefen früher die Schienen der Filderbahn von Möhringen nach Vaihingen. 1904 wurden die Gleise bis zur heutigen Schwabengalerie verlängert. Kaum zu glauben auch, dass an Stelle des Betonbaus auf Stelzen hier früher eines der schönsten Gebäude Vaihingens stand, das Cafe Schillerbau, das im Krieg 1942 jedoch durch einen Volltreffer komplett zerstört wurde.
F: Wieviele Früchte sind am Kranz zu sehen (einzelne Beeren)? A=?
Stage 2: N 48°43.683; E 009°06.661
Wir überqueren die Möhringer Landstraße und folgen der Herrenbergerstraße an den Bahngleisen entlang. Am Ende ist rechterhand der Stadtpark zu sehen und links vorne der Vaihinger Bahnhof. Die Gäubahn sorgte seit 1879 für eine Verbindung mit Stuttgart und hat die industrielle Entwicklung Vaihingens stark beschleunigt, so dass vor allem die Textilindustrie, dann auch die Brauereien in Vaihingen einen beachtlichen Aufschwung genossen. An Stelle des Pullman Hotels stand früher die Textilfabrik Vollmöller, eine der größten Fabriken im Königreich Württemberg.
Wir wenden uns nach rechts in den Stadtpart hinein zu Stage 2.
F: Wieviele gerade, diagonale, "luftige" Linien hat das „Sichtfenster“ der Gedenkplastik zur Städtepartnerschaft? B=?
Stage 3: N 48°43.833; E 009°06.670
Weiter durch den Stadtpark Richtung Zentrum – der Stadtpark wurde 1932 angelegt. Kurz vor Ende des Parks an der Emilienstraße sieht man rechts die Brunnenstatute „Mutter mit Kind“. Die ursprüngliche Metallfigur von 1935 wurde im 2.WK eingeschmolzen und dann 1957 wieder neu geschaffen. Wir folgen der Unterführung unter der Hauptstraße hindurch zum Vaihinger Markt. Die Fußgängerzone, die in einem Bogen hinunter zum Rathaus führt hieß früher „Hintere Gasse“, der obere Teil an der Hauptstraße war einst das östliche Ortsende Vaihingens.
Einige Schritte geradeaus sehen wir an Stage 3 das Hopfenbrünnele, das an die Vaihinger Brauereitradition erinnert und an den Hopfenanbau, der Mitte des 19. Jahrhunderts sukzessive den Weinanbau abgelöst hatte.
F: Woher stammt die Bildhauerin, die den Brunnen gestaltet hat? Zahlenwert des Anfangsbuchstabens der Stadt: C=?
Stage 4: N 48°43.881 E 009°06.579
Wir folgen dem Vaihinger Markt, bzw der Hinteren Gasse geradeaus und dann links leicht bergab zum Rathaus. An diesem Weg entlang linkerhand befand sich das historische Zentrum des bäuerlich geprägten Dorfes Vaihingen. Bereits 1938 hatte man um das Rathaus herum altre Häuser abgebrochen, um ein neues Zentrum zu schaffen. Allerdings machte der 2.Wk diesen Plänen einen Strich durch die Rechnung. Nach dem Krieg wurden einige Häusergruppen saniert; man nahm aber erst ab 1968 die konkreten Planungen für eine umfangreiche Ortskernsanierung wieder auf. Innerhalb eines 1,6 Hektar großen Geländes zwischen Rathausplatz und Hauptstraße wurden für die vorgesehene Neubebauung 56 Gebäude abgerissen. 1978 begann die erste Phase der Sanierung, 1980 wurde die Tiefgarage Vaihinger Markt fertiggestellt und nach 8 Jahren Bauzeit konnte 1986 der Vaihinger Markt offiziell eingeweiht werden. Inwieweit das Konzept als gelungen bezeichnet werden kann, nun dies sei jedem beim Durchschlendern selber überlassen zu beurteilen.
Kurz vor dem Rathaus wo links der Treppenaufgang neben der Volksbank ist, stand übrigens früher das 1842 erbaute Vaihinger Gemeindebackhaus, von den 30er Jahren bis in die Nachkriegszeit war hier die Freibank, wo Fleisch aus Notschlachtungen preiswert verkauft werden durfte.
