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Rückblick Traditional Cache

Hidden : 9/23/2018
Difficulty:
1.5 out of 5
Terrain:
1.5 out of 5

Size: Size:   small (small)

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Geocache Description:


 

 

 

 

    Deutsch

 

Station 8

Rückblick

Ein Rebell und sein Erbe

wol vierzec jâr hab ich gesungen oder mê von minnen und als iemen sol. dô was ichs mit den andern geil: nu enwirt mirs niht, ez wirt iu gar. mîn minnesanc der diene iu dar, und iuwer hulde sî mîn teil.

Volle vierzig Jahre oder mehr hab ich von Liebe gesungen und wie man das Leben führen solle. Damals hatte ich mit den andern meine Freude daran. Jetzt dagegen hab ich nichts mehr davon, sondern es kommt euch allein zugute. Darum mögen meine Liebeslieder weiterhin euch dienen, und euer Wohlwollen sei mein Anteil!

Walther von der Vogelweide hat ein literarisches Werk hinterlassen, das sich mit keinem seiner Zeitgenossen auch nur annähernd vergleichen lässt. Weder quantitativ, noch qualitativ.

Rein quantitativ umfasst das Œuvre Walthers 500 Strophen, 90 Lieder, 150 Sangsprüche und einen religiösen Leich – das Ergebnis eines rund 40-jährigen Wirkens als Profi-Minnesänger und Berufspropagandist.

Interessanter als die nackten Zahlen zum Werk Walthers ist die qualitative Auseinandersetzung mit ihm. Denn so harmlos die Illustratoren der Handschriften den König der Minnesänger auch dargestellt haben, so harmlos vielleicht die meisten seiner Verse für uns heute auch wirken: Walther war alles andere als harmlos, alles andere als angepasst – er war ein literarischer Rebell, der Grenzen ausgelotet und überschritten und sich sogar mit dem Papst angelegt hat.

Eine dieser Grenzen ist jene zwischen Minnesang und politischer Dichtung. Vor Walther von der Vogelweide gab es niemanden, der beides gleichermaßen beherrscht hat. Und noch viel schwerwiegender: Walthers Minnesang entfernt sich irgendwann von der hoch ritualisierten Verehrung adeliger Damen, die weniger Ergebnis echter Zuneigung war als bezahlte Dienstleistung. Diese „hohe Minne“ ist zwar Walthers Broterwerb, er ist aber auch der erste, der die Untiefen der „niederen Minne“ nicht scheut. So besingt er einfache Mädchen: nicht, um sie zu verehren, sondern um sie zu erobern.

Ich kam gegangen zuo der ouwe: dô was mîn friedel komen ê. dâ wart ich enpfangen, hêre frouwe, daz ich bin sælic iemer mê. kuster mich? wol tûsentstunt: tandaradei, seht wie rôt mir ist der munt.

Ich kam zu der Aue gegangen, da war mein Liebster schon zuvor gekommen. Dort wurde ich empfangen heilige Jungfrau!, dass ich für immer glücklich bin. Küsste er mich? Gut tausendmal: tandaradei, seht, wie rot mein Mund ist.

Walther hat sich mit diesem für damalige Verhältnisse dreisten Vorstoß nicht nur Freunde gemacht, er hat der Liebeslyrik, wie wir sie heute kennen, aber den Weg geebnet.

So tief die Spuren Walthers von der Vogelweide in der deutschen Literaturgeschichte auch sind, so wenig weiß man über sein Leben – und sein Sterben. Es wird angenommen, dass er zwischen 1227 und 1230 gestorben ist. Aus dem Jahr 1227 stammt der Aufruf zur Teilnahme am Kreuzzug des Stauferkaisers Friedrich II., dessen Ende er wohl nicht mehr erlebt hat, denn in seiner Dichtung findet das Ereignis keinen Niederschlag mehr.

Wie das Sterbejahr, so gibt auch der Sterbeort Rätsel auf. Einiges spricht für Würzburg, Belege dafür gibt es aber nicht, und so weiß man auch nicht, wo Walther sein Grab gefunden hat. Unstrittig ist nur sein literarisches Erbe. Zumindest das …

Owê war sint verswunden alliu mîniu jâr! ist mir mîn leben getroumet, oder ist ez wâr? daz ich je wânde ez wære, was daz allez iht? dar nâch hân ich geslâfen und enweiz es niht. nû bin ich erwachet, und ist mir unbekant daz mir hie vor was kündic als mîn ander hant. liut unde lant, dâr inn ich von kinde bin erzogen, die sint mir worden frömde reht als ez sî gelogen

O weh, wohin sind alle meine Jahre entschwunden? Habe ich mein Leben geträumt oder ist es wahr? Das, wovon ich glaubte, es wäre wirklich so gewesen, war das alles überhaupt? So habe ich also doch geschlafen und weiß es nicht. Nun bin ich erwacht, und mir ist all das unbekannt, was mir zuvor vertraut war wie meine andere Hand. Die Menschen und das Land, wo ich von Kind an erzogen wurde, die sind mir fremd geworden, gerade so, als ob alles gar nicht wahr wäre.

