Fossis bei Oker
Die Klassische Geologische Quadratmeile:
Der Begriff „klassische geologische Quadratmeile“ wird in vielen Veröffentlichungen immer wieder dem Naturforscher Humbolt in den Mund gelegt. Nach GRIEP, H.G (2005), findet man aber eine erste Spur der Entstehung dieses geflügelten Wortes in Schriften zur Harzreise Goethes 1784, bei der er den Harz die „klassische oder goldene Quadratmeile der Geologie“ nannte. Die „Meile“ bezieht sich dabei auf eine preußische Meile, umgerechnet etwa 7,5 km.
Und tatsächlich, in einem relativ engbegrenztem Raum um Goslar herum findet man geologische Aufschlüsse durch eine lange Periode der Erdgeschichte: vom mitteldevonischen Wissenbacher Schiefer am Rammelsberg mit dem bedeutendem Erzlager bis hin zur jüngeren Oberkreide am Sudmerberg.
Von den gefaltete Schichten des Paläozoikums, der Harznordrandstörung, über steilgestellte Schichten des Mesozoikums bis zu den ungefalteten Schichten der Kreide verläuft die Quadratmeile.
Wie kam es dazu?
Die Sedimente des Harzes wurden im Paläozoikum abgelagert (Phytoplankton aus dem Ordovizium konnte nachgewiesen werden sowie erste meeresbewohnende Fossilien aus dem Silur).
Im Unterdevon wurden hauptsächlich Kalksedimente, Tone und Sande der rheinischen Fazies (küstennah) im Bereich des geologischen Oberharzes abgelagert. Im Bereich des heutigen Unter- und Mittelharzes wurden im Devon vor allem die küstenfernen Sedimente abgelagert (herzyne Fazies). Im Mitteldevon wurde das Meer immer tiefer und feinkörnigere Sediment herrschten vor, z.B. der Wissenbacher Schiefer des Rammelsberges. Weitverbreiteter Vulkanismus führte zu Diabasablagerungen (z.B. Langelsheim, Wolfshagen).
Zur Wende Devon Karbon kündigt sich die variskische Gebirgsbildung mit der bretonischen Faltung an. Dabei werden die Schichten zusammengefaltet wie eine Tischdecke, die man mit den Händen zusammenschiebt. Jede laterale Einengung hat aufgrund der Isostasie eine Hebung zur Folge und der Harz hebt sich als Pultscholle (im Norden stärker als im Süden) aus dem Meer heraus.
Nach der Hauptgebirgsbildung drangen im Harz gewaltige Granitmassen auf (z.B. Okerputon und Brockenpluton).
Bald nach der Heraushebung (Oberkarbon) fiel der Harz der Verwitterung anheim.
Im Zechstein drang das Meer erneut vor und legte sich flach auf die verfalteten Schichten des Devons und Karbons. Von da an, bis zur Wende Jura/Kreide war der Harz überflutet und wurde dann wieder im Zuge der Saxonischen Gebirgsbildung aus dem Meer herausgehoben und fällt wieder der Verwitterung anheim. In der Oberkreide gibt es einen erneuten Herbungsruck und die jüngeren Schichten am Nordrand des Harzes werden steilgestellt, z.T. sogar überkippt. Im Santon ist die Hebung abgeschlossen und die Schichten der Oberkreide legen sich flach (Sandsteine des Sudmerberges) auf die steilgestellten Schichten der älteren Sedimente.

Abbildung nach H. Kulke, 1996: Der Harz (Norddeutschland): Geologisch-Lagerstättenkundlicher Überblick, Historische Baumaterialien (Natursteine, Gipsmörtel, Schlackensteine, Blei), verändert
Juraklippe östlich der Absetzteiche
Östlich der Absetzteiche, nahe des Bollrichs bei Oker, ragt eine etwa 30 m lange und ca 8 m mächtige steilgestellt Klippe aus der nördlichen Böschung. Sie ist die westliche Fortsetzung des Steinbruches am Langenberg.

Der Fossilgehalt lässt darauf schließen, dass es sich um Sedimente (Kalke) des Jura handelt.
Zu finden sind Brachiopoden der Gattung Terebratula. Brachiopoden, zu Deutsch Armfüßer, sind meeresbewohnende, sessile Tiere, die ähnlich wie Muscheln aussehen, jedoch eine andere Symmetrie besitzen: Muscheln haben eine Symmetrie der rechten und linken Klappe, bei Armfüßern verläuft die Symmetrieachse senkrecht durch beide Klappen, wobei die Stielklappe meist größer ist als die Armklappe. Brachiopoden siedeln auf dem Meeresgrund und filtrieren das Wasser.
Abbildug aus: https://docplayer.org/38790305-Einfuehrung-in-die-palaeontologie-sommer-brachiopoden-bivalven.html (Download: 08.02.2019)
Das Ergebnis einer kurzen Suche!
Zum Cache:
1. Untersuche die Sedimente des Kalkes:
a) welche Korngröße erkennst du?
b) Suche einen Brachiopoden (im oberen, nördlichen Bereich sind im Schotter sehr viele zu finden) und schaue von vorne auf die Linie zwischen Arm- und Stilklappe! Beschreibe den Verlauf der Linie, z.B. geschwungen, gerade, gekreuzt…
2. Schaue von dieser Klippe nach Osten. Du siehst den Steinbruch am Langenberg mit seinen steilgestellten Schichten. Sie sind nach Norden überkippt.
a) in welche Richtung fallen die Klippen ein, auf denen du gerade stehst?
b) Wie viele Fabrikschornsteine (höher als 20m) kannst du von deinem Standort an der Klippe erkennen?
3. optional! Suche Fossilien und mache ein Foto davon. Lade es mit deinem Logeintrag hoch.
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Literatur:
MOHR, K.: 400 Ma Harzgeschichte, 10. Auflag, 1992
MOHR, K.: Fossilien des Westharzes, Eine Einführung,1986
GRIEP, H.-G.: Goslar, Entwicklung der Stadt und deren Wasserwirtschaft, 2005
KUHLKE,H.: Der Harz (Norddeutschland): Geologisch-Lagerstättenkundlicher Überblick, Historische Baumaterialien (Natursteine, Gipsmörtel, Schlackensteine, Blei), 1992
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