Verschwörungstheorien, Fake News und alternative Fakten haben gegenwärtig Konjunktur, auch wenn sie nicht unbedingt ein kulturelles Phänomen des 21. Jahrhunderts sind. Der exzessive Umgang mit sozialen Medien sorgt für die Entstehung von Filterblasen und sektenähnlichen Strukturen, die eine gefährliche Eigendynamik entwickeln können. Und natürlich haben diese Verschwörungsmythen bereits das politische Tagesgeschehen erreicht, wo die Menschen mit verdrehten Fakten und Lügen für dumm verkauft werden (postfaktische Politik).
Mit meiner Cacheserie "Conspiracy Theory" möchte ich zwar diese Thematik aufgreifen, aber eher die amüsanten Aspekte in den Vordergrund stellen. Die Erde ist flach und noch dazu von Reptiloiden bevölkert, während die normalen Menschen durch Chemtrails vergiftet werden. Da sind wir ja schon fast bei dem großen Austausch, dessen Ziel es ist, die Zahl der Deutschen zu vermindern und durch muslimische oder außereuropäische Einwanderer zu ersetzen. Wenn man stattdessen den Reichsbürgern glauben möchte, dann existiert die Bundesrepublik Deutschland ja ohnehin nicht und wir leben nach wie vor im Deutschen Reich mit den Grenzen von 1937. Die Liste der Verschwörungstheorien ließe sich beliebig verlängern. Jetzt sollten wir aber endlich die Aluhüte aufsetzen und dieser verrückten Welt einen Besuch abstatten.

In diesem Cache soll die sog. Reichsflugscheibe (im englischsprachigen Raum Nazi UFO genannt) thematisiert werden. Bei der Reichsflugscheibe handelt es sich um eine der angeblichen Wunderwaffen des NS-Regimes, die seit den 1950er Jahren immer mal wieder bei den Ufologen und in der rechtsextremen Szene auftaucht. Immerhin soll diese fliegende Untertasse außergewöhnliche Flugeigenschaften besessen haben. Auf entsprechenden Websites (zum großen Teil von zweifelhafter Herkunft, so dass ich sie nicht verlinke) wird heute die Haunebu-Bauart favorisiert. Der Haupttyp Haunebu II soll mit einem Durchmesser von bis zu 32 m eine Geschwindigkeit von 6000 km/h erreicht haben und weltraumfähig gewesen sein. Was den Antrieb betrifft, liest man folgende Darstellung (Lachkrampf inklusive): "Innerhalb der SS gab es eine Gruppe, die sich mit der Gewinnung von alternativer Energie befasste, die SS-E-IV = Entwicklungsstelle IV der schwarzen Sonne, deren Hauptanliegen es war, Deutschland von ausländischem Rohöl unabhängig zu machen. Die SS-E-IV entwickelte aus den bestehenden Vril-Triebwerken und dem Tachyonenkonverter von Kapitän Hans Coler das Thule-Triebwerk, das später als Thule-Tachyonator bezeichnet wurde."
Die ganze Thematik wird noch mysteriöser, wenn man die "Nazi-Festung" in Neuschwabenland (küstennahe Region in Ostantarktika, eigentlich Teil des Dronning-Maud-Landes) hinzunimmt, die angeblich im Gefolge der deutschen Antarktisexpedition von 1938/39 hier entstanden sein soll. Die Expedition wurde vorwiegend aus wirtschaftlichen Erwägungen durchgeführt, um der deutschen Walfangflotte neue Fanggründe zu sichern. Walöl bzw. das daraus gewonnene Glyzerin war auch zu jener Zeit noch ein wichtiger Grundstoff für verschiedene Produkte (u.a. Sprengstoff). Der zur Militärbasis ausgebaute Expeditionsstützpunkt soll dann 1945 als Rückzugsort für SS-Leute gedient haben, die mit Hilfe von Flugscheiben und U-Booten dorthin geflohen seien. Diese Hypothese wurde durch die Tatsache beflügelt, dass die Besatzungen zweier deutscher U-Boote im Juli bzw. August 1945 ihre Schiffe im argentinischen Seebad Mar del Plata den Behörden übergaben. Ein weiteres mythenbildendes Ereignis war die Operation Highjump der Amerikaner 1946/47, in deren Verlauf es zu Kampfhandlungen in Neuschwabenland gekommen sein soll. Hinzu kommt noch ein Zitat des Expeditionsleiters Rear Admiral (entspricht dem deutschen Konteradmiral) Byrd, der von Objekten sprach, die mit unglaublicher Geschwindigkeit von Pol zu Pol fliegen könnten.