 

 

 

 

 

    Italiano

 

Stazione 8

La fine

Un ribelle e il suo lascito

wol vierzec jâr hab ich gesungen oder mê von minnen und als iemen sol. dô was ichs mit den andern geil: nu enwirt mirs niht, ez wirt iu gar. mîn minnesanc der diene iu dar, und iuwer hulde sî mîn teil.

Per ben 40 anni, o forse più, ho cantato l’amore e come bisognerebbe vivere. Allora, ne gioivo con gli altri. Ora non ho più nulla di tutto questo, ma torna utile solo a voi. Che possano le mie canzoni d’amore continuare a esservi utili e che la vostra benevolenza sia la mia ricompensa!

Walther von der Vogelweide ci ha lasciato un’opera letteraria straordinaria, che non ha eguali tra i suoi contemporanei, sia in termini quantitativi che qualitativi.

500 strofe, 90 canzoni, 150 poesie sentenziose e una canzone religiosa: sono queste le cifre che riassumono, in termini puramente quantitativi, la sua quarantennale opera in veste di Minnesängerprofessionista e propagandista di professione.

Ancor più interessante delle cifre nude e crude, è l’analisi qualitativa dell’opera di Walther. Gli illustratori dei manoscritti hanno rappresentato il re dei Minnesänger in modo innocente e forse la maggior parte dei suoi versi, per i lettori odierni, è davvera innocua. Ma Walther era tutt’altro che inoffensivo e omologato, era un ribelle letterario, che ha scandagliato e oltrepassato i limiti, cercando addirittura lo scontro con il Papa.

Uno di questi limiti è quello tra il Minnesang e la lirica politica. Prima di Walther von der Vogelweide non c’è stato nessuno che abbia padroneggiato entrambi alla stessa maniera. E ancor più rimarchevole è il fatto che, a un certo punto, il Minnesang di Walther si allontani dall’adulazione altamente ritualizzata delle nobili dame, che poco aveva a che fare con l’affetto sincero, quanto piuttosto con un servizio pagato.  Questo “alto amor cortese” è il mestiere che dà da vivere a Walther, il primo a non temere però gli abissi del “basso amor cortese”. E così, egli canta di ragazze semplici, non per adularle, ma per conquistarle.

Ich kam gegangen zuo der ouwe: dô was mîn friedel komen ê. dâ wart ich enpfangen, hêre frouwe, daz ich bin sælic iemer mê. kuster mich? wol tûsentstunt: tandaradei, seht wie rôt mir ist der munt.

Sono andata sui prati, il mio amato era giunto lì poco prima. Lì sono stata accolta, Madre di Dio! E per sempre ne sarò lieta. Mi baciò? Migliaia di volte: tandaradei, vedete, come è rossa la mia bocca.

Walther, con questa iniziativa, insolente per l’epoca, non solo si è fatto degli amici, ma ha anche spianato la strada alla lirica amorosa, come oggi la conosciamo.

Quanto profonda è la traccia lasciata da Walther von der Vogelweide nella storia della letteratura germanica, tanto sono scarse le informazioni sulla sua vita e la sua morte, quest’ultima collocabile tra il 1227 e il 1230. Al 1227 risale anche la chiamata alla crociata dell’imperatore Federico II della dinastia degli Staufer, il cui epilogo Walther probabilmente non ha mai vissuto, non essendo citato nella sua opera poetica.

