Geocaching öffnet manchmal die Augen für die Kleinigkeiten am Weg, die nicht jedem auffallen. Die Stolpersteine sind es wert dass man sich damit eingehender beschäftigt.
Dieser Multi besteht aus sechs virtuellen Stationen an jeder befindet sich ein Stolperstein. Unten sind kurze biographische Angaben zu diesen Menschen zusammen gestellt. Unter den Texten befindet sich Offset-Angaben für Nord und Ost außerdem eine Lösungsziffer für die Final-Koordinate. Die Offset-Angaben für Nord und Ost beziehen sich auf die Minuten-Nachkommastellen (dreistellig) und werden mit der aktuellen Koordinate verrechnet daraus ergibt sich die neue Koordinate. Der Lösungsziffer vom Start dem ersten Stolperstein wird dem Buchstabe A zugeordnet die Lösung vom zweiten Stein B usw.
Das Final befindet sich dann bei:
N 48°53.ABC E 9°11.DEF
Den Stolperstein der siebten Person findet man indem dessen Offset-Angaben mit den Final-Koordinate verrechnet wird.
Quelle & weiter Informationen zu allen Ludwigsburger Stolpersteine unter:
www.stolpersteine-ludwigsburg.de
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Dr. Walter Pintus war ein sehr gefragter Hausarzt mit einer ausgedehnten Praxis in Ludwigsburg. Er war geschätzt für sein großes Verständnis für Jung und Alt. Der Arzt hatte wohl lange geglaubt, dass ihm als Teilnehmer im Ersten Weltkrieg nichts passieren könnte von Seiten der «Nazis» – er war ja in Ludwigsburg Leiter des Kriegsgefangenlazaretts im Offiziersrang gewesen.
Nach der Reichspogromnacht vom 9. zum 10. November 1938 wurde die Praxis zwangsweise aufgelöst und Dr. Pintus mit zahlreichen weiteren jüdischen Bürgern aus Ludwigsburg verhaftet. Mit anderen wurde Dr. Pintus ins KZ Dachau gebracht. Die Ursache seines Todes am 13. November 1938 ist unbekannt.
N +061 E +045 L: 1
Emma Laupheimer, geboren 1874 und ihre Schwester Regina Laupheimer, geboren 1868, übernahmen im September 1919 die Firma Stöhr, Manufakturwaren und Aussteuerartikel in Ludwigsburg. Ihre Schwester Frieda, geboren 1872, führte den Haushalt. „Wir haben alle unsere Sachen bei den Fräulein Laupheimer eingekauft“ erzählte später ein Nachbar.
Nach jahrelangen Schikanen durch die Naziherrschaft mussten die Frauen im November 1938 ihren Laden schließen. Notgedrungen verließen die Schwestern Ende November 1938 Ludwigsburg. Emma Laupheimer konnte vorübergehend im ererbten Elternhaus in Laupheim wohnen.
Mit dem letzten von vier Transporten aus Laupheim wurden die Schwestern am 12. August 1942 über Stuttgart nach Theresienstadt deportiert. Emma, Regina und Frida wurden am 26. September 1942 in Treblinka ermordet.
N -047 E +087 L: 7
Florina Ottenheimer liet unter depressiven Zustände. Angeblich wegen auffälligen Verhaltens stellte die Kreispflege Ludwigsburg am 12. September 1938 einen Antrag auf Unterbringung Florinas in eine Heilanstalt. Am 20. September 1939, wurde sie in die Heilanstalt Zwiefalten eingewiesen, die «Sammelstelle» für jüdische Patienten war.
Es ist erwiesen, dass in den 1930er-Jahren eine sogenannte «Irrendatei» erstellt wurde. Florina Ottenheimer war 64 Jahre alt, als sie im Zuge der «Aktion T4» am 13. August 1940 in Grafeneck durch giftiges Gas ermordet wurde.
