Die Mainzer Heunensäule ⛏
Ein EarthCache über eine SandsteinSäule; ... geht das und wie lässt sich das mit den aktuellen Guidelines vereinbaren? Nun ja, Ziel eines EarthCaches ist es, eine geologische Besonderheit zu zeigen und auch mittels Listing bzw. der vor Ort - Gegebenheiten bei den Cachern einen Lerneffekt zu erzielen. Hierbei wird gefordert, dass der EarthCache einzigartig ist. Damit ist gemeint, dass es im Umkreis des EarthCaches nicht schon einen EarthCache zu genau dem gleichen Phänomen gibt. Das ist hier gegeben und die spannende, teilweise auch geheimnisvolle Geschichte der Heunensäule möchten wir euch gerne vorstellen. Wenn man so will, steht ihr hier an einem "verlagerten Geotop".
Tipp:
Für diesen EarthCache wäre eine ECGA von Vorteil, siehe Hinweis im Listing und auch das Attribut.

Zu diesem EarthCache:
In der Mitte des Marktes hier in Mainz ragt die Heunensäule empor. Die über 1000 Jahre alte Heunensäule wurde 1975 aus Anlass des 1000jährigen Domjubiläums auf dem Markt aufgestellt. Sie wiegt 16 Tonnen, ist 6,40 Meter hoch und hat einen Durchmesser von 1,20 Meter. Der Begriff Heunen wird nicht nur mit den Heunen/Hunen der Thidrekssaga und des Nibelungenliedes verbunden, sondern auch mit einigen römerzeitlichen Resten. So gibt es Hünen- und Hühnerstraßen, welche Römerstraßen waren, auch römische Siedlungen werden in ein paar Fällen mit der Silbe Hün- oder Heun- bezeichnet.

Woher stammt die Säule?
Das Steinmaterial stammt aus den Bullauer Bergen bei Miltenberg am Main. Einige der Heunensäulen liegen heute noch dort in einem Felsenmeer, am Osthang der Berge, in der Schleife eines von Miltenberg nach Mainbullau führenden Weges. 42 dieser Säulen existierten ursprünglich, heute sind jedoch nur noch 8 bekannt. Jeweils eine der Heunensäulen steht als Wahrzeichen in den Stadten Mainz, Miltenberg, Nürnberg und München. Die restlichen monolithischen Heunesäulen aus Buntsandstein liegen im Wald bei Miltenberg (siehe RefPoint) und geben Rätsel auf. Für wen waren sie bestimmt und warum wurden sie nie abgeholt? Die mächtigen Buntsandstein - Kolosse sind 7 Meter lang und haben einen Durchmesser von 1,30 Meter. Sie wurden an Ort und Stelle gebrochen und roh behauen. Monolithische Säulen kannte man in römischer, dann in karolingischer und frühromanischer Zeit. Damit lässt sich die Entstehungszeit auf das erste Jahrtausend (bzw. 1000 - 1100) eingrenzen. Man vermutet, dass die Säulen für den Neubau des Mainzer Doms bestimmt waren, der um 1081 bei einem Feuer zerstört wurde. Warum die Säulen jedoch nicht abtransportiert wurden, ist unklar. Wer sie wann und zu welchem Zweck bearbeitet hat – dazu gibt es zwar verschiedene Deutungen. Oder sind die Heunesäulen doch älter? Es ist durchaus denkbar, dass die Heunesäulen noch ein paar Jahrhunderte älter sind. Eine endgültige und eindeutige Antwort wird sich wohl nie finden lassen. Ihr letztes Geheimnis geben sie nicht preis - die Heunesäulen vom Bullauer Berg.

