Die Villa Vicovaro nahe der Ankerkoordinaten hat eine schillernde Vergangenheit. Einst trafen sich hier Fürsten und Hofdamen zu Dinners «en privé» und zu bengalisch beleuchteten Parkkonzerten. Aber es hat auch gespukt.
Zur Zeit des Publish dieses Caches betreibt die Musikhochschule Luzern in der Villa Vicovaro – im Volksmund «Konsi» genannt – das Institut für Klassik und Kirchenmusik. Das Institut wird im Herbst 2020 in einen Neubau beim Südpol umziehen.
Die Villa Vicovaro mit dem Ökonomiegebäude, dem Pförtnerhaus sowie der Parkanlage gehört zu den bedeutendsten Bauten aus der Wendezeit des 19. und des 20. Jahrhunderts und der Luzerner Stadtrat will, dass der Dreilindenpark ein Ort der Kultur bleibt. Er hat sich dazu entschlossen, die Liegenschaft an eine Kunsthandels-Firma aus Meggen zu vermieten. Wo bisher klassische Musik erklang, soll also künftig bildende Kunst hängen.
Nachzulesen ist die bewegte Geschichte der Dreilindenvilla im 2017 erschienenen 21. Band der Schriftenreihe «Innerschweizer Schatztruhe», herausgegeben vom Luzerner Rechtsanwalt und Kulturmäzen Jost Schumacher. Hier nur ein «kurzer» Abriss davon. Wer sich nicht für die Geschichte dieser Liegenschaft interessiert, kann nun bis ans Ende des Listings scrollen.
Die Villa Vicovaro im Dreilindenpark (Bild: Luzerner Zeitung)
Eleonora Cenci Bolognetti, Principessa di Vicovaro, so hiess die Erbauerin und erste Bewohnerin des Gebäudes. Ihre Biografie liest sich wie ein Hollywood-Filmdrehbuch. Sie wurde 1851 in New York als Eleonora Lorillard Spencer geboren. Ihre Vorfahren waren Mitglieder der Newport Society, einer Dynastie neureicher amerikanischer Industrieller, die ihre Sommer in ihren Luxusresidenzen im traumhaft schönen Küstenort Newport an der amerikanischen Ostküste verbrachten und ihr Geld unter anderem mit Rum-, Zucker- und Tee-Import verdienten.
Grossvater William Ambrose Spencer (1792–1854) war der Bruder von US-Kriegsministers John Canfield Spencer, dessen Sohn Philipp 1842 wegen angeblicher Meuterei auf dem Kriegsschiff USS Somers erhängt wurde. Eine weitere tragische Episode: Eleonoras jüngerer Bruder William Augustus ging 1912 mit der «Titanic» unter. In Schumacher's Buch erfährt man etwa, dass William Augustus für die Überfahrt in einer Erstklass-Kabine auf der «Titanic» 150 englische Pfund zahlte (heute etwa 15 000 englische Pfund). Ebenfalls spannend: Die Verwandtschaft der Spencers reicht über die englischen Earls of Spencer bis hin zu Sir Winston Spencer-Churchill und Lady Diana Spencer, der berühmten Prinzessin Di.
Eleonora Spencer heiratete 1870 in Paris den Conte Virgilio Cenci Bolognetti, Principe di Vicovaro (1840–1909), einen «hochgewachsenen lebensfrohen Italiener», genannt «le beau Cenci». Die Cenci-Bolognetti gehörten zum Adelspatriziat von Rom. Sie besassen mehrere Palazzi am Monte dei Cenci, einem kleinen Hügel, der aus den Ruinen des Balbus-Theaters entstanden sein soll. Ihnen gehörte auch die Gemeinde Vicovaro (Vicus Variae) nahe Rom. Mit der Hochzeit wurde Eleonora Fürstin und königliche Hofdame. Ihr Gatte war seinerseits durch die Heirat nun reich an Geld, was die Rolle der Cenci am italienischen Hof stärkte. Geld heiratet Adel – Win-Win-Situation würde man so etwas heute wohl nennen.
