Kornhaus – Wittenberg
An der Bundesstraße 187 in Richtung Coswig fällt sofort der riesige Gebäudekomplex der heutigen Wikana Keks und Nahrungsmittel GmbH auf.
Nicht unweit davon entfernt steht noch bis heute das sogenannte „Kornhaus-Wittenberg“
Der 1939/1940 geplante Speicher am Wittenberger Hafen ging als "Kornhaus Wittenberg" und Objekt des Reichsnährstandes des nationalsozialistischen Großdeutschen Reiches im Februar 1942 in Betrieb.
Eine Zeitzeugin erinnerte sich, dass sie als kleines Mädchen ihrem Vater Mittagessen, Vesperbrot und Getränke bringen musste. Sie war immer sehr erfreut, wenn ihr Vater zwei Kriegsgefangenen, ihre Nationalität ist nicht mehr feststellbar, von seinem Pausenbrot ein Stück abgab. Manchmal durfte das auch die Zeitzeugin tun.
Man stelle sich vor, dass diese Tat streng verboten war und mit härtester Strafe – unter Umständen mit Einweisung in ein KZ – geahndet worden wäre.
Hier ergibt sich ein Gedankensprung, der bis in die Gegenwart führt und bis heute zu denken gibt:
Bei der Demontage der technischen Einrichtung für die Getreidebeizung, -trocknung und -lagerung wurden an den Maschinen und Geräten Schilder mit dem Firmenlogo Topf und Söhne, Erfurt festgestellt, jener Firma, die in der Folgezeit spezialisiert war auf den Bau von Vergasungs- und Verbrennungsanlagen für die Nazi-Konzentrationslager, u.a. für das KZ in Buchenwald.
Nun wieder zurück zum historischen: Der Speicher hat also in vollem Maße dem Reichsnährstoffprogramm gedient, bis zum Kriegsende 1945. Wenig bekannt ist über die unmittelbare Zeit nach Kriegsende bis zur Gründung des volkseigenen Erfassungs- und Aufkaufbetriebes (VEAB).
Bis 1992 wurde es als Getreidespeicher genutzt und der Betrieb eingestellt.
Dieser Schriftzug ist bis heute noch am „Kornhaus“ erkennbar. (siehe Bildanhang)
Bis 2007 war es ein notgesicherter Baukörper mit Vandalismusschäden.
Das „Kornhaus“ steht inzwischen unter Denkmalschutz und wird seit 2007/2008 als Ingenieurbüro und von Privatleuten bewohnt und genutzt.