Historisch und technisch sind allerdings keinerlei Belege bekannt, die einer Überprüfung standhalten. Wenn man sich jetzt ernsthaft mit solchen Flugscheiben auseinandersetzt, also die physikalischen und aerodynamischen Aspekte berücksichtigt, wird man keine Begründungen für diese Bauform finden. Die positiven Flugeigenschaften eines Diskus oder einer Frisbee-Scheibe resultiert aus der Rotation und Drehimpulserhaltung. Man stelle sich einfach mal die extreme Belastung für die Besatzung einer rotierenden Flugscheibe vor. Es gibt weder Argumente für den Bau von scheibenförmigen Flugzeugen noch irgendwelche belastbaren Beweise oder Indizien, dass derartige Flugscheiben jemals die Flugfähigkeit erreicht haben. Zu erwähnen wäre lediglich der kreisförmige Nurflügler Sack AS-6 aus dem Jahr 1944, der die Mythenbildung um die Reichsflugscheibe sicher ein wenig gefördert hat.
Es bleibt noch zu diskutieren, ob es irgendeinen Beleg für eine geheime Basis oder gar einen UFO-Stützpunkt in Neuschwabenland gibt. Man findet in den entsprechenden Büchern, Blogs und Facebook-Seiten derart abstruse Konstrukte, dass sich sogar renommierte Wissenschaftler mit dem Thema beschäftigt haben, um diesem Unsinn ein für alle Mal die rote Karte zu zeigen. In einer (peer-reviewed) Publikation haben Summerhayes und Beeching alle verfügbaren Informationen zusammengetragen und ausgewertet mit dem Ergebnis, dass diese deutsche Geheimbasis in der Antarktis niemals existierte. Eine sehr schöne Zusammenfassung und Diskussion ist in dem etwas älteren Science-Blog-Artikel "Neuschwabenland: Hitlers Basis in der Antarktis als Beispiel für moderne Mythenbildung" zu finden. Und über eine geheime antarktische UFO-Station in der Gegenwart braucht man wohl keine weiteren Worte zu verlieren, wenn man bedenkt, dass jeder Quadratmeter auf unserem Globus durch diverse Satelliten überwacht wird.
Der Kurzmulti besteht aus 2 Stationen plus Final und erstreckt sich über wenige hundert Meter. Trotzdem wirst du die Finaldose vermutlich nicht nach 10 Minuten in deinen Händen halten. Du musst dich vorher noch um das UFO kümmern, was einige Zeit in Anspruch nehmen wird. Die Umgebung des Caches ist sehr interessant, denn hier kannst du beobachten, wie sich die Natur ein Stückchen Erde zurückerobert. Natürlich spielt der Biber eine wichtige Rolle, so dass du seine Spuren entdecken kannst, wenn du die Landschaft ein wenig erkundest und die Augen offen hältst. Leider dürfen die Zufahrtswege nicht mehr mit dem PKW befahren werden, so dass du am besten in dem Ort Garlstorf parkst (siehe Waypoints). Vielleicht sollte ich noch anmerken, dass der Multi für Gruppen ungeeignet ist, da sich dann ein paar Leute langweilen würden.
Natürlich wirst du in meinem Cache - den alten Gepflogenheiten entsprechend - neben dem Logbuch auch Trade-Items unterschiedlicher Art vorfinden (siehe Foto). Ich würde mich freuen, wenn auch wirklich getauscht und nicht nur entnommen wird. Für den Erstfinder gibt es eine Urkunde sowie eine Druse und einen Travel Tag (natürlich unregistriert).
Viel Spaß bei der Suche!