
#06 - Braunkohletagebau Nachterstedt
DIE HINTERGRUNDGESCHICHTE
Die Geschichte des Braunkohlebergbaus in den früheren „Seeländereien“ nordwestlich von Aschersleben beginnt bereits im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts. Während in den ersten Jahrzehnten die Braunkohle ausschließlich im Tiefbauverfahren gewonnen wurde, begann man ab Mitte des 19. Jahrhunderts damit, den Abbau auf den Tagebaubetrieb umzustellen. Durch Konsolidierung verschiedener kleinerer Gruben entstand im Jahre 1857 der Tagebau Concordia bei Nachterstedt, einer der ersten größeren Tagebaue im Mitteldeutschen Revier.
Während die Kohle in den ersten drei Jahrzehnten im Schurrenbetrieb und mithilfe von Dampfmaschinen auf einer schiefen Ebene aus der Grube befördert wurde, kamen gegen Ende des 19. Jahrhunderts zunehmend Pferde, Kettenbahnen, Eimerkettenbagger und eine Seilbahn zum Einsatz. Der Tagebau rund um Nachterstedt wuchs in der Folge stetig, nicht zuletzt durch Fortschritte in der Abbautechnik, u.a. durch den Einsatz von Großgeräten. Dies führte zwangsläufig dazu, dass sich das Bild der Region komplett veränderte.
Zwischen 1914 und 1916 erfolgte die Verlegung der Eisenbahnlinie Halberstadt-Aschersleben auf ihre heutige Trasse am Südwestrand des Tagebaus Concordia. Noch waren die angrenzenden Orte vom immer größer werdenden Tagebau nur wenig betroffen, da bis 1935 fast ausschließlich Landwirtschaftsflächen durch den Bergbau in Anspruch genommen wurden. Doch dies änderte sich schnell. Der usprüngliche Ort Nachterstedt musste dem fortschreitenden Tagebau Concordia Stück für Stück weichen und wurde in vier Etappen überbaggert – 1925, 1946 - 48, 1949 - 51 und 1987. Bis 1952 entstand am südlichen Rand der Grube das neue heutige Nachterstedt.
1964 war es auch für das benachbarte Königsaue so weit – die Überbaggerung des Ortes begann. Seine Bewohner wurden überwiegend nach Aschersleben in das neu errichtete „Königsauer Viertel“ umgesiedelt. Ein kleinerer Teil erhielt ein neues Heim in Neu-Königsaue, das am Nordrand des Königsauer Tagebaus errichtet wurde. Insgesamt mussten im Raum Nachterstedt/Königsaue über 3.100 Einwohner umgesiedelt werden. Glück hatten hingegen die Bewohner der Ortschaft Frose. Der längst beschlossene Abriss von Frose wurde durch die Wende und das damit einhergehende Ende des Braunkohletagebaus nicht mehr in die Tat umgesetzt.
Mit Fortschreitung der Industrialisierung gewann auch die Veredlung des Rohstoffs Braunkohle zunehmend an Bedeutung. In Ergänzung der Braunkohlenförderung entstand im Raum Nachterstedt ab dieser Zeit die weiterverarbeitende Industrie. So wurde 1884 eine Schwelerei errichtet, 1885 entstand eine Paraffinfabrik und kurze Zeit später im Jahre 1888 die erste Brikettfabrik. 1899 errichtete man die zweite Schwelerei. Weitere Anlagen folgten in den kommenden Jahren und Jahrzehnten.
Ende des 19. Jahrhunderts begann die Elektrifizierung im Tagebau. 1911 war die technologische Entwicklung so weit vorangeschritten, dass das Kraftwerk Concordia ans Netz gehen konnte und zu einem bedeutenden Stromversorger für die Region wurde. Die meisten Anlagen zur Weiterverarbeitung und Verladung der Braunkohle konzentrierten sich im Bereich des Werkpfeilers, was die innerbetrieblichen Transportwege verkürzte. 1939 ging eine dritte Schwelerei in Betrieb, die nach dem Lurgi-Verfahren produzierte.