Eleonora Cenci mit Ehemann Virgilio Bolognetti, Principe die Vicovaro, kurz nach 1870 (Bild: Schriftenreihe «Innerschweizer Schatztruhe»)
Die frühere Besitzerin des Landguts Dreilinden (Hitzlisberg und Ruflisberg) war Emilie Pfyffer von Altishofen (1826–1883). Sie war die Tochter des Luzerner Regierungsrats und Stadtpräsidenten Oberst Felix Balthasar. Ihr Gatte, Ludwig Pfyffer von Altishofen, war Bruder von Divisionär Max Alphons, unter anderem Erbauer des Grand Hotel National. Am 9. Mai 1887 verkauften Emilies Erben das Landgut für 74 000 Franken (heutiger Wert: knapp 4 Millionen Franken) an ein Konglomerat mit Namen «Gesellschaft zu drei Linden Luzern». Dieses veräusserte die Liegenschaft 1890 an Eleonora und ihre Mutter – für 305 000 Schweizer Franken (heute gut 15 Millionen Franken).
Eleonora Cenci liess auf Dreilinden durch den in Cannes lebenden Edward Hewetson, dem grossen englischen Architekten der späten Neugotik, die Villa Vicovaro erstellen, umgeben von einem ausgedehnten, mit exotischen Baumgruppen bestückten und mit Rosenfeldern, Wasserspielen und geschweiften Rundwegen versehenen Landschaftsgarten. Als Vorbild diente der Vinland Estate (später McAuley Hall) in Newport, der Eleonoras Cousine Catherine Lorillard Wolfe gehörte, eines der während der «Gilded Era» zwischen 1870 und 1910 erbauten amerikanischen Landhäuser. Sie waren dem englischen «Cottage Style» verpflichtet und hatten interessanterweise auch Ähnlichkeit mit dem Cenci-Stammschloss in Vicovaro.
Die Dreilindenvilla widerspiegelt die Lebensart der damaligen englischen Upperclass: strenge Unterteilung in Bereiche der Herrschaft und des Personals. Selbst die Türriegel sind unterschiedlich markiert. «Die verspielte Eleganz italienischer Leichtigkeit findet sich nur an wenigen Stellen», schreibt Schumacher, «florales Dekor, zarte Rocailles, goldene Krönchen in Privaträumen der ersten Etage.» Sonst sei der «goût americain» der Spencers vorherrschend. Viel davon ist heute allerdings nicht mehr sichtbar; das Aussehen der Villa habe unter der späteren Nutzung als Konservatorium «sehr gelitten», schreibt Schumacher.
Tochter Fiorenza Cenci um 1880 mit Onkel William Augustus Spencer, der 1912 mit der «Titanic» unterging. (Bild: Schriftenreihe «Innerschweizer Schatztruhe»)
1893 war die Villa bezugsbereit, im selben Jahr, als der deutsche Kaiser Wilhelm II. Luzern besuchte. Danach begann ihre Blütezeit. Es gab Afternoon-Teas und Dinners «en privé» in edlem Dekor. An lauen Sommerabenden fanden im südlichen Teil der Dreilindenanlage bengalisch beleuchtete Freiluftkonzerte statt. «Pferdedroschken oder gar schon Automobile fuhren vor und luden elegante Gäste ab», schreibt der Buchautor. Eine häufige Besucherin war die amerikanische Primadonna «Minnie» Hauk; sie wohnte mit dem Schriftsteller Ernst von Hesse im Richard-Wagner-Haus und später im Schlösschen Wartegg.
