Miss Polly flog hier bereits von 2015 bis 2017. Dann passierte ein Unglück, welches sie von weiteren Aufstiegen abhielt. Nachdem sie aber wiederholt Post bekam, sich fremde Menschen nach Ihrem Befinden erkundigten und weitere Aufstiege erhofften, war es nach gut zwei Jahren Pause nun soweit; mit neuem Ballon erhob sie sich mutig in die spätsommerlichen Lüfte.
Leider ist sie auch diesmal nicht weit gekommen. Ein weiteres, schlimmeres Unglück geschah Mitte September. Sie musste erneut pausieren und wurde dann zusätzlich noch durch eigenmächtige, außerdem heimliche und vorallem fehlerhafte Fummelei am Material seitens Mitreisender an einem neuen Aufstieg gehindert.
Dieses mal ließ sie sich jedoch nicht unterkriegen, ging sofort an die Arbeit, verbesserte Material und Flugroute und stieg prompt wieder auf. Trotz Warnhinweisen. Trotz herbstlicher Wetterverhältnisse. Und so kam es wie es kommen musste...
Sie schaftte es immerhin ein Stückchen weiter als die letzten Male, doch die starken Winde drückten den Ballon zusammen, er stürzte tief und verfing sich erneut oben in einem Baum. Noch im Fall sendete sie ein letztes Notsignal per Funk.
Benommen erwachte sie mitten in unbekanntem Terrain. Ihre Navigationsgeräte, sowie das (damals gerade erst erfundene und noch brandneue) Funkgerät, waren beim Absturz zerstört worden. Nur eines konnte sie mit Gewissheit sagen: Wasser und Mauern hatte sie auf diesem Flug nicht überquert und vom Absturzort war eine Gebirgskette zu sehen.
Da der Ballon unrauchbar war, musste sie ihn aufgeben und oben im Baum zurücklassen. Mit Mühe und Not, ohne genaue Orientierungsmöglichkeit, schleppte sie sich in eine Felshöhle in der Nähe. Dort war es etwas wärmer und vorallem trocken.
Zum Schutz vor wilden Tieren, verbarrikardierte sie zusätzlich noch den Eingang mit einem massiven Steinbrocken.
Nachdem sie sich ein wenig erholt hatte, lief sie noch einmal zurück zum Ballon, dessen glitzernde Hülle von weitem einfacher zu entdecken ist. Dort hinterließ sie dem Suchtrupp, auf den sie hoffte, eine Nachricht, mit der (anhand des Firmaments berechneten) Position ihrer Höhle.
Seitdem steckt sie, in ihren Schlafsack gehüllt, in ihrem Versteck und hofft auf Rettung. Der Notproviant wird immer knapper...womöglich hat sie nur noch eine letzte Dose...?!
Um dich dem Suchtrupp anzuschließen, der Polly zu retten versucht, finde dich an der Haustür ihrer Wohnung ein (Trailhead).
Benötigte Ausrüstung: Navigationssystem (Kompass o.ä.), Standard Nachschlagewerk: "Ballonfahren - Was ich wissen muss".
Das einzige was aufgrund genauer Aufzeichnung sicher ist;
Als Miss Polly um Punkt 14 Uhr mit ihrem Ballon abhob und losflog, blies der Wind mit 6kn aus WSW (Westsüdwest) mit leichten Böen aus SW.
Das Notrufsignal erhielt die Basisstation bereits um 14 Uhr 1min 11sek.
Viel Erfolg!
Zur Person Käthe Paulus:
Käthe Paulus (* 22. Dezember 1868 in Zellhausen bei Offenbach; † 26. Juli 1935 in Berlin), genannt "Miss Polly", war die erste deutsche Berufsluftschifferin, Luftakrobatin und Erfinderin des zusammenlegbaren Fallschirms. Als „Luftschiffer“ wurden damals alle Beteiligten an der Leichter als Luft-Technik, also auch Ballon- und Zeppelinfahrer oder Feldluftschiffer bezeichnet.