Die Schwelereien mussten 1969 dem Bau des Leichtmetallwerkes (heute Novelis) weichen. Damit verschwand ein wichtiger Abnehmer für die lokal produzierten Briketts. Die Brikettfabriken I und II mussten schließlich 1971 schließen – nicht zuletzt auch deshalb, weil der Abbau der Kohle des Werkpfeilers anstand. Damit endete die Geschichte der Braunkohlenveredlung bei Nachterstedt.
Die Braunkohleförderung im Tagebau ging allerdings noch einige Jahre weiter. Energie- und Rohstoffprobleme in der DDR zwangen zur Auskohlung noch vorhandener vormals im Abbau unwirtschaftlicher Randfelder. Der Abbau in diesen Zusatzfeldern wurde 1975 begonnen. Zwischen 1975 und 1987 kam es zum Abbau der unter dem Werkpfeiler liegenden 19 Millionen Tonnen hochwertiger Bitumenkohle. Ab 1984 schloss man außerdem das Zusatzfeld Schadeleben auf. Von 1986 bis 1989 gewann man Kohle aus dem direkt an die Ortslage Nachterstedt angrenzenden Sportplatzfeld und bis 1990 aus weiteren Randbereichen der Grube.
Zur Unterstützung wurden 1984 der Schaufelradbagger Vierzehn Zwanzig und der Absetzer Zehn Vierundsiebzig aus dem ausgekohlten Tagebau Harbke quer durch die Börde in das 70 km entfernte Nachterstedter Braunkohlerevier „zu Fuß“, d.h. mit Hilfe der eigenen Fahrwerke, überführt. Dies war eine technische und logistische Meisterleistung, die damals viel Aufmerksamkeit auf sich zog. Zwei weitere solcher spektakulären Transporte folgten in den Jahren 1988 und 1989.
Nach der Wende wurde der nunmehr von der Mitteldeutschen Braunkohle AG (MIBRAG) betriebene Tagebau 1991 dann eingestellt. Eine Fremdfirma gewann und verkaufte noch bis 1994 die bereits freigelegte Kohle.
Mit der Stilllegung des Tagebaus Nachterstedt blieb ein Restloch mit einer Fläche von 620 Hektar und einem Volumen von rund 200 Millionen Kubikmetern zurück. Die Rekultivierungsmaßnahmen begannen 1992. Ziel war es, eine touristische Nutzung des Tagebaurestlochs und seiner Umgebung zu erreichen. Nachdem im Jahr 1996 die Wasserhaltung abgeschaltet und so der Anstieg des Grundwassers im Restloch ermöglicht wurde, begann 1998 die Fremdflutung mit Wasser aus der Selke. Parallel zu den Sanierungsmaßnahmen entwickelte sich allmählich die touristische Infrastruktur, so dass 2002 die teilweise Freigabe des nun entstandenen Concordiasees zur öffentlichen Nutzung erfolgen konnte.
Bereits am 2. Februar 1959 hatte sich im Tagebau Nachterstedt eine schwere Rutschung ereignet, bei der rund 3,8 Millionen Kubikmeter Kippenmassen in den Tagebau rutschten und ein Todesopfer zu beklagen war. 50 Jahre später am 18. Juli 2009 kam es am Südrand des Tagebaurestlochs Nachterstedt erneut zu einer großflächigen Böschungsbewegung, bei der drei Menschen und drei Doppelhaushälften der Wohnsiedlung „Am Ring“ mit in die Tiefe gerissen wurden. Insgesamt gerieten rund 4,5 Millionen Kubikmeter Erdreich in Bewegung, wodurch ein gewaltiger Rutschungskessel entstand.
