Phyllitischer Tonschiefer in Falten am Kreiseberg in Schönbrunn
Die phyllitischen Tonschiefer von Schönbrunn gehören zu den ältesten Gesteinen Thüringens. Sie entstanden vor etwa 570 Millionen Jahren als Tonsteine im Urozean.

Aufschluss vor Ort (eigene Aufnahme)
Diese phyllitischen Tonschiefer gehören zu den etwa 570 Millionen Jahre alten Schönbrunn-Schichten der Schnett-Formation innerhalb der Katzhütte-Gruppe und werden jüngsten Proterozoikum (Präkambrium) dem sogenannten Ediacarium zugeordnet. Benannt ist dieser Abschnitt der Erdgeschichte nach der berühmten ersten Meeresfauna von Ediacara (Australien) mit mehr als 100 Arten bodenlebender, noch fremd wirkender wirbelloser Tiere, wie sie bestimmt damals auch hier im Meer gelebt haben.
Geologie des Thüringisch-Fränkisch-Vogtländischen Schiefergebirges

Bedeutung der Zahlen in der Legende: 1-3 = undeformierte post-variszische Überdeckung, 4-10 = Variszisch deformierte Gesteine, 11 = magmatische Intrusivgesteine, 12-14 = strukturgeologische Elemente. 1 = Trias, 2 = Oberperm (Zechstein), 3 = oberstes Karbon und Unterperm (Rotliegend), 4 = Unterkarbon, 5 = devonische Sedimentgesteine, 6 = devonische Diabase und Spilite, 7 = Silur, 8 = Ordovizium, 9 = Kambrium, 10 = Präkambrium, 11 = variszische granitoide Gesteinskörper, 12 = Hauptstörungen, 13 = Rand der Münchberger Gneismasse (wahrscheinlich Teil einer Überschiebungsdecke), 14 = Grenze der "Bayerischen Fazies" der paläozoischen Abfolge (möglicherweise Teil einer Überschiebungsdecke). Abkürzungen: BG = Bergener Granit, SH = Schleuse-Horst, VK = Vesser Komplex. Nach Henningsen & Katzung (2006), Linnemann (2003) und verschiedenen GÜK 200.
Die Schönbrunn-Schichten befinden sich im sogenannten „Schleuse-Horst“ und gehören mit zum ältesten Teil des Schwarzburger Sattels im Thüringischen Schiefergebirge.
Man nimmt an, dass sich während der Cadomischen Geburgsbildung im Edacarium/Kambrium hier mehrere Schichtenstapel übereinander geschoben haben. Dabei kam es zu einer Schieferung der Tonstein-Schichten, wobei die ursprünglichen Schichtflächen (mit möglichen Fossilien) leider verloren gingen. Anschließend wurden die Tonschiefer durch seitlich wirkenden Druck intensiv gefaltet. Kieselsäure-Lösungen haben sich linsenartig als sogenannte Quarzboudins zwischen die Gesteinspakete gequetscht.
Diese Schichtenstapel waren während der Gebirgsbildungsprozesse in größeren Tiefen auch generell höheren Druck- und Temperatur-Bedingungen ausgesetzt, so dass durch Regionale Metamorphose die Tonschiefer bis hin zum Phyllit umgewandelt worden sind (mit seidigem Glanz durch viele Hellglimmer).

Geologischer Stapelaufbau im Südteil des Schwarzburger Sattels mit den ursprünglichen Schichten (Autochthon A) und den überschobenen Schichtenstapeln C (Schönbrunn) sowie D (Schleusetal), nach P. & E. Bankwitz 1996
Was ist Tonschiefer?
Der Name Schiefer verrät es schon. Unter der Bezeichnung Schiefer werden im Allgemeinen Texturen zusammengefasst, deren Charakter durch viele aufeinanderliegende Platten oder Blättchen artige Strukturen gekennzeichnet ist – vergleichbar mit einem zusammenklebenden Stapel Papier.
Die Farbe von Tonschiefer ist überwiegend grau bis schwarz, bedingt durch Beimengungen von Graphit oder Bitumen. Mitunter können Limonit, Hämatit und Chlorit im Tonschiefer dem Gestein einen Stich ins Bräunliche, Rötliche und Grünliche verleihen. Das Ausgangsmaterial von Tonschiefer sind Tonsteine. Daneben können Tonschiefer Quarz, Magnetit, Pyrit und Glimmer, insbesondere Muskovit enthalten.
Entstehung und Verbreitung
Tonschiefer entsteht durch die Umwandlung und Verfestigung von Tonsteinen im Niedrigdruck- und Temperaturbereich, vor allem im Zuge der Regionalmetamorphose. Bedeutende Vorkommen von Tonschiefer befinden ich im Fichtelgebirge, Eifel, Thüringer Schiefergebirge, Taunus, Hunsrück, Oberlausitz, Vogtland.

Tonschiefer oder Schieferton - wie vermeidet der Geologe eine Verwechslung?
Um Verwechslungen mit dem Sedimentgestein Schieferton auszuschließen, wird sich auf das Verhalten beider Gesteine in Wasser bezogen. Während Schieferton im Wasser aufquillt, reagiert Tonschiefer nicht auf Wasser.
Phyllitisch – was bedeuetet denn das?
Der Begriff stammt aus dem Altgriechischen und bedeutet „blättrig“.
Boudin – noch nie gehört?
Der Begriff stammt aus dem Französichen und bedeutet schlicht „Blutwurst“. In der Geologie bezeichnet Boudin eine bestimmte Art von Gesteinsgefüge. Dieses Gefüge entsteht durch die Zerrung von gebankten Gesteinen, wobei Bänke in getrennte einzelne Gefügeeinheiten (sogenannte Boudins) zerfallen, für die eine kantengerundete, ellipsoide Form typisch ist, und die schließlich vollständig vom vorher anliegenden Gestein umgeben sind.
Z u r B e a c h t u n g:
Dieser Earth Cache zeigt eine erdgeschichtliche Sehenswürdigkeit der unbelebten Natur, die Erkenntnisse über die Entwicklung der Erde und der Entstehung des Lebens vermitteln. Sie dienen aber auch als Lebensraum von Tier- und Pflanzenarten.
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Die geologische Formation ist frei zugänglich, doch Vorsicht! Bitte seid auch auf eure eigene Sicherheit bedacht und verhaltet euch entsprechend.
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Kommen wir nun zum Aufschluss des phyllitischen Tonschiefers zurück. Der Betrachter erkennt die Strukturen vor Ort mit bloßem Auge. Dort tritt die Gesteinsformation bis auf wenige Zentimeter an die öffentlichen Verkehrswege heran.
Um diesen Earthcache zu loggen beantwortet bitte folgende Aufgaben:
Aufgabe 1:
Begebt euch zu der Formation und betrachtet den Aufschluss genauer..
a) Wie stellt sich die Gesteinsoberfläche dar (Farbe, Haptik, äußere Erscheinung)?.
b) Sind von Menschenhand vorgenommene Veränderungen erkennbar?.
c) Wenn ja, wie treten diese in Erscheinung?.
Aufgabe 2:.
Beschreibt, wie sich die charakteristische Faltung an diesem Aufschluss darstellt und erklärt, worauf diese zurück zu führen ist?.
Aufgabe 3:.
Verflixt, was waren noch mal Boudins?.
Beschreibe kurz, was die Geologie darunter versteht..
Aufgabe 4:.
Wie unterscheiden sich Tonschiefer und Schieferton in Bezug auf Niederschlagswasser?
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Herbalwitch1965
Quellen: Wikipedia, Mineralienatlas, Infotafel vor Ort, eigene Aufnahmen