Katharina „Käthchen“ Paulus stammte aus kleinbürgerlichen, ärmlichen Verhältnissen. Ihr Vater, der als Schmied, Tagelöhner und manchmal als Maschinenheizer arbeitete, verstarb 1887. Dieses Ereignis schweißte Käthe Paulus und ihre Mutter, Maria Paulus, so eng zusammen, dass sie zeitlebens zusammen lebten.
Paulus hatte schon in jungen Jahren einen Hang zur Akrobatik. So wollte sie beispielsweise auf einem über den Haushof gespannten Seil das Seiltanzen erlernen. Stattdessen lernte sie den Schneiderberuf, was sich allerdings später als ideal für ihre Karriere herausstellen sollte.
Während eines Kuraufenthaltes lernte sie am 21. Juni 1889 den Ballonfahrer Hermann Lattemann kennen und war begeistert von seiner Kunst. Sie wollte von nun an Luftschifferin werden.
Auf Paulus Wunsch hin lehrte Lattemann sie die Kunst des Ballonfahrens und des Fallschirmsprungs. Doch vor dem ersehnten ersten Aufstieg musste Paulus erst lernen, wie Ballone und Fallschirme hergestellt wurden. „Auf diese Weise wurde ich mit den technischen Hilfsmitteln, die mit der peinlichsten Vorsicht und Sorgfalt angefertigt werden müssen, vertraut.“
Bald war Paulus unentbehrlich für Lattemann. Sie hielt seine Ausrüstung instand und flickte die oft in Fetzen zurückkommenden Ballone. Paulus und Lattemann arbeiteten nicht nur zusammen, sondern waren auch privat ein Paar. Am 7. März 1891 kam in Frankfurt am Main ihr Sohn, Willy Hermann Paulus, zur Welt. Aufgrund der Schwangerschaft und der Geburt war Paulus bisher nicht selbst im Ballon aufgestiegen.
Am 19. Juli 1893 kam dann der von ihr lange ersehnte Augenblick: in Nürnberg hatte Lattemann einen Passagier, und irgendjemand musste Ballon und Passagier unversehrt zu Boden bringen. Paulus wusste nicht viel mehr über das Ballonfahren als ihr Passagier, und durch eine Fehlmanipulation der Ventile stieg sie auf 3500 m, bevor der Ballon fast platzte und dann mit hoher Geschwindigkeit nach unten sauste. Glücklicherweise überstanden sie und ihr Passagier die Beinahe-Katastrophe unverletzt. „Ich schlug mir den Schädel blutig. Aber was tat das alles gegenüber dem stolzen Bewußtsein, daß im großen und ganzen die Sache geklappt hatte.“
Ein Jahr später starb Lattemann bei einem fatalen Ballonexperiment in Krefeld. Am 17. Juni 1894 wollten Paulus und Lattemann gemeinsam im Ballon aufsteigen, sie sollte abspringen, und Lattemann wollte anschließend den Ballon in einen Fallschirm verwandeln und damit sanft zur Erde gleiten. Nachdem Paulus abgesprungen war und sich ihr Schirm geöffnet hatte, zog Lattemann an der Leine. Der Ballon reagierte jedoch nicht wie geplant, sondern drehte sich zusammen und stürzte zischend zur Erde. Keine zehn Meter entfernt musste Paulus hilflos am Fallschirm hängend zusehen, wie ihr Geliebter zu Tode stürzte. „Ich hing am Schirm, ohne helfen zu können, während er in rasender Fahrt, die Hülle wie ein umgedrehter Regenschirm nachflatternd, in die Tiefe stürzte. Alles war dumpf. Als ich landete, hatten sie ihn schon tot in einer Straße von Krefeld gefunden. Es war sehr schwer.“
"Erste professionelle Luftschifferin Deutschlands":
Infolge Lattemanns Tod hatte Paulus einen schweren Schock sowie einen Nervenzusammenbruch – heute würde man von einem posttraumatischen Zusammenbruch sprechen. Sie war monatelang ans Bett gefesselt. Aus ganz Deutschland erhielt sie tröstende und aufmunternde Briefe, die es ihr schließlich ermöglichten, weiterzumachen.