Das Rathaus selber bildete schon früher den Mittelpunkt des Vaihinger Dorfes, so wie es auch heute noch steht im Zentrum der „Vaihinger City“ steht. In der jetzigen Form wurde das Rathaus (nach Abriss des alten im Jahre 1905) 1907 eröffnet, nachdem das alte schlicht zu klein geworden war. Vaihingen hatte zwischen 1880 und 1900 seine Einwohnerzahl Auf 4000 Einwohner verdoppelt, aus dem Bauern- und Steinbrecherdorf wurde eine industrielle Kleinstadt. Schon 1907 waren 70% der Erwerbstätigen in Industrie und Handwerk tätig.
Vor dem Treppenaufgang steht der Brunnen um den im Boden die Wappen von Vaihingen, Büsnau und Rohr eingelassen sind. Man erkennt das zerbrochene Rad der Heiligen Katharina, Schutzpatronin des Esslinger Katharinenspitals, welchem Vaihingen ab 1297 bis zum Reichsdeputationshauptschluss 1803 zugehörig war. Zuvor war Vaihingen im Besitz des Pfalzgrafen von Tübingen, dessen dreilatzige Fahne man noch im Büsnauer Wappen findet, darüber die württembergische Hirschstange.
Das Wappen der altwürttembergischen Gemeinde Rohr zeigt einen ursprünglich goldenen Rohrkolben zwischen 2 Flügeln. Die Gemeinden Rohr und Vaihingen auf den Fildern haben sich 1936 vereinigt. Vaihingen-Rohr hatte zu diesem Zeitpunkt schon 13.000 Einwohner, die Stadterhebung war beantragt. Jedoch hatten die Nationalsozialisten andere Pläne und haben schließlich Vaihingen-Rohr und auch Möhringen 1942 nach Stuttgart zwangseingemeindet.
F: von wem wurde der Brunnen gestiftet? Zahlenwert des ersten Buchstaben des Vornamens: D=?
Stage 5: N 48°43.924 E 009°06.686
Wir gehen um das Rathaus herum. Das Gebäude mit der Speiche wurde 1890 erbaut und beherbergte Gottlieb Schabers Haushaltswarengeschäft. Daneben erblickt man ein stattliches Fachwerkhaus mit 6 Stockwerken, eines der ältesten Gebäude, die in Vaihingen noch erhalten sind. Hinter dem Rathaus befinden sich heute ein Italiener und die Bäckerei Bienzle, früher waren hier Handwerksbetriebe in alten Bauernhäusern angesiedelt. Zwischen Italiener und Metzgerei stand früher das Waschhäusle, wo der unter dem Rathaus kanalisierte Nesenbach wieder ans Tageslicht trat.
Wir gehen jedoch geradeaus in die Ernst-Kachel-Straße, die einst an östliche Ortsende führte. Ernst-Kachel-Straße heißt sie übrigens erst seit 1957 zu Ehren des langjährigen Bürgermeisters von Vaihingen. Ursprünglich nannte man die Straße einfach Gässle, später Schulstraße, weil dort früher die Schule stand, deren Gebäude die Gemeinde 1707 errichten ließ (das große Eckhaus gegenüber der MüZe gleich am Anfang der Straße). Es diente bis 1866 als Schule, danach nur noch als Lehrerwohnung.
Beim Stage 5 im weiteren Verlauf der Ernst-Kachel-Straße sieht man die ältesten noch stehenden Wohnhäuser Vaihingens. Hier endete übrigens früher das Gässle und rechts neben dem Fachwerkhaus mit der Holzstütze stand quer auf der heutigen Straße das letzte Haus Vaihingens. An diesem vorbei führte noch ein Fußweg zum Dorfzaun mit dem Fleckentörle (etwa auf Höhe des Fußgängerüberwegs). Nachdem man 1910 die Straße zuerst in einem Engpass rechts um dieses Haus herumgeführt hatte, musste es letztendlich doch dem Straßenbau weichen.
F: Wann wurde laut Inschrift im Giebel das Haus erbaut? Quersumme E=?
Stage 6: N 48°43.956 E 009°06.849
An der Ernst-Kachel-Straße weiter in Richtung Fauststraße befanden sich etwas oberhalb der ehemaligen Tankstelle an der Einmündung Fauststraße außerhalb des alten Dorfes einer der vielen Steinbrüche, in denen die Vaihinger Steinbrecher den damals begehrten Lias abbauten, mit dem unter anderem die Straßen gepflastert wurden. Die Gärten hinter den Häusern liegen in einer Senke, was noch heute auf die Vertiefung des ehemaligen Steinbruchs hindeutet. Auf der Gemarkung Vaihingens gab es einst insgesamt 30 Steinbrüche.
In der Fauststraße sehen wir an Stage 6 rechts ein schönes Backsteingebäude mit Ornamentverzierungen aus dem Jahr 1904.
