Vernagelt und betoniert am Hochgrat
Als Bayerns schönste Geotope wurden 100 Objekte wegen ihrer Schönheit, Seltenheit, Eigenart oder ihres hohen wissenschaftlichen Wertes ausgewählt. Sie sind für die Öffentlichkeit leicht zugänglich. Das gleichnamige Projekt des Landesamt für Umwelt wurde 2002 begonnen und 2011 abgeschlossen. Hierbei wurden 100 wichtige Geotope in Bayern der Öffentlichkeit vorgestellt.
Zu ihnen zählt das Geotop Nagelfluh am Hochgrat.
Der Hochgrat ist mit 1.834 Metern der höchste Berg im westlichen Allgäu und ein vielversprechendes Ausflugsziel für alle Ansprüche und verschiedenste Sportarten. Der Hochgrat befindet sich inmitten des Naturparks Nagelfluhkette, der grenzübergreifend zwischen Deutschland (Allgäu) und Österreich (Vorarlberg) liegt. Ziel des Naturparks ist die Erhaltung der einzigartigen Natur- und Kulturlandschaft und nachhaltiger Tourismus.
Die Nagelfluhkette
Markante Gipfel und Gesteinsrippen prägen die Bergkette, die sich vom Mittagberg bei Immenstadt über den Hochgrat bis in den Bregenzer Wald erstreckt. Die aus Geröllen zu Konglomerat "verbackenen" Gesteine sehen aus, als hätte man Nägel tief in sie eingeschlagen, so dass nur noch die Köpfe herausschauen, weshalb man sie auch nach einem ostschweizerischen Begriff als "Nagelfluh" bezeichnet.
Die Allgäuer nennen dieses Gestein scherzhaft auch „Herrgottsbeton“
Geologie und Geomorphologie des Gebiets
Den Gipfelbereich des Hochgrats bilden steil nach Süden einfallende Gesteinsschichten.
Bei den Felsen handelt es sich um eine Gesteinsserie der Unteren Süßwassermolasse, die Steigbachschichten. Sie sind ein in der Allgäuer Faltenmolasse sehr weitverbreitetes Schichtglied. Am Hochgrat liegen sie mit massigen, Grobgeröll führenden Konglomeraten in 25 bis 30 Bänken vor, denen Mergelsteine und wenige Sandsteine zwischengeschaltet sind.
Die Geröllfraktion setzt sich zusammen aus ca. 50% Kalk-, Horn- und Sandstein des Kalkalpin, 40% Dolomit teils bisher unklarer Herkunft sowie 10% Kalk- und Sandstein der Flyschzone, die sich südlich der Molassezone anschließt. Der Ausdruck "Flysch", das alemannische Wort für "fließen", lässt an die besondere Eigenschaft der Instabilität des vorhandenen Gesteins denken, denn die Hänge neigen zum Rutschen. Die Flyschberge sind aus wasserundurchlässigen Ton- und Mergelschichten aufgebaut. Die "sanft" erscheinenden Berge sind gekennzeichnet durch reiche Vegetation, höchste Artenvielfalt, mit Wald und Wiesen bewachsen, doch tiefe, unüberwindbare Schluchten zeichnen ebenso ihr Bild.
Geologische Karte des Allgäus (vereinfacht nach Scholz, 1995. HG = Hochgrat, HI = Hoher Ifen, KK = Krottenkopf, HV = Hochvogel, GR = Grünten, AS = Aggenstein)
Die Entstehung von Nagelfluh
Die Molasse ist gekennzeichnet durch Wechsellagerungen von harten Felsbänken aus Nagelfluh und weichen Ton- bzw. Mergelschichten. Die Sedimentgesteine sind vor etwa 20 – 28 Millionen Jahren als Ablagerungen der damaligen Alpenflüsse entstanden. In dem ehemals tropischen Klima kam es zu heftigen Sturzfluten, die große Mengen an Kies ins Alpenvorland schwemmten. Von den dadurch gebildeten Schwemmfächern ist der „Hochgratfächer“ der größte in Bayern. Er war etwa 1.000 km² groß. Die Gesteine der Molasse wurden nach ihrer Ablagerung von der Auffaltung der Alpen erfasst, verkippt und in große Höhen gehoben.
