1930 Berlin Detail expressionistischer Mutter-Kind-Brunnen von Arminius Hasemann Muschelkalkstein Rauenthaler Straße 5-7 in 14197 Wilmersdorf
Arminius Hasemann, Sohn eines Berliner Messinstrumentenbauers, wuchs teils in der Gegend um die Berliner Nikolaikirche, teils im ländlichen Zehlendorf und später in einem Internat bei Filehne in Pommern auf. Danach besuchte die Unterrichtsanstalt des Kunstgewerbemuseums Berlin und dann die Großherzoglich Badische Kunstschule in Karlsruhe. Das Studium der Bildhauerei und Graphik begleiteten Aufenthalte bei seinem Onkel, dem Maler Wilhelm Hasemann in Gutach, in Florenz und Carrara.
Die folgenden zwei Jahre verlebte Hasemann auf Reisen. Als Wandermusikant bereiste er mit zwei Violinisten die Schweiz und fuhr über Genua nach Ceuta. Eine Fußwanderung von Gibraltar durch Südspanien endete in Barcelona.[1] Erste künstlerische Erfolge erlaubten weitere Reisen. Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs überraschte Hasemann in Paris. Er kehrte nach Deutschland zurück und nahm am Krieg als Frontsoldat teil. Während des Krieges erschien der Ertrag der Reisen unter dem Titel Himmel und Hölle auf der Landstraße mit 42 Holzschnitten. Das Werk erreichte bis 1922 vier Auflagen und machte Hasemann berühmt.
„Ein eminent ausdrucksvoller mit höchst prägnanten Mitteln arbeitender, echt holzschnittmäßiger Stil einigt sich ... mit quellender Phantasie der Erfindung und der scharfen Beobachtung eines genialen Bohémientums und zu z. T. ganz rein abgeklärten künstlerischen Wirkungen.“
– Thieme-Becker
Eine der 1920 erschienenen Mappen Der Zirkus mit 20 originalen Holzschnitten liegt heute in den Fine Arts Museums of San Francisco. Nach dem Krieg interessierten Hasemann neben der Graphik plastische Arbeiten im öffentlichen Raum. Hasemann entwickelte seinen Stil aus einer Synthese von Expressionismus und Art déco. Beispielhaft sind der Mutter- und Kind-Brunnen in der Künstlerkolonie Berlin und der Bauschmuck für den Busbetriebshof der ABOAG in Berlin-Treptow, seit 1995 Arena Berlin.
Mitte 1932 wurde Hasemann Nationalsozialist. Nach der Machtergreifung Hitlers „organisierte“ er als Kulturwart der NSDAP, angetan mit Dienstmütze- und Waffe, die Zehlendorfer Künstlerschaft. Dennoch konnte Hasemann kaum öffentliche Aufträge verzeichnen. Obwohl er seine expressionistischen Werke bei Bewerbungen verschwieg, gelang es ihm nicht, seinen Stil zu verleugnen und er verarmte. Von seinen wenigen Werken aus der NS-Zeit ist keines erhalten, auch weil die Bronzeplastiken anlässlich der Metallspende des deutschen Volkes ab 1940 eingeschmolzen wurden.
Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs eingezogen, geriet Hasemann bei Berlin in sowjetische Kriegsgefangenschaft. Aus dieser heraus gelangte er in eine führende Stelle im Baustab zur Errichtung des sowjetischen Ehrenmals im Treptower Park. Nach dessen Fertigstellung beschäftigte ihn Richard Paulick ab 1950 beim Wiederaufbau der Deutschen Staatsoper Unter den Linden. Die Statuen auf der Attika des Gebäudes entwarf Hasemann.
In West-Berlin, wo sich nach der Spaltung Berlins Hasemanns Wohn- und Atelierhaus befand, verschwieg er gegenüber öffentlichen Auftraggebern in Lebensläufen die Jahre von 1933 bis 1945 und auch sein Wirken für die Sowjetarmee. Als 1965 die Gewerkschaft ÖTV eine Gedenktafel am Sterbehaus des SPD-Vorsitzenden und Reichspräsidenten Friedrich Ebert in der Joachimsthaler Straße in Berlin wünschte, verschaffte sich Hasemann den Auftrag, den von ihm einstmals so geschmähten Politiker mit einem Spätwerk zu ehren. Die Tafel ziert heute das Archivgebäude der Friedrich-Ebert-Stiftung in Bonn.[3]
Im Alter wurde Hasemann, der von einer DDR-Rente lebte, zum Sonderling. Kurz vor seinem Tod schenkte er 1979 dem Berliner Zoologischen Garten die Sandsteinskulptur Affengruppe, die vor dem Tropenhaus aufgestellt wurde. Hasemanns Haus in der Leuchtenburgstraße 18 verkam in seinen letzten Jahren, wurde später geplündert und schließlich abgerissen. Sein Grab auf dem Friedhof Zehlendorf ist eingeebnet. Werke Hasemanns wurden 2007 zusammen mit Joseph Beuys, Käthe Kollwitz, Andy Warhol u. a. in der Recklinghauser Ausstellung Zum Sterben schön! Der Tod in der Kunst des 20. Jahrhunderts ausgestellt.[4]
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