F: Wie viele weiße Steine sind oberhalb des Giebelfensters im Bogen angeordnet? F=?
Stage 7: N 48°43.976 E 009°06.685
Es geht links in die Katzenbachstraße, in der rechterhand die Gaststätte Wilhelmseck (Asia Mai) zu sehen ist. Im Volksmund wurde diese Gaststätte auch „Zum Steinbruch“ genannt, was wiederum auf die Steinbrüche hinweist. Einer der Steinbrühe befand sich gegenüber an der Stelle der jetzigen Turn- und Versammlungshalle der Österfeldschule, die 1902 eröffnet wurde, nachdem die alte Schule in der Pfarrhausstraße zu klein geworden war. Zudem war zwei Jahre vorher der Schulgeldzwang aufgehoben worden, so dass der Andrang auf die nunmehr siebenjährige Volksschule stark zunahm.
F: um was für ein Tier handelt es sich bei der Skulptur an den Koordinaten des S7?
Bär: G=1; Wolf: G=2; Fuchs: G=3
Stage 8: N 48°43.953 E 009°06.619
Vaihinger Stadtkirche: Das älteste Kirchengebäude in Stuttgart-Vaihingen ist die Stadtkirche. Die erste Stadtkirche wurde im 13. Jahrhundert erbaut, einstmals dem Heiligen Blasius geweiht, eine erste urkundliche Erwähnung stammt von 1260. Sakristei und Chor stammen aus dem 15. Jahrhundert. Am Südportal sieht man die Jahreszahl „Anno 1501“ und über dem ehemaligen Nordeingang die Inschrift 1588. Diese Fragmente wurden nach dem Abriss der alten Kirche 1858 wieder verwendet. Die Kirche in ihrem jetzigen Bauumfang wurde 1859 eingeweiht. Der Architekt Christian Friedrich Leins schuf die neue Kirche in gotischem Stil. Mit der Villa Berg, dem Königsbau, der Johanneskirche am Feuersee und auch der Martinskirche in Möhringen (dem Filderdom) reiht sich Vaihingens Kirche damit in eine beachtliche Gebäudereihe ein.
F: An den Koordinaten findet man einen Hinweis auf eine bürgermeisterliche Ruhestätte. Nachname des Mannes, davon Zahlenwert des Anfangsbuchstaben: H=?
Stage 9: N 48°43.918 E 009°06.485
Kelternberg: Wir folgen der Katzenbachstraße weiter bis zur Robert-Leicht-Straße. Unser Weg führt links hinab und gleich wieder rechts auf den Kelternberg hinauf (Man kann auch noch einen Abstecher zur Kreuzung Katzenbachstraße / Seerosenstraße machen und sich versuchen vorzustellen, dass am Nordrand der Katzenbachstraße früher der Dorfzaun verlief und die Seerosenstraße von unten kommend hier an einem kleinen Brunnen endete.)
In einem Bogen führt die Straße „Auf dem Kelternberg“ hinauf zur Kelter und auf der anderen Seite wieder hinunter, wo sie in die Bachstraße mündet. Man sieht noch einige Fachwerkhäuser, die auf den bäuerlichen Charakter des alten Vaihingen hinweisen. Der Name Kelternberg verweist auf die alte Weinbautradition in Vaihingen – erstmals urkundlich erwähnt 1325. Mitte des 19. Jahrhunderts gab es noch 132 Vaihinger Wengerter, aber bereits 1907 musste Vaihingen aus der Liste der weinanbauenden Gemeinden gestrichen werden. Die Reichsstadt Esslingen ließ die alte Kelter in Vaihingen 1510 erbauen. Nachdem sich der Weinanbau nicht mehr lohnte, nutzte die Feuerwehr (1875 wurde die erste freiwillige Feuerwehr in Vaihingen gegründet) die Kelter als Magazin für ihre Gerätschaften. 1913 wurde ein Steigerturm zum Aushängen der Schläuche errichtet. 2005 wurde die Kelter renoviert und dient nun Künstlern als Atelierhaus, Vereinen zu Veranstaltungen und dem Bezirksbeirat zu seinen monatlichen Sitzungen.
F: Wie viele weiß getünchte Flächen sind im EG des Turmes auf den drei freien Seiten insgesamt zu sehen: I=?