Al pari dell’anno, anche il luogo della morte di Walther resta un mistero. Alcuni indizi suggeriscono Würzburg, ma non ci sono attestazioni certe e non è dato sapere neppure il luogo della sua sepoltura. Indiscusso resta solo il suo lascito letterario. Almeno quello …

Owê war sint verswunden alliu mîniu jâr! ist mir mîn leben getroumet, oder ist ez wâr? daz ich je wânde ez wære, was daz allez iht? dar nâch hân ich geslâfen und enweiz es niht. nû bin ich erwachet, und ist mir unbekant daz mir hie vor was kündic als mîn ander hant. liut unde lant, dâr inn ich von kinde bin erzogen, die sint mir worden frömde reht als ez sî gelogen

Ahimè, dove sono finiti tutti i miei anni? La mia vita l’ho solo sognata o l’ho vissuta davvero? Quello in cui credevo era veramente realtà, è stato proprio così? Allora ho davvero dormito e non lo so. Ma ora mi sono svegliato e mi appare sconosciuto tutto ciò che conoscevo come le mie tasche. Le persone e la terra dove sono cresciuto mi sono diventati così estranei al punto che sembra non siano mai stati veri.

 

 

 

 

    English

 

Station 8

Conclusion

A rebel and his legacy

wol vierzec jâr hab ich gesungen oder mê von minnen und als iemen sol. dô was ichs mit den andern geil: nu enwirt mirs niht, ez wirt iu gar. mîn minnesanc der diene iu dar, und iuwer hulde sî mîn teil.

Full forty years or more I have sung of love and how to lead one’s life. I enjoyed my time with others then. But now I have nothing more of this, save that it should profit you alone. Then may my love songs further serve you, and your goodwill be my due!

Walther von der Vogelweide left behind a literary œuvre that none of his contemporaries comes close to matching, either in terms of quantity or quality.

Walther’s works total some 500 verses, 90 songs, 150 sung poems and a religious lay – the result of some 40 years of work as a career minstrel and professional propagandist.

But more interesting than the mere numbers is an examination of the quality of Walther’s work. No matter how harmless may this king among minnesingers have been presented by the illustrators of manuscripts, or how harmless most of his verses appear to us today: Walther was anything but harmless, anything but accommodating – he was a literary rebel who pushed and indeed exceeded the boundaries, even taking on the Pope.

One of these limits is that between minnesong and political poetry. No one before Walther von der Vogelweide had mastered both equally. Even more seriously, Walther’s minnesong gradually distanced itself from the highly ritualised worship of noble ladies, which was less a genuine affection than a paid service. This “high Minne” is Walther’s daily bread: but he is also the first not to shy away from the shallows of “lesser Minne”. So he sings to simple girls, not to revere them, but to conquer them.

Ich kam gegangen zuo der ouwe: dô was mîn friedel komen ê. dâ wart ich enpfangen, hêre frouwe, daz ich bin sælic iemer mê. kuster mich? wol tûsentstunt: tandaradei, seht wie rôt mir ist der munt.

I came to meet him at the green: There was my true love come before. Such was I greeted, Heaven’s Queen! That I am glad for evermore. Had he kisses? A thousand and some: tandaradei, see how red my mouth’s become.

Walther not only made himself friends with this (for the time) shameless effrontery, he also smoothed the path for the lyrical love poetry that we know today.

Deep as the traces of Walther von der Vogelweide are in the history of German literature, very little is nonetheless known about his life and death. It is assumed that he died between 1227 and 1230. In the year 1227 he called for participation in the crusade led by the Hohenstaufen Emperor Frederick II, but probably did not live to see its end, as the event finds no further mention in his poetry.

Like the year of his death, the place of his death too remains a mystery. Much speaks for Wurzburg, yet there is no evidence for this, and thus we do not know Walther’s last resting place. Only his literary legacy is indisputable. At least that remains …

Owê war sint verswunden alliu mîniu jâr! ist mir mîn leben getroumet, oder ist ez wâr? daz ich je wânde ez wære, was daz allez iht? dar nâch hân ich geslâfen und enweiz es niht. nû bin ich erwachet, und ist mir unbekant daz mir hie vor was kündic als mîn ander hant. liut unde lant, dâr inn ich von kinde bin erzogen, die sint mir worden frömde reht als ez sî gelogen

Oh, where have all my years disappeared to? Did I dream my life, or is it true? Did what I believe really happen, was that everything? So I have slept and I still do not know. Now I am awake and all that I knew like the back of my hand is now unknown. The people and the land where I grew up as a child, have become foreign to me, just as if nothing was true.

 

 

 

 

Additional Hints (Decrypt)

[DEU] Hagre qre Zrgnyycynggsbez. [ITA] Fbggb yn cvnggnsbezn qv zrgnyyb. [ENG] Haqre gur zrgny cyngsbez.

Decryption Key

A|B|C|D|E|F|G|H|I|J|K|L|M
-------------------------
N|O|P|Q|R|S|T|U|V|W|X|Y|Z

(letter above equals below, and vice versa)