Die Cencis erregten viel Aufsehen, wenn sie vierspännig mit livriertem Personal von Dreilinden herunter den eleganten Schweizerhofquai entlangfuhren – «pour rendre visite» an Luzerns damals prominentester Adresse, dem Kapellplatz («Place de la Chapelle»). Dort residierten viele Patrizier und dem Patriziat nahe stehende Familien. Die Pferdeliebhaberin Principessa di Vicovaro besuchte auch gern die Reitturniere in Luzern, die zu den berühmtesten der Welt gehörten. Viele junge Herren aus bekannten Luzerner Familien machten Eleonoras Tochter Fiorenza den Hof. Sie durften sich glücklich schätzen, «wenn ihnen ein Spaziergang im Dreilindenpark oder ein gemeinsamer Ausritt auf den Dietschiberg gewährt wurde», so der Buchautor. Manchmal liess sie sich auch als Tischdame zum Dreikönigsball bei der vornehmen Gesellschaft der Herren zu Schützen gewinnen.
1905 starb Eleonoras Mutter Sarah Griswold in Paris, 1909 ihr Mann Fürst Virgilio in Lyon. Als 1915 Eleonora selber in Paris das Zeitliche segnete, erlosch das Leben auf Dreilinden. Aber noch gibt’s eine weitere interessante Story: Kurz bevor William Augustus Spencer mit der «Titanic» unterging, hatte er Eleonora auf Dreilinden besucht. Sein Geist soll später auf Dreilinden gespukt haben. Immer zur Zeit des «Titanic»-Untergangs brannte in einem der nördlichen Dachzimmer, wo er zuletzt genächtigt haben soll, ein Licht, berichteten Zeugen.
Fiorenza erbte von Eleonora neben der Dreilinden-Liegenschaft ein riesiges Vermögen, Grundstückanteile in New York sowie zwei Palazzi in Vicovaro und Rom. Mit dem Geld gründete sie eine Stiftung zu Gunsten der Universität Rom für ein Louis-Pasteur-Institut. Sie blieb bis zu ihrem Tod 1955 in Genf unverheiratet.
1923 kaufte der in Brasilien reich gewordene Basler Industrielle und Philanthrop Charles Kiefer-Hablitzel das Dreilinden-Anwesen. Er und seine Frau Mathilde nahmen bauliche Änderungen in der Villa Vicovaro vor. Unter anderem wurde das "Schweizerhaus", ein im Park integriertes Holzgebäude im Chaletstil, abgerissen.
Mathilde und Charles Kiefer-Hablitzel (Bild: Quartierzeitung QV Wesemlin-Dreilinden)
1937 schenkten die Kiefer-Hablitzels das Anwesen der Stadt Luzern. Dies als Kompensation für eine wegen der Weltwirtschaftskrise nicht erfolgte, millionenschwere Spende an das 1933 erbaute Kunst- und Kongresshaus. Sie erwirkten sich im Gegenzug von der Stadt ein Wohnrecht auf Lebenszeit. 1946, kurz vor seinem Tod, gründete Kiefer-Hablitzel die noch heute tätige gleichnamige Stiftung zur Förderung junger Musiker und bildender Künstler. Diese richtete 1952, zwei Jahre nach dem Tod seiner Ehefrau Mathilde, auf Dreilinden das Konservatorium ein.
Eröffnung Konservatorium "auf Dreilinden" (Bild: Quartierzeitung QV Wesemlin-Dreilinden)
Von den drei Linden, die der Gegend den Namen gaben, steht heute nur noch eine. Eine fiel dem Zahn der Zeit zum Opfer und die mittlere der drei ging 1947 bei der Sprengung der alten Villa Griswolden, deren Anwesen an den Dreilindenpark grenzt verloren.
Quellen (Text und Bilder): Luzerner Zeitung und Romano Mina
Zum Cache:
Ein einfacher Multi mit fünf Stationen, wo du Angaben für die Berechnung der Finalkoordinaten sammeln musst. Der Park ist bis 22 Uhr geöffnet. Die Aufgaben findest du bei den Wegpunkten. Du musst für die Ermittlung der Zahlen nirgends den Weg verlassen und es führt auch ein Trampelpfad unmittelbar am Final vorbei. Bitte schone die Natur! Viel Spass!