Nun habe ich es endlich geschafft, auch hier einen Cache zu verstecken. Das hatte ich schon lange geplant, aber immer keine richtige Idee. Bis ich auf folgendes gestoßen bin:
„Unweit von Oschatz sind Kreuze in Cavertitz und Treptitz, sowie westlich davon in Ammelshain (Abb. 41) bei Grimma entdeckt worden; namentlich das letztere steht völlig verborgen in dichtestem Laubwald abseits von Weg und Steg in der Nachbarschaft eines großen Steinbruchs. Merkwürdigerweise war es aber den Arbeitern daselbst bekannt und mit einer dunklen Mordsage verknüpft“.
(Kuhfahl, Dr.: Die alten Steinkreuze in Sachsen. Ein Beitrag zur Erforschung des Steinkreuzproblems mit 128 Bildern und 1 Übersichtskarte, Verlag des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz zu Dresden, 1928, S. 57)
Ich möchte ich mit diesem Tradi an ein Steinkreuz, auch Sühnekreuz genannt, erinnern, dass hier bis in die 1940er Jahre gestanden haben soll.
„lfd. Nr. 3
Standtort: Ammelshain bei Grimma: Am Nordrand des Wäldchens, das sich nördlich des im äußersten Osten von Ammelshain gelegenen Teiches, südöstlich des Haselberges, befindet. Das Kreuz steht in dichtem Busch, etwa 1 m vom Waldrand und in der Nähe eines großen Steinbruchs.
Maße in cm: 78: 39: 17
Gesteinsart: Granit“
(Kuhfahl, Dr.: Die alten Steinkreuze in Sachsen. Ein Beitrag zur Erforschung des Steinkreuzproblems mit 128 Bildern und 1 Übersichtskarte, Verlag des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz zu Dresden, 1928, S. 213)
Seit wann es stand und bis wann genau, habe ich leider nicht herausfinden können. Zumindest stand es 1935 noch, als Dr. Kuhpfahl seine Ergänzungen zu seinem Buch von 1928 gemacht hat.
Als jedoch Hr. Quietzsch 1952 vor Ort war, hat er das Steinkreuz nicht mehr gefunden:
„33 Ammelshain, Kr. Grimma
Mbl. 4741 (27), N 2,0/O 2,15 (nach Eintrag im Meßtischblatt – letzte Nachträge 1935).
1. Östlich vom Ort, nordöstlich vom Großen Teich, östlich vom Steinbruch am Haselberg,
unmittelbar nördlich vom Waldrand und dem am Waldrand hinführenden Weg (nach
Eintragung auf dem Meßtischblatt und Stellenbesichtigung). Nahe der Flurgrenze
mit Altenhain
2. 1 Steinkreuz (verschollen).
4. Kreuzstein (…)
5. Arme und Kopf gerade, Schaft zur Kreuzung zu verjüngend; im Verhältnis zu den kurzen Armen hoher Kopf; im Umriß gerundet (nach Kuhfahl 1928, Abb. 41)
6. Wird vermutlich der anstehende Quarzporphyr gewesen sein (Granit, wie bei Kuhfahl 1936, Nr. 5 angegeben, ist wenig wahrscheinlich)
7. Orientierung nicht bekannt.
8. Wohl ohne Einzeichnungen gewesen, da solche nirgends genannt.
9. Höhe: 78 cm, Breite: 39 cm, Stärke: 17 cm (nach Kuhfahl 1928, Nr. 3; Kuhfahl 1936, Nr. 5).
11. War unterhalb der Arme im Schaft schräg weggebrochen und mit sichtbare Klammer geflickt (Kuhfahl 1928, S. 99 u. Abb. 41, Keilitz 1953
14. Sagen: Mit „dunkler Mordsage“ verknüpft (Kuhfahl 1928, S. 58). Postbote von Räubern überfallen und ermordet (1952 von alten Steinbrucharbeitern gehört – Quietzsch 1952, Bl. 13; Steinkreuzsage 1966, S. 493; Steinkreuzsage 1970, S. 71). Reisender von Wege- lagerern überfallen und erschlagen, an der Mordstelle das Steinkreuz aufgestellt (Keilitz 1953). Steuereinnehmer überfallen und getötet (Keilitz 1958, S. 245)
16. Verfasser fand das Kreuz 1952 nicht mehr vor. Da es sich in der Nähe eines Steinbruches befand, bestätigten zwei alte Arbeiter, daß es bei der Ausdehnung des Bruches verschwunden sei; es habe noch bis um 1930 gestanden. ‚Es sollte an gleicher Stelle auf der Halde wieder aufgestellt werden. Aber bei diesem Versprechen ist es leider geblieben.‘ (Keilitz 1953). Wahrscheinlich ist es vom Haldeschutt an Ort und Stelle überschüttet worden. ….“
(Quietzsch, Harald: Steinkreuze und Kreuzsteine in Sachsen, III. Inventar Bezirk Leipzig, Arbeits- und Forschungsberichte zur Sächsischen Bodendenkmalpflege, Beiheft 15, VEB Deutscher Verlag der Wissenschaften, Berlin, 1980, S. 67, 69-70)
Es gibt jedoch ein Foto im Buch von Dr. Kuhfahl, das ich dem Listing beigefügt habe (Kuhfahl, Dr.: Die alten Steinkreuze in Sachsen. 1928, S.72):
Ihr seht es auch unter folgendem Link: http://www.deutschefotothek.de/documents/obj/20450892/df_hauptkatalog_0198205
Da ich den Standort nicht hundertprozentig bestimmen konnte, habe ich den Cache nun hier versteckt, einerseits habe ich mich an den Angaben in den oben genannten Büchern orientiert und andererseits natürlich abhängig von dem Bereich, in dem es aufgrund bereits existierender Caches überhaupt möglich war. Ich hoffe, es ist zumindest in der Nähe.
Wer sich für das Thema interessiert, findet hier sehr ausführliche Informationen zum Thema Steinkreuze / Sühnekreuze:
http://www.suehnekreuz.de/
Weitere Informationen zu Dr. Kuhfahl und anderen Wissenschaftlern, die sich mit diesem Thema beschäftigt haben:
http://www.suehnekreuz.de/forscher/kuhfahl.htm
Eine Übersicht über die Flurgrenzen in Sachsen gibt es unter https://geoportal.sachsen.de/cps/karte.html?showmap=true
Also viel Spaß beim Suchen und Informieren!
ACHTUNG: Vor Ort schwanken die Koordinaten etwas!
Ergänzung: Anscheinend ist das beschriebene Kreuz doch nicht verloren gegangen! Nachdem ich einen Tipp bekommen habe, bin ich doch mal ins Dorf Ammelshain gefahren, wo sich gegenüber der Feuerwehr in der Hauptstraße 31 ein altes Fachwerkhaus befindet. Dort hat der Ammelshainer Schlossclub e.V. seinen Sitz. Und an der Hausseite dieses Hauses, an der Ecke Hauptstraße und Am Mühlbach, steht doch an die Hauswand gelehnt ein Steinkreuz! Leider konnte ich noch nicht klären, ob es wirklich das gesuchte Kreuz ist, das eventuell auch etwas restauriert wurde. Es ist auf alle Fälle keine Schrift lesbar, aber von der Form her könnte es stimmen. Schaut doch einfach mal vorbei!