Der Sustenpass,
als Verbindung des Reusstales mit dem Aaretal, kann wie die meisten Alpenübergänge in der Schweiz auf eine Vergangenheit zurückblicken, die sowohl in Zeiten friedlichen Handelns und Verkehrs als auch in Zeiten kriegerischer Wirren von Bedeutung war.
Als Zeuge für die strategische Wichtigkeit des Sustenpasses in der Kriegsgeschichten der Eidgenossenschaft finden wir am Ausgang des Meientales oberhalb des Dorfes Wassen die Meierschanze, die im Jahre 1618 gebaut und während des zweiten Villmergerkrieges nach einem Plane des Festungsbaumeisters Pietro Morettini im Jahre 1710 zu einem für damalige Zeiten hervorragenden Sperrwerk ausgebaut wurde. Eine wichtige Rolle fiel dem Sustenpass und insbesondere der Meienschanze während des zweiten Koalitionskrieges von 1799 bis 1802 zu, als die Schweiz Kriegsschauplatz fremder Heere wurde. Im August des Jahres 1799 rückte eine französische Brigade unter General Loison nach Ueberwindung ausserordentlicher Schwierigkeiten und behindert durch schlechtes Wetter über den Sustenpass gegen das Reusstal vor mit der Aufgabe, die Vereinigung der Oesterreicher mit den Russen zu vereiteln, die unter dem Feldherrn Suworow über den Gotthard im Anmarsch waren. Tapfer verteidigt durch eine zahlenmässig unterlegene oesterreichische Besatzung, fiel die Festung schliesslich am 15. August 1799 unter dem Ansturm der kriegsgewohnten französischen Truppen. Darauf hin zerstörten die Franzosen die Festung fast vollständig.
Man schrieb das Jahr 1810, als die Kantone Uri und Bern übereinkamen, die Strasse über den Sustenpass auszubauen und befahrbar zu machen. Besonders für den Kanton Uri bedeutete das Unternehmen eine grosse finanzielle Last, da zu gleicher Zeit noch nicht einmal Mittel für den Wiederaufbau der beim Brand von Altdorf zerstörten Staatsgebäude vorhanden waren.
Die Arbeiten wurden im Juli 1811 aufgenommen. Kurz vor Vollendung des Werkes im Jahre 1818 hatte der Sturz Napoleons die Verhältnisse grundlegend verändert. Mit der Wiederangliederung des Wallis an die Schweiz verlor der Sustenpass seine Bedeutung als Handelsweg zum Gotthard. Die Arbeiten wurden nur kurz vor der Vollendung des Werkes 2 km im oberhalb von Wassen gelegenen Feden eingestellt. Erst rund hundert Jahre später im Jahre 1913 wurde dieses fehlende Teilstück fertig gebaut.
Mit der Entwicklung des Fremdenverkehrs wurde das Begehren nach einer neuen, besseren Verbindung über den Susten bereits vor Vollendung der alten Sustenstrasse wachgerufen. Nach langem Hin und Her brachte das Jahr 1935 schliesslich an den Volksabstimmungen in Uri und Bern den endgültigen Durchbruch zum Bau der neuen Sustenstrasse, nicht zuletzt durch grosszügige Subventionszusagen des Bundes.
Im Herbst 1938 konnte mit den Bauarbeiten für die neue Sustenstrasse sowohl auf der Berner- wie auf der Urnerseite begonnen werden. Die Arbeiten wurden an leistungsfähige Unternehmungen vergeben. Schon wenige Monate nach Ausbruch des zweiten Weltkrieges stellten sich Schwierigkeiten ein, sowohl bei der Einstellung der erforderlichen Zahl geeigneter Arbeiter wie bei der Beschaffung von Baumaterialien und Lebensmitteln für die Belegschaften. Diese kriegsbedingten Erschwernisse und während der Bauzeit getroffene Aenderungen am Projekt führten zu einer Verlängerung der im Bauprogramm mit fünf Jahren angesetzten Bauzeit. Daran konnte auch der Einsatz von italienischen, russischen und polnischen Internierten während der Bauphase nichts ändern.
Dank den vorsorglichen Massnahmen der Bauleitung und der grosszügigen Bauinstallationen mit dem Einsatz mehrerer Seilbahnen, konnten die Arbeiten ohne Unterbruch weitergeführt und in achtjähriger Bauzeit vollendet werden.
Die auf Grund des genehmigten Projektes auf Fr. 22,9 Mio. veranschlagten Baukosten erhöhten sich infolge der Teuerung und der Aenderungen am Projekte, insbesondere durch den nicht projektierten Bau des Scheiteltunnels kurz vor der Passhöhe, auf Fr. 34,3 Mio. Allein der Bau des 325 Meter langen Scheiteltunnels verschlang zwei Millionen Franken.
Am 7. September 1946 wurde die neue Sustenpassstrasse nach der Eröffnungsfeier in Anwesenheit von Bundesrat Philipp Etter und den Vertretern der Kantone Bern und Uri offiziell dem Verkehr übergeben.
Eine schlichte, heute stark verwitterte Steinplatte erinnert heute noch daran, dass der Bau in der Zeit geschaffen wurde, während der unser Land ernsthaft bedroht war.
1938 – 1946 IN ERNSTER ZEIT DEM FRIEDEN GEWEIHT
Quelle. Homepage Gemeinde Wassen.