Woraus besteht die Heunensäule?
Der Buntsandstein:
Seine Entstehung geht auf die frühe Triaszeit zurück (Erdmittelalter - vor etwa 245 Millionen Jahren). Zu jener Zeit war der heutige Odenwald Teil eines halbwüstenartigen Einsenkungsbeckens, das sich bis weit ins heutige Norddeutschland erstreckte. Dieses Senkungsgebiet wurde zeitweise von mächtigen Flussläufen durchzogen, die große Mengen an Gesteinsschutt mit sich führten und im heutigen Odenwald sowie weiter nördlich wieder ablagerten. Im Lauf der Jahrmillionen setzten Verfestigungsvorgänge ein. Die bis zu 600 m mächtigen Flussablagerungen versteinerten und bilden heute die mächtigen Abfolgen des Buntsandsteins. Die Heunesäulen wurden direkt vor Ort aus “Kristallsandstein” gehauen, einem mit Kieselsäure gebundenen Abschnitt des Mittleren Buntsandsteins. Von Miltenberg bis Dorfprozelten liegt die Mächtigkeit bei 200 Metern. Der Miltenberger Sandstein gehört zum Unteren Buntsandstein in den Grenzbereich von Calvörde- und Bernburg-Formation. In den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts wurde der Rote Sandstein noch in Miltenberg gewonnen. Die Heunesäulen wurden direkt vor Ort aus dem “Kristallsandstein” gehauen, einem mit Kieselsäure gebundenen Abschnitt des Mittleren Buntsandsteins.
Sandstein - Zusammensetzung:
Sandstein gehört zu den Ablagerungsgesteinen (Sedimentgesteine) und besteht aus Quarzkörnern mit unterschiedlichen Beimengungen von Feldspat, Gesteinsbruchstücken und Schwermineralen. Die Bindung der Sandkörner kann durch Quarz, Ton oder Karbonate erfolgen. Von der Art der Zementation hängt die Widerstandsfähigkeit des Sandsteins gegenüber Verwitterung ab. Es handelt sich hier um einen quarzgebundenen Sandstein mit unterschiedlich gefärbten Lagen, die weiß-rot-gestreift oder gleichmäßig rot eingefärbt sein können. In ihm kommen sowohl grobe als auch feine Quarzkörner vor. Die Druckfestigkeit liegt zwischen 700 und 1000 kg/cm². Das Gestein ist ein plattiger bis dickbankiger Sandstein, fein- bis mittelkörnig, braunrot bis blaßrot, hellgrau gestreift. Schräg- und Kreuzschichtung. Eingeschaltet sind rotbraune, bis 0,60 Meter mächtige Tonsteinlagen. Braunrote Tongallen und Lockersandnester.

Sandstein als Naturwerkstein:
Sandstein war und ist seit Menschengedenken ein wichtiges und begehrtes Baumaterial. Er prägt nicht nur als Untergrund die Bodengüte und den Pflanzenbewuchs, sondern als Naturwerkstein auch ganz entscheidend das Erscheinungsbild unserer Dörfer und Städte im BuntsandsteinOdenwald sowie dem Main- und dem Neckartal. Auch die Heunesäulen sollten als ornamentaler Naturwerkstein Verwendung finden. Möglicherweise war die ausgeprägte Kreuzschichtung des Sandsteins jedoch ein Faktor, der die Belastbarkeit einschränkte und Ursache dafür, dass die Säulen letztlich nicht verbaut wurden. Kreuzschichtung ist typisch für die Rinnen- und Sandbankablagerungen der versteinerten Flüsse im Buntsandstein. Der Rote Mainsandstein ist für eine Reihe von historischen Bauten verwendet worden. Heute findet er deshalb sowohl für Restaurierungsarbeiten vielfach Anwendung wie auch als Mauerstein, bei Fassadenplatten, Fußboden- und Treppenbelägen. Diese Sandsteine sind frostfest. Die feinkörnigen Lagen des Mainsandsteins um Miltenberg, die sogenannten Miltenberger Sandsteine, werden vor allem von Steinbildhauern für Skulpturen, Wappen und ornamentierte Werksteine verwendet. Der Felssandstein ist rötlich und mittelkörnig und enthält wenig Ton. Der Plattensandstein führt Glimmerlagen, ist feinkörnig und wird vor allem aufgrund seiner Verschleißhärte für Bodenbeläge und Fassadenplatten verwendet.