Unter «Aktion T4» wurde das erste groß angelegte Mord-Programm der deutschen Nazis bekannt: Über 100.000 Psychiatrie-Patienten und Menschen mit Behinderung wurden gezielt ermordet. Das leitende Büro für diese Aktion war in Berlin im Haus Tiergartenstraße 4 daher «T4».
N -059 E -138 L: 2
Die Boykottaufrufe der Nationalsozialisten, nicht mehr beim «Juden» einzukaufen, brachten den Geschäftsinhaber des Warenhaus Grumach Salomon Kaufmann in immer größere existenzielle Not. Nachdem die Synagoge am 10. November 1938 in Brand gesetzt war, wurden jüdische Geschäfte demoliert. Beim Warenhaus Grumach wurden die Schaufenster eingeschlagen. Bettfedern hätten wie «Schnee» auf dem Bürgersteig gelegen, berichteten Augenzeugen.
Salomon verlässt mit seiner Frau Julie Kaufmann, Ludwigsburg am 3. August 1939 nicht in Richtung Nordamerika wie ursprünglich geplant sondern auf Grund von Verzögerungen nach Edam/Holland. Im Mai beziehungsweise Juni 1943 wurden Salomon und Julie Kaufmann ins KZ Westerbork in Holland eingewiesen und im September 1943 in das KZ Auschwitz deportiert. Sie sind dort umgekommen.
N -130 E -072 L: 8
Max Elsas lebte nach dem Ethos eines emanzipierten Juden, der edel und tadelsfrei leben will. Deshalb hat er sich auch engagiert als Lokalpolitiker für das Gemeinwesen der Stadt Ludwigsburg eingesetzt. 1882 trat er der Feuerwehr bei. Von 1905 bis 1908 war er Mitglied des Bürgerausschusses, wurde als Mitglied der Demokratischen Partei in den Stadtrat übernommen und wenige Jahre später zum Stellvertreter des Oberbürgermeisters ernannt.
Als die Städte und Dörfer «judenfrei» gemacht wurden, kam Max Elsas am 2. Dezember 1941 in das Zwangsaltenheim für Juden in Eschenau, in der Nähe von Heilbronn und von dort aus wurde er am 22. August 1942 in das KZ Theresienstadt deportiert. Er verstarb im Alter von 84 Jahren am 30. September 1942 an Entkräftung und Krankheit.
N -051 E -087 L: 5
Jenny Henle kommt am 19. April 1894 als Jenny Weil in Laupheim zur Welt. Nach Ihrer Heirat lebt Sie und ihr Mann in Lehrensteinsfeld bei Heilbronn. Sie sind dort angesehene Leute bis zur Machtergreifung der Nazis. Da das Ehepaar seinen Besitz aufgrund der Repressalien verliert, müssen beide nach Ludwigsburg umziehen. Dort stirbt Leopold Henle im August 1940.
Am 26. November 1941 wird Jenny Henle zunächst nach Stuttgart gebracht und am 1. Dezember nach Riga deportiert. Am 4. Dezember erreicht der Zug sein Ziel, vermutlich ist Jenny Henle direkt nach der Ankunft ermordet worden.
N +031 E -074 L: 9
Jeanette Kahn geboren am 17. November 1870. wuchs zunächst in wohlhabenden Verhältnissen auf. Das sich die finanzielle Situation der Familie drastisch verschlechtert, belastet sie sehr. Jeanette eröffnet 1894 ein Atelier als Damenschneiderin.
Sie wird den damaligen Angaben zufolge trübsinnig und leidet unter Schlaflosigkeit. Auf Wunsch der Angehörigen wird sie 1917 in die Staatliche Heilanstalt Schussenried aufgenommen. Am 9. Juli 1940 wird die Siebzigjährige mit einem der berüchtigten grauen Busse in die Tötungsanstalt Grafeneck transportiert, wo sie am selben Tag in der Gaskammer ermordet wird.
N -053 E -011 L: 8
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