
EXPLODIERENDE EIER, SICH EINMISCHENDE KINDER UND MÜRRISCHE STÜRME
Die Völker Polynesiens mussten lernen mit Ozeanen, Stürmen und sogar Vulkanen zu leben, daher ist es nicht verwunderlich, dass sich ein Großteil ihrer Mythologie mit der Natur befasst. Obwohl sie einige Mythen und Götter teilen, gibt es vieles, was in jeder Kultur einzigartig ist und sie haben viele verschiedene Überzeugungen darüber, wie die Welt geschaffen wurde.
Die Hawaiianer glauben, dass absolut alles von drei Göttern erschaffen wurde: Kane, Lono und Kū. Die Samoaner hingegen dachten, dass alles mit einem Ei begann, in dem der Gott Tagaloa kauerte. Als er herausbrach, explodierte die Schale in Stücke, die sich über den Ozean verteilten und zu Inseln wurden. Eine der populärsten Schöpfungsgeschichten der Māori erzählt, wie die Erde (Papa) und der Himmel (Rangi) eng aneinander geklammert waren. Die anderen Götter, die im Dunkeln zwischen ihnen zerquetscht wurden, konnten sich nicht entscheiden, ob sie sie trennen sollten oder nicht. Schließlich schob ihr Sohn Tâne sie auseinander, indem er auf der Erde lag und den Himmel mit seinen Füßen nach oben schob. Rangi war nicht sehr glücklich über die Trennung von seiner Frau und weinte so sehr, dass seine Tränen die Flüsse und Ozeane bildeten.
Auch der Bruder von Tāne, der Sturmgott Tāwhiri, war von der Trennung seiner Eltern nicht gerade begeistert. Tatsächlich ist er immer noch so wütend, dass er die Menschen immer wieder mit schlechtem Wetter bestraft.
DAS POLYNESISCHE WELTBILD
Es gibt viele verschiedene Weltanschauungen in der polynesischen Mythologie und alle beinhalten viel Wasser und noch mehr Inseln. In der bekanntesten, der Mäori-Welt, trennt Täne seine Eltern Erde und Himmel indem er sich dazwischen stemmt (was nach einer Weile ziemlich ermüdend geworden sein muss). Die Menschen leben auf Inseln, der Oberfläche von Erde, die noch nicht mit den Tränen von Himmel bedeckt sind.
VERBREITUNG
Die polynesischen Völker sind außergewöhnliche Seefahrer. Sie überquerten den Pazifik in ihren Booten und siedelten sich auf vielen Inseln an, von Neuseeland im Süden bis nach Hawaii, über Tonga, Samoa, Tahiti und östlich bis Rapa Nui.
DIE SAGE
Mauis viele legendäre Taten
Legenden über Maui existieren in praktisch allen polynesischen Kulturen. Er war alles, was man sich von einem Helden wünscht - klug, stark, witzig und ein bisschen rauflustig - aber so beginnt seine Geschichte nicht.
Maui wurde zu früh geboren und war so schmächtig, dass seine Mutter ihn ins Meer geworfen hat. Statt zu ertrinken, wurde er von den Göttern gerettet und wuchs zu einem großen und starken Mann heran. Er lernte auch sich in alle möglichen Kreaturen zu verwandeln und verwandelte sich besonders gern in Vögel. Er nahm den Kieferknochen seiner Großmutter (vermutlich erst nach ihrem Tod) um ihn als Waffe, seinen „Haken“ zu benutzen und er machte einige ziemlich beeindruckende Dinge damit. Ein Beispiel:
Als seine Brüder ihm sagten, dass er kein sehr guter Fischer sei, beschloss er, ihnen das Gegenteil zu beweisen und ging mit ihnen fischen. Sie segelten weit hinaus auf den Ozean, bis kein Land mehr in Sicht war. Die Brüder fingen viele Fische und fühlten sich überlegen. Aber dann war Maui an der Reihe. Er benutzte den Kieferknochen seiner Oma als Angelhaken und fing den größten Fisch, den die Brüder je gesehen hatten. Er war wirklich enorm.
Unter großer Anstrengung zog er den Fisch aus dem Wasser. Seine Brüder waren so neidisch, dass sie anfingen sich um den Fisch zu streiten und viele Schnitte in das Fleisch des Fisches machten. Dieser riesige Fisch wurde zur Nordinsel Neuseelands und die Schnitte wurden deren Täler. Mauis Kanu wurde zur Südinsel und er zog auch viele andere polynesische Inseln auf dieselbe Weise aus dem Meer.
Maui bestritt auch viele andere Abenteuer. Er stahl Feuer von der furchterregenden Feuergöttin Mahuika und gab es der Menschheit. Er benutzte wieder Omas Kieferknochen um die Sonne einzufangen und sie zu verlangsamen, damit die Tage länger wurden und die Menschen mehr arbeiten konnten (ob das so gut war?). Er gab der Welt sogar Kokosnüsse, indem er einen riesigen schleimigen Aal besiegte, ihm den Kopf abschnitt und ihn vergrub. Aus dem Kopf spross der erste Kokosnussbaum.
Seine Taten sind nicht nur in den Sagen und Legenden übertragen, sondern auch oft in den polynesischen Tattoos, deren Ursprung den Mäori zugeschrieben wird. Hier aufgezählt die Motive seiner Legenden: die Gabe der Kokosnuss, die Verwandlung in Vögel, die Zähmung der Sonne, das Fischen von Inseln, das Anheben des Himmels damit die Menschen nicht mehr kriechen müssen, seine Geburt, sein Tod durch die Wächterin des Lebens (welch Ironie), natürlich auch das Motiv wie er seinen Haken bekam, und das Stehlen des Feuers für die Menschen.

