Johannstädter Zeitreise
-
Dürerplatz
Mit dieser Dose möchte ich euch mit auf eine kleine Zeitreise nehmen. Ich selbst habe mein Abi hier um die Ecke am Bertolt-Brecht-Gymnasium gemacht und wohne nun quasi auch in Sichtweise der Dose. Als geschichtsbegeisterter Mensch interessiere ich mich natürlich für Vergangenes und frage mich oft auch, wie es in der Vergangenheit wohl an bestimmten Stellen mal ausgesehen hat. Ich kann mich selbst noch an den früheren Sportplatz erinnern, der einfach mal nur aus Dreck und Schlacke bestand und dann durch die modernen Sportanlagen ersetzt wurde, die momentan auch wieder erneuert werden. Davor befand sich auf diesem Areal jedoch bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs der Dürerplatz, den es in seiner damaligen Form nun schon über 70 Jahre nicht mehr gibt.
Ein wenig zur Geschichte der Johannstadt:
Das Gebiet der Johannstadt entspricht zum großen Teil der Flur des 1310 erwähnten Dorfes Ranvoltitz. Ziegelschlag und Rampischer Schlag galten als Übergang zwischen städtischen Territorium und ländlichem Gebiet. Sie existierten bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts.
1858 nahm die Stadt eine Grundstücksparzellierung vor. 1876 wurde die Johannstadt als reiner Wohnbezirk ausgewiesen. Der Bau der Albertbrücke 1875/88 steigerte noch die Bautätigkeit repräsentativer Wohnbauten um den Sachsenplatz, an der Sachsenallee und am Terrassenufer.
Inmitten der Straßenzüge wurden mehrere große Plätze mit hervorgehobenen Eckbauten gestaltet. Es entstanden der Holbeinplatz, der Dürerplatz (beide 1945 zerstört) und der Fürstenplatz (Fetscherplatz) mit dem Artushof. Erhalten blieb der Bönischplatz mit Gründerzeit- und Jugendstilfassaden.
Die Mietshäuser wurden teils von wohlhabenden Schichten, teils von Arbeitern bewohnt. Die Hintergebäude beherbergten vielfach Kleingewerbe. 1894 wurde die Trinitatiskirche (im Stil italienischer Renaissance) neben dem gleichnamigen Friedhof geweiht.
Zum Dürerplatz:
Begrenzt wurde der Dürerplatz von der Reißiger-, der Dürer-, der Schumann- und der Holbeinstraße. Mit fast zwei Hektar war er der größte Platz in der Johannstadt und sogar größer als der Altmarkt. Sein spezifisches Aussehen erhielt der Platz durch sternförmig angelegte Wege, die auf ein Rondell in der Mitte zuliefen. Ein Sandkasten und Ruheplätze, entsprechend gärtnerisch gestaltet, luden zum Verweilen ein. Viele Bäume und Sträucher gaben dem Platz ein parkähnliches Aussehen.
Umrahmt wurde der Platz durch viergeschossige Wohnhäuser in geschlossener Bebauung. Da die Häuser zumeist auch Läden beherbergten, entwickelte sich der Dürerplatz zu einem beliebten Einkaufszentrum in der Johannstadt.
Im Haus Dürerplatz 17 befand sich ab 1928 „Radio Müller“. Dort wurden Radioempfänger verkauft und repariert.
Am Dürerplatz 6 existierte bereits 1906 das “Johannstädter Bad” mit mehreren Wannenbädern. Im Haus Dürerplatz 10 betrieb Karl Emil Oskar Beier die bekannte Kunstglaserei Beier & Walther, wenige Häuser weiter befand sich im Eckhaus zur Dürersstraße (Nr. 13) das Restaurant “Zum Badischen Hof”. Im Haus Nr. 22 gab es bis kurz nach dem Ersten Weltkrieg das kleine “Zentral-Kino“ mit 180 Plätzen.
Neben Spiel- und Ruheplätzen wurde in den Dreißiger Jahren auf dem Dürerplatz sogar eine kleine Freilichtbühne für verschiedene Veranstaltungen angelegt. Eine geplante Umgestaltung des Platzes für nationalsozialistische Großveranstaltungen verhinderte der Zweite Weltkrieg. Lediglich ein Löschwasserbecken entstand im Rahmen der Luftschutzmaßnahmen während des Krieges. Beim Luftangriff am 13./14. Februar 1945 wurden sämtliche Gebäude rund um den Dürerplatz zerstört. Geblieben ist nur ein Trafoblockhaus, das sich heute auf dem Areal des Bertolt-Brecht-Gymnasiums befindet.
In der Nachkriegszeit befand sich hier der Standort einer Trümmerverwertungsanlage zur Aufbereitung von Ziegelsteinen für den Wiederaufbau. Heute findet man an Stelle des einstigen Dürerplatzes die Außenanlagen des Bertolt-Brecht-Gymnasiums. Die Platzbezeichnung selbst wurde mit Beschluss des Stadtrates vom 5. August 1971 aufgehoben.
Schaut euch ein wenig um und vergleicht mal die Bilder im Listing mit dem, was ihr vor Ort vorfindet. Wer schon einmal zum Kastaniensammlerevent war, kennt sich in dem Areal vielleicht schon ein wenig aus. Der Cache ist keine reguläre Dose und bietet keinen Platz für TBs oder Coins.
Viel Spaß beim Suchen.
P.S.: Macht ruhig ein Foto vom Versteck, ihr könntet es eventuell bald brauchen ;-)