Der Gregorianische Choral ist eine altehrwürdige Form des Lobpreises.
Wollt ihr wissen, wie die Marienstatter Mönche singen? Unter dem folgenden Link ist unten links eine Live-Aufnahme abspielbar: Aufnahme aus der Basilika Marienstatt
"Ora et labora" - "Bete und arbeite" ist der Auftrag an uns Mönche in Heiligenkreuz, die wir nach der Regel des hl. Benedikt leben. Darum pflegen wir Zisterzienser besonders das "Ora" in der Liturgie durch das gemeinsame "Chorgebet". In diesem öffentlichen Gebet schöpfen wir die Kraft für die tägliche Arbeit und geben Gott den gebührenden Lobpreis. Unsere feierliche Liturgie in der altehrwürdigen lateinischen Sprache ist in ihrer zisterziensischen Eigenart wesentlich durch den Gregorianischen Choral geprägt.
Diese Gesangsform unterscheidet sich stark von den Kirchenliedern, wie sie im Gemeindegottesdienst üblich sind: Die Melodien werden einstimmig vorgetragen, besitzen freien Rhythmus, also keine Takte, und bewegen sich in 8 sogenannten "Kirchentonarten", also nicht in Dur und Moll. Oft wird auf eine Silbe des Textes eine reiche Folge von Tönen gesungen, um den Sinn des Textes besser zum Ausdruck zu bringen. Den Großteil unseres Chorgebetes nehmen die Psalmen ein, die nach verschiedenen Tönen rezitiert werden. Sie sind eingerahmt von längeren oder kürzeren Antiphonen (Rahmenversen). Eröffnet werden die Gebetszeiten jeweils mit einem Hymnus.
Der Choral entstand bereits im 4. Jahrhundert, als die Kirche nach jahrhundertelanger Verfolgung durch das Römische Imperium endlich die Freiheit erlangte und sie nach Jahren im Untergrund ihre Liturgie öffentlich feiern konnte. Der Name "Gregorianischer Choral" geht auf den heiligen Papst Gregor den Großen († 604) zurück, der die "Schola Cantorum", einen Sängerchor für die musikalische Gestaltung der römischen Liturgie, einrichtete.
Es handelt sich beim Gregorianischen Choral um eine musikalische Form der Bibelmeditation, des Nachsinnens über das Wort Gottes. Der größte Teil der gesungenen Texte ist der Heiligen Schrift entnommen. Der Gregorianische Choral ist eigentlich "gesungene Bibel".
Der Faszination an dieser uralten Gesangsform kann sich kaum jemand entziehen, denn in ihr steckt eine meditative Kraft, die aus der Einstimmigkeit, der archaischen Melodik und der freien Rhythmik entsteht: Die Melodik ist griechischen und jüdischen Ursprungs und entwickelte sich dann im Mittelalter zum System von 8 Kirchentonarten, die jeweils einen spezifischen Stimmungsgehalt ausdrücken. Der Rhythmus entsteht aus dem Wort- und Satzgefüge der lateinischen Sprache, so dass sich eine unmittelbare Beziehung zwischen Wort und Ton ergibt. Der Choral ist einstimmig, sodass die Melodien das biblische Wort Gottes frei von jeder subjektiven Harmonik in nüchterner Klarheit gleichsam musikalisch "nachmalen" und "illustrieren".
Der Gregorianische Choral ist eine "heilige Musik" des gesungenen Gebetes. Diese Musikform birgt eine große emotionale Kraft in sich und spricht so das religiöse Urempfinden jedes Menschen an. Freilich braucht man Zeit, um sich in die Spiritualität dieses gesungenen Gebetes einzuhören. Vor allem ist die Offenheit für die Meditation des biblischen Wortes die Grundlage zum Verständnis dieser Musik. Und nicht zuletzt ist es sinnvoll, Latein zu können, um von dem Reichtum des Chorals profitieren zu können.
Die Zisterzienser haben den Gregorianischen Choral bei der Gründung ihres Ordens im 12. Jahrhundert modifiziert. Seit dieser Zeit wird der "Zisterzienserchoral" gesungen. Gegenüber dem Gregorianischen Repertoire, dessen erste Handschriften aus dem 10. Jahrhundert stammen, wurde der zisterziensische Choral entsprechend dem musikalischen Empfinden der Zeit und den spirituellen Grundlagen unseres Reformordens vereinfacht. Die Vereinfachungen beziehen sich vor allem auf die Tonalität (Tonarten) und den Ambitus (Tonumfang).
Beispiele hiefür sind die in den zisterziensischen Choral aufgenommenen Introiten (Gesänge zum Einzug des Priesters am Beginn der hl. Messe), die Hymnen zur Vesper (Abendgebet) und die marianischen Antiphonen (Rahmenverse), die dem Zyklus des Kirchenjahres entnommen sind. Diese Gesänge gehören in unserem Zisterzienserkloster Heiligenkreuz zum bleibenden Bestand der Liturgie. Sie sind die tatsächliche Form unseres Gebetes und nicht nur musikalische Aufführungsstücke. Die klare und erhabene Schönheit der Melodien, welche die uralten Mauern unserer Abteikirche seit fast 900 Jahren durch den Gesang der Mönche erfüllen, geben Zeugnis von der hohen Berufung, die uns Zisterziensern anvertraut ist: im nie endenden Lobpreis Gott die Ehre zu geben.
Quelle: https://www.kloster-stiepel.org/kloster/klosterleben/spiritualität/
Zum Cache:
Der Cache ist Teil eines Rundwanderwegs entlang der Nister. Die Runde ist in 90 bis 120 Minuten zu laufen. Start- und Zielpunkt ist der Nisterparkplatz. Bitte notiert euch die Bonuszahlen zu A bis F, um den Bonus mitnehmen zu können. Viel Spaß wünschen die Marienstatter Mönche