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Würmzeitlicher Till – Prallhang der Attel EarthCache

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A cache by [DELETED_USER]
Hidden : 1/22/2019
Difficulty:
2 out of 5
Terrain:
2 out of 5

Size: Size:   other (other)

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Geocache Description:


Zusammenfassung: An der Wanderweg-Brücke über die Attel unterhalb von Unterübermoos ist an einem Prallhang ein Till (Geschiebemergel) aufgeschlossen. Es handelt sich um ein typisches Sediment einer – in diesem Fall würmzeitlichen – Grundmoräne. In feiner tonig-mergeliger Matrix liegen Gerölle und Geschiebe. Überlagert wird der Till von Schmelzwasserschottern. Solche Aufschlüsse sind nicht sehr häufig.

Bitte beachte: Der Aufschluss ist unter Geotop-Nummer 187A029 im Geotopkataster Bayerns registriert. Er befindet sich in einem FFH-Gebiet und Landschaftsschutzgebiet. Bitte verlasse niemals die Wege – Du kannst den Aufschluss von der Wanderweg-Brücke aus oder – noch besser – vom gegenüberliegenden Ufer aus (Fußpfad) betrachten und alle Fragen zum EarthCache beantworten, indem Du von diesen Stellen aus Beobachtungen machst. Ein Fernglas kann nützlich sein.

Die eiszeitlich geprägte Landschaft

Die Begriffe Eiszeit und Eiszeitalter beschreiben in erster Linie einen klimatischen Zustand. In unseren Breiten herrschte von vor etwa 2,6 Mio. Jahren bis vor etwa 11.700 Jahren ein überwiegend eiszeitliches Klima. Deshalb wird dieser Zeitraum, das Pleistozän, häufig vereinfacht als die Eiszeit bezeichnet. Allerdings gab es schon viel früher und mehrfach Eiszeiten, besser gesagt: Kaltzeiten.

Keinesfalls war das Pleistozän eine durchgängige Kaltzeit. Wie in jedem Eiszeitalter wechselten sich Kaltzeiten (Glaziale) und Warmzeiten (Interglaziale) ab. Innerhalb der Kaltzeiten gab es wiederum Kaltperioden (Stadiale) und Warmperioden (Interstadiale).

Klimaverlauf der Erde
Abb. 1: Schematische Darstellung der Großklimata der Erde. (Quelle: eigenes Werk)

Die Kaltzeiten, die das Landschaftsbild des Voralpenlandes prägten, ereigneten sich allesamt im Pleistozän. Große Gletscher bedeckten die Alpen und reichten bis ins Alpenvorland. Die Gletscher formten die heutige Landschaft. Aufgrund der Anordnung der Moränenzüge, der Abfolge der Schotterablagerungen und der entstandenen Flussterrassen unterscheidet man die nach Flüssen benannten Kaltzeiten. So gibt es zum Beispiel die Biber-, die Donau-, die Günz-, die Mindel-, die Riß- und die Würm-Kaltzeit.

Die Würm-Kaltzeit war die letzte der großräumigen Vergletscherungen im Alpenraum, die über die Alpen hinausgingen. Die Würm-Kaltzeit begann vor etwa 115.000 Jahren und endete vor spätestens etwa 10.000 Jahren. Damit reichte sie über das Pleistozän hinaus bis ins beginnende Holozän. Das Holozän ist nach dem Pleistozän der zweite, jüngere Zeitabschnitt des Quartärs und zugleich der jüngste Zeitabschnitt der Erdgeschichte, in dem wir heute leben.

Während der Würm-Kaltzeit betrugen die Jahresmittel-Temperaturen im Alpenvorland unter –3°C. Zum Vergleich: Heute liegen sie bei etwa +7°C. Übrigens: Die gleichzeitig mit der Würm-Kaltzeit aktive Vereisung des Ostseeraums und weiter Teile Nordeuropas wird als Weichsel-Kaltzeit bezeichnet.

Alpine Vergletscherung
Abb. 2: Ausmaß der Vergletscherung während der Würm-Kaltzeit (violett) und während der älteren Mindel- und Riß-Kaltzeiten (blau). (Quelle: Wikipedia)

Die Arbeit des Inn-Chiemsee-Gletschers

Die in etwa von den Ortschaften Miesbach, Aying, Oberpframmern, Kirchseeon, Ebersberg, Maithenbeth, Haag i. OB, Gars am Inn, Schnaitsee, Altenmarkt a. d. Alz und Traunstein (im Uhrzeigersinn) eingeschlossene und im Süden von den Alpen begrenzte Landschaft wurde maßgeblich durch die Aktivitäten des Inn- und des Chiemsee-Gletschers während der Würm-Kaltzeit geprägt. Diese beiden Gletscher werden in den meisten wissenschaftlichen Darstellungen als ein großer Gletscher betrachtet: als der Inn-Chiemsee-Gletscher. Der Inn-Chiemsee-Gletscher hatte seinen Ursprung in den Zentralalpen zwischen Brenner und Engadin.

