Die Mordtat am Petersberg
Das 18jährige Mädchen wurde durch 22 Messerstiche getötet. Als Täter wurde der 20-jährige Tagelöhner Christian Künzel überführt. Er verstarb am 3. Dezember 1896 in Verbüßung seiner Haftstrafe in der Strafanstalt Plassenburg.
Auf dem Weg Pilgramsreuth - Martinlamitz, nach Überquerung des Goldbachgrundes, kommen wir zum Anstieg des Petersberges. Zu beiden Seiten des Weges zeigen uns zwei größere Grenzsteine, daß hier der Staatsforst beginnt. In südlicher Richtung führt ein Steig am Waldrand entlang zu einer kleinen Waldschneise und zu dem Gedenkstein. Er ist aus Granit, 1,10 Meter hoch, oben 0,25 Meter breit und 0,15 Meter dick, unten 0,47 Meter breit und 0,25 Meter dick. Inschrift, vordere Seite: "Hier wurde ermordet Jungfrau M. Wolfrum von Hohenhäusern am 14. 9. 1894." Rückseite: "Durch den Mörder Künzel von Schwarzenbach a.d.S." Auf der Vorderseite ist oberhalb der Schrift ein Kreuz und auf der Rückseite ein Messer eingemeißelt. Auf dem Stein ist an einem kurzen Eisenstab eine Blechtafel befestigt. Die ehemals aufgemalte Schrift ist völlig verwittert und unleserlich. Ein in der Nähe arbeitender Bauer konnte uns den nicht mehr lesbaren Spruch vorsagen: "Schauet doch und sehet, ob irgend ein Schmerz sei wie mein Schmerz, der mich getroffen hat." Wie schon die Inschriften auf dem Gedenkstein besagen, wurde hier am 14.September 1894 die 18jährige Häuslerstochter Margareta Wolfrum von den Hohen Häusern während der Beerensuche von dem 17jährigen Künzel aus Schwarzenbach/Saale überfallen und durch 22 Messerstiche tödlich verletzt. Der Mörder konnte einige Zeit geschickt den Verdacht auf einen völlig unschuldigen Jagdpächter lenken, wurde aber dann doch durch einen Briefträger beim Reinigen seines zur Mordtat benützten Messers überrascht und überführt. Wegen seines jugendlichen Alters erhielt er lebenslänglich Zuchthaus. In der Strafanstalt Plassenburg beendete er selbst sein Leben. (Bucka 1969)
Pilgramsreuth - Am Fuße des Kornbergs, im Fichtenwald, zwischen Pilgramsreuth und Martinlamitz sind es etwa 2300 Meter bis zum Ortseingangsschild Pilgramsreuth. Es sind 4,1 Kilometer bis nach Rehau, 4,9 Kilometer bis zum Wegweiser "Zum Kornberg“. Und es sind genau 100 Meter Richtung Mordtat. So steht es auf dem Holzschild am Wegrand. 100 Meter weiter ist es in Granit gemeißelt: "Hier wurde ermordet Jungfrau M. Wolfrum von Hohe Häuser am 14. September 1894“ - und auf der Rückseite: "durch den Mörder Künzel von Schwarzenbach an der Saale“.
22 Stiche mit dem Pilzmesser
Von einem "verlockenden Sonntag“ und einer "Fülle der herrlichsten Preiselbeeren“ ist im "Heimatfreund“ aus dem Jahr 1951 die Rede. Der Artikel widmet sich der "Bluttat vom Petersberg bei den Hohen Häusern“ und dem denkwürdigen Septembertag. Demnach geht die 18-jährige Gütlerstochter Margarete Wolfrum von den "Hohen Häusern“ an diesem Tag "frohgemut und fleißig“ auf Beerensuche. Das Mädchen kommt etwa bis zur Nordspitze des Petersbergs, als ein "Unhold“ über sie herfällt. Margarete setzt sich zur Wehr, wie spätere Gutachten des Gerichts ergeben, doch der Angreifer "zog blindlings sein Pilzmesser und stach auf das Mädchen ein“. 22 Stiche zählt man später, fünf davon tödlich. Tags darauf ist in der Zeitung zu lesen: "Seit gestern wird ein ... Mädchen namens Wolfrum ... vermißt. Dieselbe wurde zwischen Hohehäusern und Martinlamitz todt aufgefunden; ... Es liegt Mord vor.“
Genauere Erkenntnisse gibt es drei Tage später. Am 18. September ist über die gerichtliche Sektion der Leiche zu lesen: "Durch die mit Wucht ausgeführten Stiche ... sind dem unglücklichen Opfer alle edlen Theile wie Lunge, Leber, Herz, Magen durchbohrt.“ Den "Mordbuben“ allerdings hat man auch drei Wochen nach der Tat noch nicht verhaften können.
Briefträger entlarvt den Mörder
Der ist, so steht es im Artikel des Heimatfreunds, sogar beim Leichenbegängnis zugegen, meldet sich als Zeuge vor dem Untersuchungsrichter und lenkt den Verdacht zunächst auf "eine angesehene Persönlichkeit, die seinerzeit die Martinlamitz-Pilgramsreuther Jagd innehatte“ - einen Fabrikanten aus Schwarzenbach.
Durch einen Briefträger wird der wahre Mörder, der 20-jährige Tagelöhner Christian Künzel, schließlich überführt. Er überrascht ihn beim Reinigen "des zur Untat benutzten Messers“, wie aus dem Artikel weiter hervorgeht.
Am 24. Januar 1895 lautet die Meldung in der Tageszeitung daher: "Gestern Abend wurde der Mörder jenes Mädchens ... von der Gendarmerie verhaftet und nach Hof eingeliefert. Der Mörder ist der Sohn einer hiesigen Grünwarenhändlerin, Künzel mit Namen ... Dem hiesigen Postboten ist es gelungen, den Mörder zu entdecken und zur Anzeige zu bringen.“
Die Anklage wegen Totschlags folgt am 11. März vor dem Schwurgericht Bayreuth. Christian Künzel wird zu vierzehn Jahren Zuchthaus, "in der bekannten Strafanstalt Plassenburg“ verurteilt. Dort endet sein Leben, am 3. Dezember 1896 - gemäß Heimatfreund, weil er Mauerteile herauskratzt und sie verschluckt. Andere Quellen berichten von Lungenschwindsucht.
tate
(Frankenpost, Rehauer Tageblatt vom 11.01.2008, S.13)