Niedermühle Hinterhermsdorf

Der schon im 16. Jahrhundert gebräuchliche Flurname "Mühlhübel" verdankt seine Entstehung offenbar der in seiner Nähe gelegenen Niedermühle. Sie wird 1547 erstmals urkundlich erwähnt, hat aber wahrscheinlich bereits früher bestanden. Frühere Bezeichnungen waren u.a. Nieder Mühle, Mühle unterm Mühlhübel, Peschkemühle oder in Böhmen "Sächsische Mühle".
Von 1646 bis 1838 im Besitz der Familie Puttrich, danach ging sie in den Besitz der Familie Dreßler über.
Aufgrund von Erbstreitigkeiten sollen Ende des 19. Jhdts. die besitzenden Schwestern versucht haben, die Mühlen niederzubrennen. 1857 die Niedermühle und 1863 die "Böhmische Mühle". Einer Überlieferung nach soll ein Müllerbursche Feuer gelegt haben. An der Niedermühle griff das Feuer jedoch nicht über und es wurde nur ein Giebel beschädigt.
Um 1880 Einbau einer Holzschleifanlage. Diese war jedoch nur kurz in Betrieb und erwies sich als unrentabel, u.a. durch technische Probleme mit der Turbine. Durch den Kauf der Maschinen verschuldete sich die Besitzerin hoch. Nach ihrem Tode ließen die Erben den Besitz zwecks Schuldentilgung versteigern, was aber nur zum Teil gelang.
Der Kaufmann Wilhelm Höhne aus Neugersdorf erwarb das Anwesen und eröffnete ein Café, um sich den Besucherverkehr der nahen Oberen Schleuse zu nutzen zu machen. Leider bleib der Erfolg aus und er geriet ebenfalls in finanzielle Schwierigkeiten. 1910 nahm er sich in dieser verzweifelten Situation selbst das Leben.
Seine Witwe verkaufte den Besitz an den Schuhfabrikanten Friedrich Wilhelm Peschke (Heimatforscher und Mitbegründer des Dorfmuseums in Hinterhermsdorf). Er erwarb die Mühle, weil seine Frau eine geborene Puttrich war und er Familienbesitz erhalten wollte. Er ließ die Mahlmühle wieder einbauen. Pläne für Gaststätte scheiterten am Widerstand seiner Frau.
In den 1920er Jahren führten eine schlechte Wirtschaftslage, familiäre Probleme und 1927 die Beseitigung von Hochwasserschäden zu Verlusten. Mehrfach musste der Betrieb mit Krediten belastet werden. 1931 übernahm Peschkes ältesten Sohn Wilhelm das überschuldete Anwesen und führte es mit Gewinn als Sägewerk weiter. Der benötigte Strom wurde mittels Turbine selbst erzeugt, daher verzichtete man auf den Anschluss an öffentliche Stromnetz, was sich später als Nachteil erwies.
Von der Kirnitzsch am Wehr angeschwemmter Bachsand wurde an Baubetriebe zur Herstellung von Mörtel verkauft.
Als ab Mai/Juni 1945 die Vertreibung der deutschen Bevölkerung aus dem Sudetenland erfolgte, wurde die Mühle für viele Menschen der nächste Zufluchtsort. Jeder Raum war belegt, als Nachtlager dienten ihnen Strohschütten.
Nach 1945 führten Peschkes Geschwister Lea und Eugen den Betrieb erfolgreich weiter, u.a. erfolgte eine Leistenproduktion für Verpackungskartons der Sebnitzer Kunstblumenbetriebe, wodurch die Hypotheken getilgt werden konnten.
Ab 1973 gab es nur noch Lohnschnitt. Durch einen 1982 erfolgten Schaden an der Turbine war keine Stromversorgung und kein Lohnschnitt mehr möglich, der Betrieb wurde eingestellt.
Zwischen 1994 und 2001 wechselte die Mühle 3x den Besitzer. Lea Peschke wurde 92 Jahre alt und lebt bis zu ihrem Tod im Winter 2002 ohne Anschluss an Strom- und Wasser in der Mühle.
Seit August 2001 wird die Niedermühle wieder originalgetreu restauriert, 2003 Bestätigung des Alten Wasserrechtes durch die untere Wasserbehörde, 2005 provisorische Wiederinbetriebnahme der Wasserkraftanlage
Von der Niedermühle führte der Fahrweg (Wettinweg) weiter zur Oberen Schleuse. Aufgrund der topografischen Lage war es notwendig, diesen ein kurzes Stück über böhmisches Gebiet zu führen. Dazu wurde die Kirnitzsch mit zwei Brücken überquert. Nach 1945 wurde die Grenze geschlossen und der Übertritt verboten. Nach dem EU-Beitritt Tschechiens wurde die erste Brücke als Fußgängerbrücke instandgesetzt und der steile Aufstieg zur Wolfstafel wieder für Wanderer geöffnet. Die zweite Brücke unterhalb der Mühle war eine Bogenbrücke aus Sandstein, baufällig und gesperrt, wurde aber dennoch rege genutzt. Im Herbst 2014 wurde sie ohne Vorankündigung von der deutschen Nationalparkverwaltung unter dem Vorwand des Hochwasserschutzes ersatzlos abgerissen. Seit Jahren bemüht sich die Gemeinde Hinterhermsdorf um einen Wiederaufbau, auch auf tschechischer Seite ist die Bereitschaft vorhanden, nur beim Nationalpark stößt man (wie nicht anders zu erwarten) auf taube Ohren.
Ausführliche Informationen zur Mühle und deren Geschichte findet ihr auf: www.niedermuehle-hinterhermsdorf.de
Dieser Geocache befindet sich in der Kernzone des Nationalparks Sächsische Schweiz. Die ausgewiesenen Wege müssen nicht verlassen werden!