Das Gletschereis drang in einer Mächtigkeit von über 1.000 Metern aus dem Inntal und dem Tiroler Achental ins Alpenvorland vor. Während der Kaltperioden (Stadialen) reichte es weiter nach Norden, während der Warmperioden (Interstadialen) zog sich das Eis südwärts zurück. Durch diese Vor- und Zurück-Bewegungen überformte der Inn-Chiemsee-Gletscher die in vorangegangenen Kaltzeiten glazial gestaltete Landschaft sowie die während der Entstehung der Alpen abgelagerten Gesteinsmassen im Alpenvorland, die so genannte Molasse.

Zugleich brachte der Gletscher Gesteine aus den Zentralalpen mit ins Alpenvorland und lagerte sie an dafür geeigneten Stellen ab. Weil abgelagerte Gesteine wie Granite, Gneise und Serpentine in den nördlichen Kalkalpen nicht vorkommen, konnten Wissenschaftler den Ursprung des Inn-Chiemsee-Gletschers zweifelsfrei den Zentralalpen zuordnen.

Nach den größten Ausdehnungen des Gletschers vor einer Zurück-Bewegung, genannt Eisrandlagen, sowie den dadurch entstandenen Endmoränen-Staffeln unterscheidet man vier verschiedene Stadien des Inn-Chiemsee-Gletschers. Der Wissenschaftler Dr. Carl Troll bezeichnete diese Stadien nach naheliegenden Orten. Die nach ihm benannte Troll-Karte zeigt die vier Stadien, die sich nochmals untergliedern lassen:

  1. Kirchseeoner Stadium (größte Ausdehung des Gletschers, ältestes Stadium)
  2. Ebersberger Stadium
  3. Ölkofener Stadium
  4. Stephanskirchener Stadium (geringste Ausdehung des Gletschers, jüngstes Stadium)

Trollkarte
Abb. 3: Troll-Karte der Stadien des Inn-Chiemsee-Gletschers. (Quelle: Toteiskesselweg Haag, bearb.)

Landschaftsbau nach der Glazialen Serie

Durch jeden Vorstoß und Rückzug eines Gletschers während der pleistozänen Vergletscherungen bildeten sich Landschaftsformen in einer bestimmten Reihenfolge – so auch beim Inn-Chiemsee-Gletscher. Diese Reihenfolge bezeichnet man als Glaziale Serie. Bestandteile einer idealen, vollständigen Glazialen Serie sind:

  • eine Grundmoräne mit typischen Formen wie Zungenbecken (dem Gletscherrand vorgelagerte Seen), Söllen (Toteislöchern), Drumlins, Oser und Kames
  • eine (bogenförmige) Endmoränen-Staffel, die den Eisrand markiert
  • ein Ablagerungsgebiet vor der Endmoränen-Staffel: das Schotterfeld oder der Sander
  • ein Urstromtal, in dem die Schmelzwässer der Gletscher abflossen

Eine ideale, vollständige Glaziale Serie ist selten anzutreffen. Sie kann nur entstehen, wenn der Eisrand des Gletschers über längere Zeit stabil bleibt. Zudem ist sie nur da anzutreffen, wo die Landschaft nicht erneut von einem Gletscher überformt wurde.

Ein Einblick in die Grundmoräne

Der EarthCache verschafft Dir die Möglichkeit, den Bau der Grundmoräne genauer zu studieren. Du siehst den Till, auch Geschiebemergel genannt. Es ist das Sediment (Ablagerungsgestein), das direkt vom Gletscher an seiner Basis abgelagert wird. Er ist in unserer Region selten natürlich oder künstlich aufgeschlossen (sichtbar).

In der Fachliteratur hat sich in den letzten Jahren das aus dem Gälischen kommende Wort Till sowohl für Geschiebemergel als auch für Geschiebelehme jüngeren Alters eingebürgert. Ablagerungen älterer Eiszeitalter, die zu Festgestein verfestigt wurden, bezeichnet man hingegen als Tillite.

Über dem Till haben die Schmelzwässer des Gletschers Schotter abgelagert. Sie setzen sich an einigen Stellen deutlich vom Till ab. Darüber folgt die Boden-/Humusschicht.