Sie kaufte vier neue Ballone, mit denen sie Tourneen durch alle europäischen Großstädte durchführte: London, Nizza, Wien, Amsterdam, Berlin, Budapest, Danzig, Düsseldorf, Wiesbaden, Paris und Frankfurt.
Kaum ein Jahr nach Lattemanns Tod starb der kleine Willy Hermann im Juli 1895 an Diphtherie. Paulus stürzte sich wiederum in die Arbeit. 516-mal stieg sie insgesamt in einem Ballon auf, 147-mal stürzte sie sich mit ihrem Fallschirm in die Tiefe.
Ihre Aufstiege stießen auf ein enormes Publikumsinteresse: einmal verkaufte sie fast 20.000 Eintrittskarten.
Paulus hatte ein Gespür für Publicity und Image. Bei ihren Auftritten trug sie publikumswirksam einen Matrosenanzug, Pluderhosen, dazu enge Lackgamaschen und schwarze Schnürstiefel: So stellten sich die Menschen eine „Luftheldin“ vor. Sie gab sich den Künstlernamen „Miss Polly“ – und wurde innerhalb kürzester Zeit zur erfolgreichsten Luftakrobatin ihrer Zeit.
Ihr spektakulärstes Kunststück war der von ihr erfundene Doppelabsturz, bei dem sie sich vom Ballon löste, worauf ein erster Fallschirm aufging, von dem sie sich wiederum für einige Momente löste, bis ein zweiter Schirm aufging.
Während ihrer gesamten Karriere hatte Käthe Paulus – bis auf einen Beinbruch – keinen ernsthaften Unfall.
[Wer wissen möchte, wie wichtig Käthe während der Kriegsjahre 1916/17 für Deutschland war, bitte Wikipedia-Artikel nutzen.]
Nach Ende des Ersten Weltkrieges wurde es ruhig um Paulus. Bis zum Tod ihrer Mutter 1922 lebte sie mit ihr in deren Wohnung in Reinickendorf. An ihrer ehemaligen Wohung in der Gotthardstraße findet sich eine Gedenktafel, die Käthe fälschlicherweise als die erste Ballonfahrerin Deutschlands bezeichnet. Richtig ist: Die aus Braunschweig stammende Johanne Wilhelmine Siegmundine Reichard (1788-1848) genannt "Minna" war die erste Ballonfahrerin Deutschlands. Als Gemahlin des Physikers Johann Carl Gottfried Reichard assistierte sie ihrem Mann bei seinen wissenschaftlichen Experimenten und kann im Zusammenhang mit atmosphärischen Messungen zur Ballonfahrt. Bereits 1811 stieg "Minna" in Berlin als erste Frau Deutschlands mit einem Ballon auf...
Miss Polly starb verarmt am 26. Juli 1935 nach längerer Krankheit. Ihr durch die Ballonfahrten erarbeitetes Vermögen ging durch die Inflation verloren. Bei ihrer Beerdigung waren nur wenige Trauergäste anwesend, darunter jedoch auch die Fliegerinnen Elly Beinhorn und Hanna Reitsch, die ihre Pionierinnenarbeit für fliegende Frauen sehr zu schätzen wussten.
Käthe Paulus wurde auf dem Friedhof der evangelischen Gemeinde der Dankeskirche Wedding in Reinickendorf, Blankestraße 12, in der Abt. D-Reihe 2 Nr.31-32 beigesetzt. Wer ihr Grab besuchen möchte, es gibt auch einen Zugang an der Ecke Gotthardtstr./Holländerstr. Ihr Grab ist mittlerweile ein Ehrengrab.