
Der verwirrte Literat
Prolog
Der alte Literat
von Poesie volltrunken
beim Reimen in der Tat
es sprühen ihm die Funken.
Des Alters Zahn, der nagt
an seiner Geistesstärke
doch trägt er gern die Werke
der alten Dichter vor
für jedes off'ne Ohr
das zuzuhören wagt.
Geheftet an die Fersen
der alten deutschen Meister
zitiert er die Balladen
folgt deren Inhaltsfaden
doch tut er das als dreister
in seinen eignen Versen!
I. Akt
Ein Mann am Wege hoch zu Ross
ist unterwegs des Nächtens mit seinem Spross
der Schützling in Wahn und Hitze halluziniert
dass es dem Manne in Eile pressiert
kommt letztlich im heimischen Hause auch an
das Leben des Sprosses er nicht retten kann.
II. Akt
Am Steuer des Schiffes Richtung Strand
hält er das Ruder fest in der Hand
doch plötzlich Feuer und Qualm, welch Schreck
die Passagiere sammeln sich vorne an Deck
erreichen die Küste mit knapper Not
das Schiff zerbrochen, der Rudermann tot.
III. Akt
Ein Jüngling wollte in die Wanne
jedoch ergab sich eine Panne
das Wasser kam durch magische Hand
lief ohne Pause über den Rand
den Wasserträgern immer dreister
gebietet Einhalt erst der Meister.
IV. Akt
Aus den Grüften erheben sich die Toten
ein Stelldichein im Tanzschritt wäre geboten
die Gewänder beim Treiben abgelegt
es einen Schelm zum Diebstahle erregt
und justament eine Stunde nach Mitternacht
waren die Zombies wieder zu Grabe gebracht.
V. Akt
Ein güldener Kelch im Strudel verschlungen
fühlt sich ein Recke vom Ehrgeiz gedrungen
das Gefäß dem Monarchen wiederzubringen
und so seine gewogene Gunst zu erringen.
konnte das Wagnis einmal besteh'n
beim zweiten Versuch ward er nie mehr geseh'n.
VI. Akt
Ein weiterer Kelch, wollt' uns der Dichter zumuten
versank ebenso in wogenden Fluten
in Runde beim gemeinsamen Essen
hat er das Artefakt nicht vergessen
den letzten Schluck daraus genommen
haben die Erben den Kelch nicht bekommen.
VII. Akt
Das Messer versteckt zu morden den König
half unserem Helden die Tarnung wenig
dafür sterben wie Jesus er solle
zuerst noch die Schwester verheiraten er wolle.
So eilte dieser von dannen
zurück blieb sein Freund als Faustpfand mit Bangen
dramatisch romantisch kehrt er zurück
der König und beide sind Freunde – welch Glück!
VIII. Akt
Am Flusse drunt' gelegen
wohnt eine schöne Maid
doch scheint sie wohl kein Segen
für jene Männersleut'.
Da niemand kann sie henken
auch nicht des Gottes Mann,
beschließt sie selbst sich zu ertränken
um zu entgeh'n dem Bann.
IX. Akt
Als die Futtersuche der Vögel begann
lag im Haine ein ermordeter Edelmann,
dessen Vierbeiner und dessen Greifvogel nicht dort,
dessen Freundin mit einem andern längst fort.
So pickten die Vögel Hals, Augen und Locken
die Knochen täten am Waldboden verrotten.
X. Akt
Der Edle bei Nacht an der Küste liegt
schon entsteigen dem Meere sechs Frauen,
halb menschlich, halb Meeresgetier
beginnen sich immer näher zu trauen
und staunen, was haben wir hier?
Den Recken schlafend sie wähnen
sie heimlich nach seiner Liebe sich sehnen
und er in ihren Küssen sich wiegt.
Epilog
So habt Ihr wohl gelesen
in diesen Reimesworten
und könnt Ihr nun verorten
welch Meister hier gewürgt
welch Werk sich hier verbirgt
welch Titel dies gewesen?


MULTICHECKER
Haftungsausschluss
Der Verfasser weist Klagen ob hinkender Reime, mentaler Verwundung des Poetenherzes, Verletzung des Versmaßes oder Missbrauchs des Daktylus a priori zurück und ist im Bedarfsfall gewillt, den kritikübenden Trochäus mit gezücktem Jambus in der Hand bis nach Anapäst zu jagen. Diese Verse wurden in der alten, in der neuen und in der individuellen Rechtschreibung des Owners verfasst. Wer Rechtschreib- oder Zeichenfehler findet, darf diese behalten.