Geschiebemergel.JPG
Abb. 4: Typischer massiger Geschiebemergel (Till) von Stolpe, Uckermarck (Quelle: Wikipedia.org, Grabenstedt, CC BY-SA 3.0, Link)

Eigenschaften des Tills

Das Gletschereis als fester Körper sortiert das von ihm bewegte Moränenmaterial weder bei der Aufnahme noch beim Transport. Beim Abschmelzen des Gletschers wird das Material auch unsortiert abgelagert. Till gilt deshalb als Diamiktit und enthält normalerweise alle Korngrößenklassen von Ton über Schluff, Sand, Kies und Steine (Geschiebe) bis hin zu Findlingen.

Als Diamiktit (griechisch δια (dia-): durch und µεικτός (meiktós): gemischt) wird ein wenig oder nicht sortiertes Sedimentgestein bezeichnet, das in einer tonigen oder schluffigen Grundmasse sehr unterschiedliche Gesteinsfragmente enthalten kann. Mindestens 25% der Gesteinsfragmente eines Diamiktits sind größer als 2 mm.

Till wirkt im Aufschluss im Allgemeinen massig, unsortiert und ungeschichtet. Jedoch können als Sonderfall auch geschichtete Geschiebemergel abgesetzt werden.

Der Anteil der einzelnen Korngrößenfraktionen kann stark schwanken, sowohl tonig-schluffige als auch sandige oder steinige Geschiebemergel kommen vor. Ebenso ist es möglich, dass innerhalb der sonst unsortierten Geschiebemergel Linsen oder Einschlüsse mit sortierten Sedimenten auftreten, zum Beispiel durch die Aufnahme aus dem Untergrund. Ebenso variabel ist die Farbe des Geschiebemergels im Aufschluss.

Entstehung von Geschiebelehm und fruchtbaren Böden

Durch mitgeführte Kalkgesteine aus den Nördlichen Kalkalpen kann Till im Voralpenland einen hohen Karbonatgehalt (Kalkanteil) aufweisen. Durch nachträgliche Verwitterung kann das Karbonat aus dem Geschiebemergel ausgewaschen (gelöst) werden. Es entsteht dann kalkfreier Geschiebelehm. Andererseits kann Geschiebelehm primär bei karbonatfreien Herkunftsgebieten der Gletscher entstehen, zum Beispiel bei Herkunft der Gletscher in den Zentralalpen.

Aus Till entstehen in Mitteleuropa meist Braunerden, Lessivés (Parabraunerde, Fahlerde) oder verwandte Böden. Die im Allgemeinen fruchtbaren Böden sind für die Landwirtschaft wertvoll. Deshalb werden die meisten Grundmoränenflächen in Mitteleuropa heute landwirtschaftlich genutzt – Südost-Oberbayern ist ein lebendiges Beispiel.

Der EarthCache: Deine Aufgaben

Bitte sende mir zuerst Deine Antworten über den Nachrichten-Link in meinem Profil – NICHT über das Message Center. Danach kannst Du sofort loggen. Ich melde mich, wenn etwas nicht stimmt.

Hier sind Deine Aufgaben:

  1. Schätze die Höhe und die Breite des Aufschlusses (nicht bewachsener Prallhang), den Du von der Wanderweg-Brücke aus sehen kannst.
  2. Beschreibe das Aussehen des Tills am Aufschluss: Ist er eher fein- oder grobkörnig? Welche Farbe(n) hat er? Kannst Du größere Einschlüsse erkennen?
  3. Welche Unterschiede gibt es zwischen dem unteren Teil (zum Wasser hin) und dem oberen Teil (unter der Humusschicht) des Aufschlusses? Wie erklärst Du Dir die Unterschiede?
  4. In welchem Stadium des Inn-Chiemsse-Gletschers (nach Troll) wurde Deiner Meinung nach der Till abgelagert? Bitte begründe Deine Meinung!
  5. Freiwillig: Mache Fotos, die Deinen Besuch vor Ort zeigen, und stelle sie in Dein Log ein. Achte aber bitte darauf, keine Spoiler einzustellen.

Lösungshilfe
Abb. 5: Lösungshilfe für Aufgabe 3 – Zuordnung unterer und oberer Teil des Aufschlusses. (Quelle: eigenes Werk)

Tipp: Picknick und Findling

Nach dem Besuch des EarthCaches lohnen sich zwei weitere Ziele in unmittelbarer Nähe: Der Picknick-Platz Austadl mit kleiner Naturkunde-Ausstellung (Wegpunkt T1) sowie ein Findling, der sich nicht weit entfernt davon befindet (Wegpunkt T2). Bitte achtet und schont die Natur!

Additional Hints (No hints available.)