
KLEINE ENTEN, GROSSE BÄUME UND VIELE KÖPFE
Viele slawische Götter hatten mehr als einen Kopf. Sie versuchten nicht nur die Menschen zu verwirren, vielmehr repräsentierte jeder Kopf einen anderen Aspekt der Natur: die Jahreszeiten oder die Himmelsrichtungen. Dies war eine der Möglichkeiten, mit denen die slawischen Mythen versuchten, die mächtigen Kräfte der Natur zu erklären.
Die Slawen setzten sich in Wirklichkeit aus vielen verschiedenen Völkern zusammen, die oft sehr unterschiedliche Vorstellungen davon hatten, wie die Welt entstanden ist. Einige Slawen glaubten, dass die Welt von dem Gott Svarog geschaffen wurde, mit Hilfe eines anderen Gottes namens Rod und einer kleinen grauen Ente. Es war eindeutig eine superstarke Ente, da sie dabei half, Mutter Erde vom Grund des Urozeans hochzuziehen. Eine populärere Vorstellung war auch, dass das Universum ein einziger riesiger Baum war, in dem Götter, Menschen und andere übernatürliche Wesen zwischen den Zweigen und Wurzeln lebten.
DAS SLAWISCHE WELTBILD
Der Weltbaum der slawischen Mythologie war eine gigantische Eiche, die in drei Regionen unterteilt war. An der Spitze des Baumes lebten die Götter. Ihr Häuptling, Perun, wachte über jeden, der sich darunter befand, und nahm oft die Gestalt eines Falken oder Adlers an. In der Mitte des Baumes befand sich der Mensch, während die Unterwelt in den Wurzeln steckte.
Im Gegensatz zu den meisten anderen Unterwelten war die slawische ziemlich angenehm: voller grüner Ebenen und grasendem Vieh. Dieses schöne Bild wurde nur leicht durch den Gott Veles ruiniert, der sich gelegentlich in eine riesige Schlange verwandelte und über alles glitt.
VERBREITUNG
Die slawischen Völker verbreiteten sich um das 6. Jahrhundert n. Chr. aus Ost- und Mitteleuropa und besetzten schließlich die meisten dieser Gebiete sowie das heutige Russland und den Balkan.
DIE SAGE
Der Feldzug von Wolga Swjatoslawitsch
Wolga Swjatoslawitsch ist einer der bekanntesten Helden der slawischen Geschichte. Er ist der Sohn einer Schlange und der russischen Prinzessin Martha Vseslavievna, die ihn auf wundersame Weise gezeugt hat, als sie versehentlich auf die besagte Schlange getreten ist. Er selbst kann sich in jedes Tier verwandeln und konnte auch mit den Tieren sprechen.
Wolga Swjatoslawitsch erlebte viele Abenteuer, die bedeutsamste ist sein Feldzug in einem fernen Königreich, Indien. Um während des Zugs seine Truppen mit Nahrung zu versorgen, verwandelte er sich in einen Wolf und in einen Falken. Das so gejagte Wild gab er seinen Kriegern. Als er vor dem Feind, dem türkischen Sultans Suleiman stand, wandelte er seine Form in ein flinkes Hermelin, das sich geschickt in die feindlichen Reihen der Bogenschützen stahl und die Bogensehnen durchbiss. In Wolfsgestalt sprang er zu den Reitern des Feindes und… naja machte eben was ein Wolf mit Pferden so anstellt. Als Gute-Nacht-Geschichte geht diese Sage nicht unbedingt durch.
So ging es fort bis das Heer von Wolga Swjatoslawitsch vor den letzten, uneinnehmbaren Mauern des verfeindeten Königreichs stand. Doch auch dafür hatter Wolga eine Idee: Er verwandelte seine Soldaten in Ameisen, die durch die kleinen Ritzen und Spalten in das Innere des Reiches gelangten. Sobald sein gesamtes Heer es durch die Mauern geschafft hatte, verwandelte er sie zurück in ihre ursprüngliche Form. So besiegten die Krieger auch dieses Reich. Wolga wurde König davon und heiratete die Frau des von ihm niedergestreckten Königs.
Irgendwo auf seinen Feldzügen hat Wolga Swjatoslawitsch eine Schatulle mit großen Kostbarkeiten versteckt. Unter anderem befand sich darin ein Schriftstück, welches den Namen die darauf verewigt werden, zu ewigem Ruhm in einem weltenübergreifendem Netz der Zukunft verhelfen sollen. Was auch immer damit gemeint ist. Als Hinweis, wo diese Kostbarkeit versteckt ist, lies er folgendes Pergament zurück.