Um diesen EarthCache zu loggen,
gehe zur Heunensäule und befasse dich dann mit den nachstehenden 5 Aufgaben (davon eine freiwillig), deren Antworten du teilweise auch nur vor Ort finden wirst. Du benötigt hierzu lediglich Auffassungsgabe und Erkenntnisse, die du durch eigene Ermittlungen dort erfahren musst. Wir haben oben im Listing bereits die Thematik zu diesem EarthCache beschrieben und erläutert und nun folgen dazu die entsprechenden Fragen und Aufgaben. Das Studium des Listings ist für die Beantwortung einiger Aufgaben sehr hilfreich. Ziel ist es, die Materie einigermaßen verständlich zu machen und somit einen Lerneffekt zu erzielen.
Aufgaben / Fragen:
1.)
Unsere bisherige Erkenntnis ist, dass die Heunensäule aus der Miltenberg - Formation gehauen wurde, welche mit gut sortierten Mittel- und Feinsand - Anteilen sowie eingeschalteten Schluff- und Tonsteinlagen eine besondere Charakteristik hat. Schlierige hellgraue Bleichungszonen stehen im Kontrast zu den sonst rotbraunen Farben des Buntsandsteins im Allgemeinen.
Prüfe einmal mit der Lupe (falls zur Hand):
a) ob und welche Minerale du erkennen kannst,
b) welches Gefüge dort vorhanden ist,
c) die Farbe der etwas größeren Löcher und wie sie entstanden sein könnten.
d) was könnte in den Korrosionslöchern enthalten sein?
2.)
Prüfe die Säule mit einem Rundumblick und dann wirst du die Frage beantworten können, warum sie offensichtlich nicht mehr ihrer ursprünglich angedachten Bestimmung genügen konnte. Ein Hinweis darauf gibt auch der obere Bereich der Säule, der ungleichmäßig gehauen wurde.
Gebe bitte eine Erläuterung zu deinen Erkenntnissen, oder zumindest deine Vermutung.
3.)
Oben an der Säule findest du zwei dicke Bossen.
Sind diese nachträglich angebracht worden?
Hat man vergessen, diese zu entfernen?
Welchen Zweck sollten die Bossen erfüllen?
4.)
Auf dem Boden rundum der Säule seht ihr 2 unterschiedliche Gesteine gepflastert, die zur Klasse der Ergussgesteine gehören. Diese weisen erhebliche Unterschiede zum Sedimentgestein "Sandstein" der Heunensäule auf.
Versuche einmal, die Gesteine zu bestimmen und beschreibe deine gesichtigten Erkenntnisse in Bezug auf Farbe und Körnung.
5.)
Freiwillige Aufgabe:
Alle spitzfindigen Mathematiker können sich gerne mit dem entsprechenden ECGA an die folgende Aufgabe versuchen:
Angeblich soll die Säule nicht exakt rund sein, sondern ovalbauchig und der größere Ø eines Ovals könnte sogar auf die angegebenen 1,20 m zutreffen.
In welchem Bereich sollte demnach der exakte Ø der Säule liegen?

Eure Antworten
aus den Aufgaben schickt uns bitte per Mail und danach dürft Ihr den EarthCache sofort loggen. In den EarthCache-Guidelines ist bewusst nicht vorgesehen, dass auf eine Logfreigabe seitens des Owners gewartet werden muss. Wir werden die uns zugesandten Antworten und Lösungen auf ihre Richtigkeit prüfen. Sollte es gravierende Abweichungen zu denen geben, die wir erwarten dürfen, werden wir uns melden. Es ist zwar keine Logbedingung, aber wenn Ihr wollt, macht ein Foto von Euch und einer frei wählbaren Position im Bereich dieses EarthCaches.
Anmerkung:
Können die Aufgaben nicht mindestens zu 75% erfüllt werden, ist auch ein Found it gemäß der z.Zt. gültigen Guidelines zu unterlassen. Found it- Logs, die - auch auf Nachfrage hin - ohne Antworten zu den Aufgaben kommen, werden demnach natürlich kommentarlos gelöscht.
Noch was:
Bei diesem EarthCache handelt es sich nicht! um eine von der Stadt Mainz und/oder involvierten Trägern initiierten bzw. angebotenen Dienstleistung und er soll auch nicht den Anschein erwecken. Daher können Stadt und Träger nicht für etwaige durch Nutzer verursachte und davongetragene Schäden oder Fehlverhalten im Rahmen der Nutzung dieses EarthCaches haftbar gemacht werden.
Viel Vergnügen bei diesem EarthCache für die ganze Familie und wir würden uns natürlich über eine Weiterempfehlung an Freunde und Bekannte sehr freuen.
Team N51E06
Quellen:
Stadtportal von Mainz, Wikipedia mit Auszügen, Regionalgeschichte.Net, Geo-Naturpark.Net, eigene Erkundungen vor Ort.
English-Version:
"Unfortunately we needed to refrain from adding an English version as it would have made the listing too long, complex and confusing. In case you do need an English translation kindly do not hesitate to contact us and we will look for a solution. Or you may want to try an online translation service.
Thank you very much for your kind understanding."
Bernd of team n51e06