Das Molassebecken zur Zeit des Oberoligozäns (Karte aus "Geotope in Schwaben")
Die Flüsse lagerten ihre Sedimentfracht je nach Fließgeschwindigkeit ab. Wenn diese hoch war, blieben vor allem die größeren Steine liegen. Durch das Abscheiden von Kalk im Kluftwasser zwischen den Kieseln und durch den Auflastdruck jüngerer, darüber abgelagerter Schichten wurden die einzelnen Steine im Laufe von Jahrmillionen regelrecht miteinander verklebt.
Damals entstanden die Nagelfluhbänke, die heute die großen Felswände und die Berggipfel der Nagelfluhketten aufbauen.
In Stillwasserbereichen, beziehungsweise zu Zeiten als die Fließgeschwindigkeit geringer war, wurde feineres Material abgelagert. Daraus entstanden Ton- und Mergelschichten, die heute die Täler und flacheren Bereiche an den Berghängen bilden und meist landwirtschaftlich genutzt werden.
Erreichbarkeit
Der EC ist mit Unterstützung der Hochgratbahn gut zu erreichen. Um alle Fragen beantworten zu können, unternehmt bitte den kurzen Aufstieg zum Gipfel. Zwei Wege führen auf den Gipfel. Von der Bergstation aus entweder den steilen hochalpinen Pfad auf Nagelfluh-Gestein - teilweise mit Seilsicherung und dafür einen atemberaubenden Ausblick. Oder ihr geht bequemer auf dem neu erbauten Wanderweg mit 230 Stufen gefahrlos zum Gipfel. Dauer des Aufstiegs ca. 30 Minuten.
An Wegpunkt 3 befindet sich ein Aussichtspunkt zum nächsten Gipfel, dem Rindalphorn (1821m).
An Wegpunkt 4 - zum Ende eurer Beobachtungsrunde – steht ihr an einem Aussichtspunkt Richtung Staufner Haus, Seelekopf (1663m), Hochhäderich (1566m).Bei gutem Wetter kann man den Bodensee erkennen und weit bis zu den Bergen von Österreich und in die Schweiz schauen.
Bitte informiert Euch vor Eurem Besuch über die aktuellen Wetterbedingungen und über die Öffnungszeiten der Hochgratbahn.
Um den Earthcache zu loggen, beantworte bitte zuerst über mein Profil die folgenden Fragen:
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In der Nähe des Eingangs zur Talstation (Wegpunkt 1) befindet sich ein großer Block Nagelfluhgestein. Beschreibt bitte mit eigenen Worten seine Eigenschaften (Größe, Farbe und Struktur).
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Zu welcher geologischen Epoche zählt die Gesteinsbildung des Nagelfluh (siehe Tafel an den EC-Koordinaten)?
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Wie groß ist das kleinformatige Nagelfluh-“Band“ an Wegpunkt 2? Wie groß schätzt ihr die in diesem Band verbackenen Steine? Aus welchem Gestein könnten deiner Auffassung nach die einzelnen erkennbaren Kiesel bestehen (siehe auch Detail-Foto)?
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Beobachtungen an Wegpunkt 3 und Wegpunkt 4: Betrachtet an Wegpunkt 3 und 4 besonders die in den Norden zeigenden Wände. Gibt es Gemeinsamkeiten / Unterschiede?
Fügt bitte eurem Online-Log ein Vor-Ort-Foto von euch oder einem persönlichen Gegenstand als Anwesenheitsbeweis hinzu!
Fotos sind mit der Änderung der Earthcache-Guidelines vom 10.06.2019 eine Logbedingung!
Sehr gerne sehe ich auch ein Foto mit Blick zum Allgäuer Hauptkamm, mit Gipfelkreuz oder Richtung Bodensee.
Ihr dürft natürlich sofort nach Beantwortung loggen. Jede Mail wird von mir beantwortet und eine Zugabe gibts auch.
Und nun wünsche ich euch einen wunderbaren Tag in den Bergen und viel Spaß mit diesem Earthcache!
Quellen
H. Scholz: "Bau und Werden der Allgäuer Landschaft", Stuttgart, Schweizerbart-Verlag, 2016
M. Schneider: "Naturgeschichte Allgäu", Bauer-Verlag, 2011
"Geotope in Schwaben", Bayerisches Landesamt für Umwelt, 2009
Bei den Fotos handelt es sich um eigene Aufnahmen vom Oktober 2019