Die Zwischennutzung des Concordiasees nahm dadurch im Sommer 2009 ein jähes Ende. Der See wurde komplett gesperrt und eine viele Jahre andauernde Ursachenforschung begann. Im Ergebnis der Ursachenforschung wurden die Anforderungen an die Böschungssanierung noch einmal erhöht. Im Frühjahr 2014 begann die Sanierung im Bereich des Rutschungskessels. Die nötigen Verdichtungsarbeiten für den aktuellen Wasserstand wurden im Herbst 2018 abgeschlossen. Fast genau zehn Jahre nach dem Erdrutsch war es dann endlich so weit. Der Strand auf der Schadelebener Seite am Nordufer des Sees wurde am 13. Juli 2019 zehn Jahre nach dessen Sperrung wieder freigegeben.
So oder so ähnlich kann man die Geschichte des Braunkohletagebaus in und um Nachterstedt in den verschiedenen Quellen nachlesen. Doch neben dieser allgemeinen Chronik der Ereignisse hat der Tagebau Nachterstedt für mich auch eine persönliche Komponente. Sowohl mein Onkel, der in der heutigen Zeit als Geocacher durch den Hakel streicht, als auch mein mittlerweile 83-jähriger Opa haben hier gearbeitet, mein Opa sogar sein Arbeitsleben lang. Er fing als junger Mann in der Brikettfabrik und in der Schwelerei an, ehe er später im Tagebau die großen stählernen Ungetüme steuerte. Er war Großraummaschinist genau so wie später sein Sohn, mein Onkel, und lenkte sowohl die langen Absetzer, die die aufgerissenen Löcher wieder verfüllten, als auch die riesigen Schaufelradbagger, die diese immer weiter vergößerten.
Ich erinnere mich noch gut, wie ich als Kind staunend meinem Opa und meinem Onkel bei der Arbeit zusehen durfte, heimlich natürlich, denn Kinder hatten auf dem Betriebsgelände normalerweise nichts zu suchen. Und doch nahmen mich mein Opa auf seinem Bagger und mein Onkel auf seiner E-Lok immer mal wieder mit in den Tagebau.
Vom riesigen Schaufelradbagger aus hatte man einen atemberaubenden Blick in den Tagebau. Ich beobachtete meinen Opa ehrfürchtig dabei, wie er diese unglaublich große Maschine aus seiner Kanzel heraus mithilfe der vielen Hebel und Knöpfe so spielerisch leicht lenkte. Mit einer Urgewalt fraß sich das riesige Schaufelrad auf sein Kommando hin Schicht für Schicht in das Schadelebener Erdreich hinein.
Wenn ich dann mal bei meiner Oma in Schadeleben zu Besuch war und wir abends gemeinsam auf den Opa und das Ende seiner Mittagschicht warteten, dann lauschten wir aufmerksam in Richtung des nahen Tagebaus. Ein zweimaliges lautes Hupen eines Baggers ertönte und wir wussten, dieses Signal galt ausschließlich uns. Es war Opas Bagger! Opa teilte uns damit heimlich mit, dass er nun nach Hause kommt.
Um diesen speziellen Schaufelradbagger dreht sich das Rätsel dieses Caches.
DIE AUFGABE
Eure Aufgabe ist ganz einfach. Ihr müsst lediglich eine Frage beantworten. Wie hieß der Bagger, auf dem mich mein Opa heimlich mitnahm und von dem aus er uns geheime Signale sendete? Die Antwort auf diese Frage bezeichnen wir mal als A.
DIE FORMEL
N 52°19.331 + A
E 11°38.469 + A x Quersumme A
DER CHECKER

Du kannst deine Rätsel-Lösung mit certitude überprüfen.
Auf Grund jüngster Ereignisse lasst bitte eure CM's ausserhalb der Wälder stehen. Der Förster findet das nicht lustig und schneller als ihr denkt, ist hier alles im Archiv. Es ist eine so schöne Gegend, wo man wirklich alles zu Fuß oder mit Fahrrad erreichen kann. Vielen Dank