Stage 10: N 48°43.885 E 009°06.545
Wir gehen den Kelternberg zur Bachstraße hinab. Nach rechts hin steigt die Bachstraße relativ steil an (für Vaihinger Verhältnisse). Diese Steigung hat ihren Ursprung in der Geologie Vaihingens. Das schwere, wasserundurchlässige Liasgestein endet an dieser Stelle, so dass von dort der Nesenbach seinen freien Lauf nehmen konnte und im Knollenmergel den Stuttgarter Talkessel ausgegraben hat. Der Nesenbach floß früher offen von den Honigwiesen in einer Talsenke (entlang der heutigen Bachstraße) durch den ganzen Ort unter dem Rathaus hindurch nach Kaltental. Außerhalb des Ortes an der heutigen Kreuzung Bachstraße / Seerosenstraße staute man den Nesenbach (an einer Stelle an der sich sowieso nach Starkregen oder der Schneeschmelze ein See bildete) zu einem kleinen Teich als Feuersee an, um im Falle eines Brandes genug Löschwasser zu haben. Heute ist der Nesenbach durch Vaihingen eingedohlt, so dass hier im Ort nichts von ihm zu sehen ist.
An der Ecke gegenüber des Maultaschenlädles stand übrigens früher (bis 2008) der Farrenstall, in dem ehemals der Vaihinger Zuchtbulle untergebracht war.
An Stelle der Tiefgarageneinfahrt führte früher die Schafgasse zur Hauptstraße, wo bis zur Einstellung der Schafzucht in Vaihingen 1838 auch der örtliche Schafstall zu finden war. Hier verlief später auch die Grenze zwischen den konkurrierenden Brauereien Widmaier und Leicht.
Wir wenden uns nach links am Feuerwehrhaus vorbei zum Schwabenplatz und der Skulptur der Steinbrecher (Koordinaten).
F: Zum wievieltesten Geburtstag Otto Scharrs wurde diese Skulptur aufgestellt? J=?
Stage 11: N 48°43.785 E 009°06.484
Wir gehen den Treppenaufgang der Schwabengalerie hinauf. Dort wo heute das Einkaufszentrum steht war früher die Brauerei von Robert Leicht und nebenan die von Adolf Widmaier. In dem ursprünglich dörflichen Areal siedelten sich im 19. Jahrhundert die Brauereien von Robert Leicht sowie die Brauerei Widmaier an (getrennt wie schon geschrieben durch die Schaafgasse). In den 20er Jahren mussten wegen der stark expandierenden Brauerei Schwabenbräu von Robert Leicht ganze Straßenzüge im Bereich der heutigen Schwabengalerie weichen. Nachdem 1925 da Area der Brauerei Widmaier auch an Schwabenbräu ging, wurden nach und nach auch die Häuser der Schaafgasse abgerissen, das letzte fiel den neuen Brauereigebäuden noch 1963 zum Opfer. Nachdem die alteingesessene Brauerei mit Dinkelacker fusionierte, wurde ein großes Areal zur wiederholten Neugestaltung der Ortsmitte frei. Nach dem Abbruch der Brauereigebäude im Jahre 2002 konnte mit dem Bau der Schwabengalerie begonnen werden, die 2004 eröffnet wurde. Die Gaststätte Hot Chilis hieß früher „Neuer Ochsen“ und hatte diesen Namen übrigens von der alten Brauereigaststätte „Ochsen“, die an Stelle des heutigen Haupteingangs der Schwabengalerie an der Hauptstraße stand und die Basis der Brauereigeschichte darstellte. Der Ochsen hatte übrigens schon vorher eine lange Tradition und war schon 1600 als obere Wirtschaft erwähnt worden.
Wir durchqueren am Schwabenplatz die Schwabengalerie und verlassen sie gegenüber wieder in die neu erschaffene Schaafgasse. Stage 11 befindet sich auf der anderen Seite der Hauptstraße.
F: Wie hieß die Brauerei, die von der hier auf dem Schild erwähnten Person 1876 gegründet wurde? Zahlenwert des ersten Buchstabens: K=?
Final:
Das Final befindet sich in der Nähe: Bei Bei N 48° 43.(A+C+I)*(E+G+K)-28; E 009°06.(B+D+H)*F+(G+K+F)*J+B
Achtung: oft sehr vermuggelt, daher Stealth Mode notwendig, oder besondere Tageszeiten.
Übrigens: wer sich für alte Ansichten Vaihingens interessiert, dem sei noch folgendes kleines Büchlein empfohlen: Vaihingen auf den Fildern - Das verschwundene Dorf im Stuttgarter Süden von Dietmar Speidel. Erschienen im Sutton Verlag - ISBN: 978-3-86680-416-6