Sandcalcite – eine geologische Seltenheit

Sandcalcite sind Calcite, die während ihrer Bildung größere Mengen Sand, zuweilen bis weit über 50%, "poikilitisch" (griech.: poikilos = gefleckt) im Kristall eingeschlossen haben. Sandcalcite sind somit eine Variante des Calcits. Sie zeichnen sich gegenüber anderen Mineralien dadurch aus, dass der eingeschlossene Sand das Kristallwachstum nicht wesentlich behindert.
Sandcalcite sind unter den Calciten eine Seltenheit, auch wenn sie sich nicht gerade durch eine große Attraktivität auszeichnen. Fälschlicherweise werden sie oft als Pseudomorphosen bezeichnet, durch einen einfachen Test mit verdünnter Salzsäure (HCl) kann jedoch schnell das Gegenteil bewiesen werden.
Zu den Sandcalciten zählt man auch auf Calcit basierende Konkretionen, die meist eine xenomorphe Struktur aufweisen. Der Begriff Xenomorph setzt sich zusammen aus altgriechisch ξένος [xénos] für „Fremder“ oder „fremd“ und μορφή [morphé] für „Gestalt“ oder „Form“.
Konkretion leitet sich aus den lateinischen Worten „con“ und „crescere“ ab was „zusammen“ und „wachsen“ bedeutet.
Sowohl Sandcalcite als auch die angesprochenen Konkretionen sind kristallin, auch wenn man es den Konkretionen äußerlich oftmals nicht ansieht. Häufig treten beide Formen an einer Lokalität nebeneinander auf, ihre Genese ist identisch.
Genese von Sandcalciten
Zur Genese von Calciten, im Speziellen auch der Sandcalcite, wird Kohlensäure (H2CO3) benötigt. Diese kann z. B. durch die Verbindung von Wasser (H2O) mit dem in der Luft befindlichen Kohlenstoffdioxid (CO2) entstehen. Die Kohlensäure löst Calciumionen (Ca2+) aus dem vorhandenen Kalkstein (Calciumcarbonat (CaCO3)) und dissoziiert zu Hydrogencarbonat (HCO3-). Das in Lösung befindliche Calciumhydrogencarbonat bleibt solange in Lösung, bis sich an einem bestimmten Punkt in meist lockerem Sand, der Mengenanteil an Kohlensäure verändert. Das Gleichgewicht verschiebt sich zu Ungunsten der Kohlensäure und Calciumcarbonat fällt wieder aus.
Durch eventuell auftretende Wasserströme können die Sandcalcite oder auch die Konkretionen nach einer Anfangs kugeligen Form eine richtungsbezogene, stromlinienförmige Form bilden.
Fazit ist, dass die vorhandenen Konkretionen und Sandcalcite einen Übergang im diagenetischen Prozess der Sandsteinbildung darstellen. Vom lockeren Sand hin zu kompakteren, durch Karbonat gebundene Sandbänke. Allerdings bildet der im Sandstein vorhandene Calcit meist nur einen feinkörnigen, polykristallinen Zement, der die vorhandenen Komponenten des Sandes, wie Quarzkörner, Glimmer, usw. bindet.
Dies unterstreicht die Seltenheit der Sandcalcite und ihrer Konkretionen.
Mitten in der stillgelegten Sandgrube ragt diese mächtige Wand empor!

In dieser stillgelegten Sandgrube zwischen Neuerode (Hessen) und Kella (Thüringen) ist in den verbliebenen Sedimenten eine Wechsellagerung sichtbar. Im Profil bestehen diese Ablagerungen aus mehrfachen Wechsellagerungen von geschichteten Sanden mit Terrassenschottern und -lehmen. Die Terrassenschotter enthalten vor allem Kalke und Mergel des Oberen Muschelkalks. Die Gerölle selbst sind teilweise durch Kalkausscheidungen miteinander verbacken, die interessanten Calcitkonkretionen kommen in den geschichteten Sanden vor und sind durch kalkhaltige Sickerwässer aus den Muschelkalkschottern entstanden.
Der gesamte verbliebene Aufschluss misst ungefähr 15 m in der Höhe und erstreckt sich in der Länge auf gut 125 m - genug Fläche, um auf die Suche nach Sandcalciten zu gehen, die mit Erfolg gekrönt sein wird!
Z u r B e a c h t u n g:
Dieser Earth Cache zeigt eine erdgeschichtliche Sehenswürdigkeit der unbelebten Natur, die Erkenntnisse über die Entwicklung der Erde und der Entstehung des Lebens vermitteln. Sie dienen aber auch als Lebensraum von Tier- und Pflanzenarten.
Bitte verhaltet euch entsprechend umsichtig und schont die Natur. Es ist nicht erforderlich und nicht erlaubt solche Naturräume zu beschädigen (Steine schlagen, Pflanzen zu entnehmen etc.).
Die geologische Formation ist frei zugänglich, doch Vorsicht! Bitte seid auch auf eure eigene Sicherheit bedacht und verhaltet euch entsprechend.
Um diesen Earthcache zu loggen, begebt euch, unter Beachtung der nötigen Vorsicht, zum Aufschluss auf dem stillgelegten Abbaugelände und beantwortet die nachfolgenden Aufgaben:
Aufgabe 1
Beschreibt die Form der Sandcalcite in Bezug auf Größe, Farbe, Festigkeit und Oberflächenbeschaffenheit.
Aufgabe 2
In welchen Bereichen des Aufschlusses treten die Sandcalcite in Erscheinung?
a) Zeigen sie sich örtlich begrenzt oder sind sie überall zu entdecken?
b) Treten sie solitär - einzeln - oder in gruppenartigen Ansammlungen auf?
Aufgabe 3
Was meint ihr, welchem Gemüse sehen die Sandcalcite sehr ähnlich, begründet eure Ansicht?
Aufgabe 4
Seit dem 1. Juni 2019 darf ein Logfoto gefordert werden. Fotographiert euren Talisman, euer GPS-Gerät oder einen anderen charakterischtischen Gegenstand mit den Gebäuderesten im Hintergrund und stellt das Foto mit ein.
Viel Spaß beim Erkunden der seltenen geologischen Besonderheiten wünscht
Herbalwitch1965
QUELLEN: STEINE & MINERALIENATLAS; WIKIPEDIA; ALLE FOTOS SIND EIGENE AUFNAHMEN VON VOR ORT