
EINE FAMILIE AUS INSELN, BERGEN UND VULKANEN
In der japanischen Mythologie dreht sich alles um die Kami. Kami sind nicht gerade Götter - sie sind eher wie geheimnisvolle, heilige Kräfte, die in allem existieren, was die Welt ausmacht, von der Natur bis zu einzelnen Objekten.
Und es gibt sehr viele von ihnen - etwa acht Millionen, um genau zu sein - deshalb ist es keine gute Idee, sie alle hier aufzuzählen. Es gibt Kami von Bergen und Bäumen; Kami von Flüssen und Stürmen; Kami von Feuer und Donner. Viele der Kami nehmen menschliche Gestalt an und verhalten sich ähnlich wie die Götter, die man in der europäischen Mythologie findet.
Nach der japanischen Mythologie haben die Kami die Welt erschaffen. Am Anfang lebten die Kami im Himmel, während die Welt unter ihnen noch ein formloses, düstere Chaos war. Ein Kami-Paar namens Izanagi und Izanami wurde von den anderen ausgewählt, um die Welt in etwas Solides zu verwandeln. Das Ehepaar stand auf einer Brücke zwischen Himmel und Erde und rührte einen Speer in die flüssige Pfütze. Als sie den Speer hochhoben, fielen einige Tropfen herunter, wurden fest und wurden zu einer Insel. Das Paar ging auf die Insel hinunter, baute einen Palast und bekam viele Kinder.
Es waren natürlich keine gewöhnlichen Kinder - als Kami-Kinder waren sie die Kamis aller Inseln Japans, die Kamis der Sonne und des Mondes und viele andere.
DAS JAPANISCHE WELTBILD
In der japanischen Mythologie gibt es drei Welten. Die Götter leben oben, an einem Ort namens Takamanohara ("die hohen Felder des Himmels"). In der Mitte liegt Nakatsukuni, das Land, in dem wir Menschen leben, das von einem grenzenlosen Meer umgeben ist. Unterhalb der Erde liegt Yomi-no-Kuni, eine dunkle und feuchte Unterwelt.
VERBREITUNG
Die japanische Mythologie stammt hauptsächlich aus den beiden großen Religionen des Shintoismus und des Buddhismus. Die Mythen wurden erstmals im 7. Jahrhundert n. Chr. niedergeschrieben und verbreiteten sich auf den Hunderten von Inseln, die das heutige Japan bilden.
DIE SAGE
Ōkuninushi bekommt die Braut
Okuninushi war der jüngste von einundachtzig Brüdern. Er war ein netter Junge, aber seine achtzig großen Brüder waren zu schrecklichen, zornigen Männern herangewachsen, die ihren jüngsten Bruder sehr schlecht behandelten.
Eines Tages beschlossen die achtzig Brüder, in die Provinz Inaba zu reisen. Sie wollten die schöne Prinzessin Yagami umwerben und befahlen Õkuninushi als ihr Diener mitzukommen. Sie trabten auf ihren Pferden davon und ließen den armen Ōkuninushi zu Fuß mit ihrem gesamten Gepäck zurück. Die Brüder hörten unterwegs eine Stimme, die um Hilfe rief. Es war ein Hase, und er war in einem sehr schlechten Zustand. Der Hase erklärte, dass er einigen Meeresungeheuer einen Streich gespielt hatte und die Monster deswegen so wütend geworden waren, dass sie ihm das Fell als Strafe abzogen. Anstatt dem Hasen zu helfen, sagten die grausamen Brüder er solle in Salzwasser baden und in die Sonne liegen. Der Hase tat, was sie sagten - aber das Salz und die heiße Sonne ließen seine Haut aufreißen und noch mehr brennen als je zuvor.
Õkuninushi lag noch meilenweit hinter seinen Brüdern. Als er den Hasen weinend fand, versuchte er, ihm zu helfen. Er sagte ihm, er solle das Salz mit Süßwasser aus dem Fluss abwaschen und sich dann auf den Pollen einiger Rohrkolben, die am Flussbett wuchsen, wälzen. Der Hase war ein wenig misstrauisch, aber er tat was Õkuninushi vorschlug. Als das Salz abgewaschen und die Pollen auf der Haut waren, begann sein Fell wieder zu wachsen. Der Hase war begeistert. Um Õkuninushi zu danken sagte er ihm, dass er und nicht seine achtzig bösen Brüder Prinzessin Yagami heiraten würde. Als Õkuninushi schließlich in Inaba im Palast ankam war die Prinzessin damit beschäftigt, alle achtzig seiner Brüder kennen zu lernen. Sie mochte ihre arrogante und wütenden Manieren nicht, aber sie fand Õkuninushi sei sanft und klug, also entschied sie sich dazu ihn zu heiraten, wie der Hase es vorausgesagt hatte.
Wusstet ihr eigentlich...
ein bisschen über Origami
Origami ist die Kunst des Papierfaltens. Ausgehend von einem zumeist quadratischen Blatt Papier entstehen durch Falten zwei- oder dreidimensionale Objekte, beispielsweise auch Tiere wie Hasen (was ja rein zufällig zu obiger Sage passt, rein zufällig). In Japan erlebte diese Kunstform in der Muromachi-Zeit (1333-1568) eine erste und in der Edo-Zeit (1603-1868) eine zweite Blütezeit. Da Papier zu jener Zeit recht teuer war, war es aber zeremoniellen Faltungen vorbehalten. Das ist glücklicherweise heute anders, so dass ihr nachfolgende Aufgabe so oft probieren könnt wie ihr eben müsst. Oder wollt. Vielleicht wollt ihr ja sogar über das Rätsel hinaus eine ganze Hasenfamilie? Papa-Hase, Mama-Hase, Baby-Hase,... und zwanzig weitere Tanten, Onkel, Schwestern, Brüder... Ganz wie ihr wollt.
Viel Spaß!


